Ulrichsberg: Mahnort oder Wegweiser neuer Katastrophen?

Auszug aus der Rede von Prof. Dr. Tomislav Sunic am 15. September 2013

Neue Ordnung (Graz) IV/13, EDITORIAL
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Der Ulrichsberg ist ein Abbild von zahllosen deutschen und zahllosen europäischen, bzw. kroatischen, ungarischen, italienischen, belgischen und französischen Gedenkorten. Was uns mit Ulrichsberg verbindet, verbindet uns auch mit dem kärntnerischen Bleiburg oder dem sächsischen Dresden. Im kroatischen Geschichtsbewusstsein hat das Wort „Bleiburg“ einen ganz besonderen Klang, so wie der Name Ulrichsberg eine besondere Bedeutung für Sie hat. Wenn man das Wort Bleiburg in Kroatien ausspricht, denkt man nicht an schöne Wälder, einen Skiurlaub oder ein Shoppingzentrum in Kärnten. Das Wort Bleiburg ist im kroatischen Wortschatz fast ein metaphysischer Begriff geworden für den allgemeinen kroatischen Werdegang.

Bleiburg ist nicht Sinnbild für einen schönen romantischen Ort, sondern ein Symbol für die biologische Katastrophe Kroatiens. Im Mai 1945 waren hunderttausende flüchtende Kroaten, auch viele Kosaken, Montenegriner, Serben und Slowenen meistens Zivilisten, von den anglo-amerikanischen Alliierten aus Südkärnten an die jugo-kommunistischen Schergen ausgeliefert worden.
Wir sollen auch hier die Millionen der vertriebenen Deutschen aus Schlesien, Pommern, aus dem Sudetenland und dem Donauraum, aber auch aus Kärnten nicht vergessen. Leider gelten noch immer zweierlei Maßstäbe, wenn wir der Toten der Nachkriegszeiten gedenken.
Wie uns der große deutsche Staatsrechtler Carl Schmitt lehrte, liegt hier eine gefährliche Problematik im modernen Völkerrecht und demzufolge in der Ideologie der Menschenrechte vor, und daher auch mit unserem Gedenktag heute und morgen. Für viele Medienleute und „Antifaschisten“ heute gelten die Leute, die durch Kärnten im Sommer flüchteten, als Monster oder Ungeziefer. Wie sollen die Menschenrechte für die Ungeziefer und Undemokraten gültig sein? Für die sogenannten Monster kann es keine Gedenkstätte geben. Diese verdienen keine Trauer und keine Träne. Sie verdienten deren Meinung nach den Tod.
Man wirft uns manchmal vor, unser Leiden und unseren Gedenktag hochzuspielen, um die faschistischen Verbrechen zu relativieren. Das ist Unsinn. Diese These kann leicht umgekehrt werden. Die Systemhistoriker und die Meinungsmacher vergessen, dass jede einseitige Opferlehre konfliktstiftend ist: Jede einseitige Opferlehre beharrt auf ihrer eigenen Einzigartigkeit und beruht immer auf den Kosten der anderen Opfer. Die viktimologische Atmosphäre im heutigen Multikulti-Europa verleitet jeden Stamm, jede Gemeinschaft, jeden nicht-europäischen Zuwanderer zu der Annahme, nur seine Opferlehre sei wichtig und einzigartig. Jede Opferlehre steht mit den anderen im Wettbewerb und letztendlich muss der Zusammenstoß erfolgen. Solche einseitige Opferrollenmentalität dient nicht der Konfliktverhinderung und dem Frieden. Sie führt zur multiethnischen Gewalt und macht den künftigen Konflikt unausweichlich.
Das Problem liegt in der Tatsache, dass man gegenseitige Opfer – so viel man sie kriminalisieren und relativieren mag – , nicht sehr lange Zeit verbergen oder verschweigen kann. Oder anders formuliert, abgesehen von unserer angeblichen Instrumentalisierung unserer Opfer: Warum hört man wenig, fast nichts in den Schulen oder in den Universitäten über das Leiden der Deutschen, Kroaten und anderen Völker kurz nach dem Zweitem Weltkrieg?
Durch die heutige Verharmlosung und Relativierung der alliierten Nachkriegsverbrechen entsteht kein Klima gegenseitigen Verständnisses und der Versöhnung, sondern ein Klima der falschen Mythologien und kollidierenden Opferlehren, wobei sich jeder Mensch, und jeder Stamm als Opfer seines jeweiligen Nachbarn fühlen muss.
Das Schulbeispiel ist wieder der Zusammenbruch des ehemaligen Kerker – und Kunststaates Jugoslawien, wo die verlogenen und falschen kommunistischen Opferlehren der Hauptgrund für den Krieg im Jahre 1991 waren. Die kommunistischen jugoslawischen Hofhistoriker hatten nicht ein gegenseitiges Verständnis zwischen den jugoslawischen Völkern herbeigeführt, sondern gegenseitigen Hass und Krieg.
Geben wir uns – liebe Kollegen und Kameraden – keinen Illusionen hin. Der Ulrichsberg ist nicht nur ein verdienter Mahnort gegen Kriege oder ein Platz zur Versöhnung, oder ein Ort des Gedenkens. Ulrichsberg kann symbolisch auch ein Menetekel von großen baldigen Katastrophen sein. Was uns in den folgenden Jahren erwartet, kann man sich schon jetzt vorstellen. Manche von euch, manche von uns, die ein verlängertes Geschichtsbewusstsein haben, wissen gut, dass eine Welt zu Ende ist. Die kommende Welt wir schlimm sein. Aber die kommende Welt bietet uns allen eine Chance.
Der Redner ist kroatisch-amerikanischer Politikwissenschaftler und Vorstandsmitglied der Amerikanischen Freedom Party.