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german-essays

Marx, Moses und die Heiden in der Offenen Stadt (3) Tomislav Sunic Sleipnir (Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik); 2.Jg., Heft 3, Mai/Juni1996

Den Kritikern, die behaupten, der Polytheismus sei eine prähistorische, dem primitiven Geiste zuzuordnende Angelegenheit und als solche unvereinbar mit einer mo­dernen Gesellschaft, könnte man entgegenhalten, daß Heidentum nicht unbedingt mit einer Rückkehr zum „Verlorenen Paradies" oder einer Sehnsucht nach Wieder- herstellung der griechisch-römischen Ordnung gleichzusetzen ist. Für den heidnischen Konservativen bedeutet das Bekenntnis der Verbundenheit mit dem Hei­dentum („Paganismus") den Willen, Europas historische Ursprünge neu zu beleben sowie einige geheiligte Aspekte des in Europa vor dem Aufstieg des Christen­tums gelebten Lebens, wiederzuerwecken. In bezug auf die angebliche Überlegenheit bzw. Modernität des Juden-/Christentums gegenüber der Rückständigkeit des indogermanischen Polytheismus, könnte man hinzufü­gen, daß die jüdisch-christlichen Religionen, was Mo­dernität anbelangt, nicht weniger rückständig sind als die heidnischen. De Benoist unterstreicht diesen Ge­sichtspunkt wie folgt:

Marx, Moses und die Heiden in der Offenen Stadt (1) Sleipnir ( Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik, Heft 2. März /April, 1995)

Mit der Bekehrung des römischen Kaisers Konstantin zum Christentum neigte sich die Epoche des heidnischen Europa ihrem Ende entgegen. Im Laufe des folgenden Jahrtausends wurde der gesamte europäische Erdteil der Herrschaft des Evangeliums unterworfen - bisweilen durch friedliche Überzeugungsarbeit, oft aber durch gewaltsame Bekehrung. Die noch gestern die Verfolgten des Alten Rom gewesen, wurden nun ihrerseits im christlichen Rom die Verfolger. Wer noch zuvor das ihm von Nero, Diocletian oder Caligula bereitete Schicksal beweinte, zögerte jetzt nicht, mit „kreativer" Gewalt gegen gottlose Heiden vorzugehen. War Gewaltanwendung nach dem Buchstaben des christlichen Gesetzes auch untersagt, wurde sie doch hemmungslos ausgeübt gegen jene, die nicht in die Schar der „auserwählten Kinder" Gottes hineinpaßten. In der Regierungszeit Konstantins nahm die Verfolgung der Heiden Formen an, die denjenigen, mit denen früher die alten Glaubensgemeinschaften die neuen verfolgt hatten, nicht nur vergleichbar waren, sondern sie in ihrer Unerbittlichkeit noch übertrafen.1 Durch das Edikt von 346 n.Chr. und das zehn Jahre später erlassene Edikt von Mailand wurden Heidentempel und die Verehrung heidnischer Gottheiten als magnum crimen gebrandmarkt. Über alle, die schuldig befunden wurden, an althergebrachten Opferritualen teilgenommen oder heidnischen Götzen angebetet zu haben, wurde die Todesstrafeverhängt. „Unter Theodosius unternahm die Verwaltung eine systematische Anstrengung, die verschiedenen Formen des Heidentums durch Auflösung, Enteignung und Ächtung der noch vorhandenen Kultgemeinden zu beseitigen."2 Das „Finstere Frühmittelalter" hatte begonnen.

„Marx, Moses und die Heiden in der Offenen Stadt“ (2) SLEIPNIR (Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik, Heft 3. Mai/Juni, 1995)

Zweitausend Jahre des jüdisch-christlichen Monotheismus haben der abendländischen Kultur ihren Stempel aufgedrückt. Angesichts dieser Tatsache sollte es nicht überraschen, daß eine Verherrlichung des Heidentums und Kritik an der Bibel und der jüdisch-christlichen Ethik, insbesondere wenn sie vom rechten Flügel des gesellschaftlichen Spektrums ausgehen, in der Offenen Stadt wahrscheinlich wenig Anklang finden. Es genügt ein Blick auf die amerikanische Gesellschaft, wo Angriffe auf jüdisch-christliche Prinzipien häufig mit Argwohn betrachtet werden und wo die Bibel und der biblische Mythos von Gottes "auserwähltem Volk" noch eine bedeutsame Rolle in bezug auf das amerikanische Verfassungsdogma spielen.1 Obschon der Offenen Stadt die jüdisch-christliche Theologie heute gleichgültig geworden ist, weisen gleichwohl die aus der jüdisch-christlichen Ethik hergeleiteten Prinzipien, wie "Frieden", "Liebe" und "weltumfassende Brüderlichkeit", noch alle Anzeichen gesunder Vitalität auf. Viele liberale und sozialistische Theoretiker in der Offenen Stadt haben zwar einerseits den Glauben an die jüdisch-christliche Theologie aufgegeben, es aber andererseits nicht für klug gehalten, die von der Bibel gelehrte Ethik aufzugeben.

Endzeiten: Die Balkanisierung Europas und Jüngers Anarch Hier & Jetzt (Ausgabe 18; Frühjahr 2012) http://www.hier-und-jetzt-magazin.de/

Hier & Jetzt (Ausgabe 18; Frühjahr 2012)

www.hier-und-jetzt-magazin.de

Dr. Tomislav Sunic

Das Wort „Endzeiten“ erinnert an die biblischen Voraussagen über einen linearen Zeitverlauf, der in ein apokalyptisches Ende der Welt einmünden soll. Diese Idee ist typisch für den Offenbarungsmenschen, dessen Denken aus semitischen Quellen gespeist wird: „Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Der erste Him­mel und die erste Erde waren verschwunden, und das Meer war nicht mehr da. Ich sah, wie die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkam“ (Offb. 21,1-4).

Der Balkankrieg – im Westen missverstanden (den 29 Januar 1994 ~ Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Der endlose Krieg in Bosnien und Herzegowina sowie in Teilen des serbisch besetzen Kroatien sollte uns an Moltke erinnern, der am 14. Mai 1890, in der Reichstagssitzung, gesagt hat: „Wenn ein Krieg zum Ausbruch kommt, so ist seine Dauer und sein Ende nicht abzusehen... Es kann siebenjähriger, es kann auch ein dreißigjähriger Krieg werden.” Wer hätte es glauben können, dass die Logik des Krieges in Kroatien, und später auch in Bosnien und Herzegowina, trotz einer Menge internationaler „Sachverständiger“ und „Experten“, immer wieder ein neues Kapitel des Grauens öffnen würde? Die Maastricht-Politiker und die Diplomaten der Vereinten Nationen scheinen so mit komplexen Verhältnissen des mitteleuropäischen und südosteuropäischen Multikultur-Mosaiks überfordert zu sein, so dass das Schlagwort „Balkansyndrom“ oft als ein nettes Alibi für ihr eigenes Nichtstun benutzt wird.

Späte Einsicht in Serbien (14. August 1992, Nr. 187 / Seite 57 ~ Neue Zürcher Zeitung Freitag)

Die Demonstrationen der serbischen Intellektuellen und Oppositionsparteien gegen Slobodan Milosevic, so lobenswert sie sein mögen, kommen leider zu spät. Die serbische Akademie der Kunst und Wissenschaft, die heute die Proteste anführt, hat eine sehr fragwürdige Geschichte. Die Akademie hat 1986 ein Memorandum entworfen, in dem die bekannten serbischen Akademiker die Schaffung Groß-Serbiens sowie die „ethnische Reinigung“ Kosovos empfahlen. Die serbische orthodoxe Kirche hat trotz ihrer neugefundenen Protesthaltung jahrzehntelang Stillschweigen und ein niedriges Profil vorgezogen. Sie hat nie die Repression gegen die Kosovo-Albaner verurteilt, und letztes Jahr hat sie mit keinem einzigen Wort die Invasion der jugoslawischen Armee in Kroatien kritisiert. Auch prominente serbische Intellektuelle waren fast alle stumm, als die jugoslawische Armee Dubrovnik bombardierte und Vukovar dem Erdboden gleichmachte. Der Wunsch der serbischen politischen und intellektuellen Klasse, alle serbischbesiedelten Gebiete in den Nachbarrepubliken Groß-Serbien einzuverleiben, kann gegenteilige Konsequenzen auch für die Serben haben. Wenn Serbien konsequent seine eigenen territorialen Ansprüche juridisch und historisch legitimieren will, sollte es auch Kosovo an Albanien, sowie einen Teil der Vojvodina an Ungarn übergeben. Mit ihrem Wahnwunsch, Groß-Serbien zu errichten, könnten alle Serben leicht in Klein-Serbien landen. Der Fall Jugoslawien weigt, dass die Multikulturutopien, wo immer sie sein mögen, nur mit Gewalt entstehen und bestehen können. Vielleicht lernt Amerika nach den Ereignissen in Los Angeles, das die Pathologie Jugoslawiens auch im eigenen Hause lauern kann. Vielleicht lernen das multikulturelle Marseille und Berlin etwas vom Kriege in Bosnien und Herzegowina.