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german-essays

Es leben meine Toten! (Die Antifa-Dämonologie und die kroatische Opferlehre)

Neue Ordnung (Graz), I/2015

www.neue-ordnung.at

Die dämonologische, mythologische und kriminologische Schilderung Kroatiens im Zweiten Weltkrieg bildet noch immer die Grundlage für die Historikerzunft. Die verzerrte Geschichtsschreibung über Kroatien seitens der ehemaligen Systemhistoriker war die Hauptursache für das entstellte Geschichtsbewusstsein jugoslawischer Völker, was schließlich den Zerfall Jugoslawiens und den anschließenden Krieg in 1991 ausgelöst hatte. Im Lichte der neuen Forschungen, die zum Teil auf forensischen Untersuchungen basieren, deuten heute manche kritische kroatische Historiker, sogar in den etablierten Medien, auf viele fragewürdige Einzelheiten in der Prosa der ehemaligen Systemhistoriker hin. Im heutigen Kroatien, ähnlich wie in der BRD, will die Vergangenheit nicht vergehen. Das Hexenspiel mit Opferzahlen des Zweiten Weltkriegs tobt heftig weiter. Das Ustascha-KZ-Lager Jasenovac und der Schreckensname Ante Pavelić, der Name des Ustascha Staatsführers, der von 1941-45 in Kroatien regierte, wird weiterhin als Sinnbild für das absolute Böse hervorgehoben. Gelegentlich wird sein Name auch in bekannten Weltzeitungen als „einer des größten Massenmörder Europas“ als Warnzeichen gegen alle europäische Nationalisten verwendet. '1

Nach jedem neuen Regimewechsel schwankt die offizielle Zahl der ehemaligen kroatischen Ustascha-KZ-Jasenovac Opfer. Während der kommunistischen Herrschaft in Jugoslawien, d.h. von 1945 bis 1990, wurde die offizielle Zahl der dort ermordeten Serben, Juden, Zigeuner und Kommunisten in Schulbüchern mit "700.000" festgesetzt. Nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991 wurde in Kroatien die Zahl der Opfer um das Zehnfache verringert, das heißt auf die Zahl von "70.000" Toten beziffert. Tudjman selbst schrieb in seinem umstrittenem Buch, welches zwei Jahre vor dem Zerfall Jugoslawiens veröffentlicht wurde, dass „ in Jasenovac wahrscheinlich zwischen 30.000 bis 40.000 Gefangenen gestorben sind; meistens Zigeuner, Juden, Serben und Kroaten“ '.2 In diesem Buch hatte sich Tudjman auch kritisch gegenüber den medialen „Dämonologen“ des kroatische Volkes geäußert, die über „den Jasenovac-Mythos und die These von angeblicher Genozidität der Kroaten“ schreiben '.3 Diese Worte haben ihn, sowie das ganze Kroatien nach seiner Unabhängigkeitserklärung, schwer belastet. Einige nationalistische kroatische Autoren gehen heute noch weiter und senken die Zahl der ermordeten Serben, Juden und Kommunisten im Jasenovac-KZ-Lager auf magere "500 bis 700" Tote. '4 Meistens sind es Polemiker die einseitig mit Jasenovac-Opferziffern spielen und die sich nur auf ex-jugoslawische, bzw. kroatische Archivbücher berufen.

Das Herumbasteln mit den Ustascha-Opfern ist noch immer eines der zentralen Anliegen im Zweikampf der Opferlehren zwischen Serben und Kroaten. Bis heute jedoch, trotz des Endes des jüngsten Krieges, wurde von der Historikerzunft keine endgültige Lösung gefunden. Das Ustascha-Lager Jasenovac gilt weiterhin "off limits“ in Kroatien, bzw. außerhalb der Grenzen wissenschaftlicher Bearbeitung. Keinerlei Ausgrabungen in dem Jasenovac-Lager werden derzeit in Kroatien gestattet. In bezug auf das Schicksal der ermordeten Juden, die angeblich als "Kapos" in Jasenovac tätig waren, soll man auf die Angaben von dem bekannten ex-Bolschewiken Ante Ciliga – auch ein guter Bekannter von Tudjman, und ein ehemaliger Jasenovac-Insase - vertrauen. Ciliga war nach dem Zweiten Weltkrieg in den Umkreis der nationalistischen Exilkroaten in Italien geraten, obgleich seine Bücher über die sowjetische Betonsprache und kommunistische Doppelzüngigkeit häufig in politologischen Kreisen Frankreichs zitiert werden'5 .

Laut manchen kroatischen Historikern, die man heute oft in den etablierten Medien in Kroatien liest, wurde Jasenovac zwischen 1945 und 1947 von den jugoslawischen Kommunisten in ein Lager für antikommunistische Kroaten und Volksdeutsche umgewandelt. Zehntausenden Gefangene sollen dort von den jugokommunistischen Wachen nach dem Zweiten Weltkrieg ermordert worden sein. In der meistgelesenen kroatischen Tageszeitung gab es unlängst einen Aufsatz über „das Nachkriegslager und Schafott Jasenovac“. „Das ist jedoch nur ein Rad welches einen weiteren Durchlauf in den Enthüllungen ermöglicht, und welches niemand mehr aufhalten kann“.'6

Das ehemalige KZ-Jasenovac spiegelt nicht nur eine tiefe Spaltung zwischen den sogenannten antifaschistischen und nationalistischen Historikern in Kroatien wider, sondern steht auch als Symbol für zwei zusammenstoßende Opferlehren zwischen Serben und Kroaten, sowie für die verschiedenen Opferlehren europäischer Nationalisten jeglicher Couleur. Nach den jüngsten Wahlerfolgen nationalistischer Parteien in Europa, wäre es naiv über „eine europäische gemeinsame nichtislamische oder weiße Heimat" zu phantasieren, wenn man bedenkt, dass sich ein polnischer Nationalist völlig anders als sein deutschnationaler Kollege auf den Bromberger Blutsonntag 1939 oder auf die Geschichte Schlesiens besinnt. Das neuste Beispiel zusammenstoßender europäischen Opferlehren ist die gegensätzliche historische Erinnerung pro-russischer und ukrainischer Nationalisten in der Ukraine.

Der endlose Krieg der Erinnerungen beinhaltet immer seine Helden und seine Unpersonen, seine Dämonen und seine Gutmenschen. Wenn die historische Erinnerung verlangt, dass man seinen Feind im voraus als den bösen Geist darstellt, kann folglich des besiegten bösen Geistes nicht länger als eines menschenwürdigen Opfers gedacht werden. Andererseits: die kroatische Nachkriegskatastrophe mit ihren hunderttausenden Toten, die als „Bleiburg Tragödie“ im heutigen Kroatien sehr oft thematisiert wird, ist in den westlichen Medien und Schulwesen kaum bekannt. Außerhalb des jüngsten und gut belegten Buches des Historikers Florian Thomas Rulitz über die kroatische Bleiburgkatastrophe',7 neigen viele nationalgesinnte kroatische Autoren die Bleiburg-Katastrophe hochzuspielen und einseitige, hochpolemische Traktate über die Serben zu schreiben. Außerdem hat die Opferzahl der kroatischen Bleiburg-Katastrophe eine andere Bedeutung für einen ehemaligen kommunistischen Politiker im heutigen Kroatien, eine andere für einen serbischen Bauer der in der Nähe der kroatischen Kleinstadt Sisak wohnt, und wieder eine völlig andere Bedeutung für einen kroatischen Bauern aus der gleichen Nachbarschaft, geschweige denn für die vielen alten Exilkroaten die in Santiago, Stuttgart oder Sydney wohnen.

Die Eingeweihten und die Ausgegrenzten; Negative politische Legitimität

Die heutigen antifaschistischen Erzählungen gleichen oft den alten europäischen Mythen, Sagen und Dämonologien. Irgendwelche Dämonologie mit ihrer selbstgefälligen Opferlehre ist eine Sache des Glaubens, eine Art des Kollektivmythos, genauso wie der heutige Demokratismus ein Mythos oder jener von der Ewigkeit der Europäischen Union, oder jener des grenzenlosen Wirtschaftswachstums. "Für viele Zeitgenossen ist die Demokratie nicht eine Lehre, über die man diskutieren soll. Sie ist keine "Tatsache" die die Erfahrung widerlegen kann. Sie ist die Wahrheit eines Glaubens, die unbestritten bleiben muss." '8 Es ist naiv zu glauben, dass die antifaschistischen Dämonologien mit Argumenten widerlegt werden können. Angenommen, dass die heutigen antifaschistischen Dämonologien tatsächlich eines Tages als unzeitgemäß oder als groteske Fabelei abgeworfen werden; an ihre Stelle träte schnell ein neuer Mythos mit einem neuen Reich der Gutmenschen und mit seiner Unterwelt des Bösen. Die Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert konnte die alte christlich-geprägte Dämonologie loswerden, nur weil an ihre Stelle aufgeklärte politische Märchen, wie der Mythos des Gutmenschen, und der Mythos des permanenten Wirtschaftswachstums, treten konnte. Das tiefsinnige psychologisch-geprägte deutsche Wort „Gutmensch“, das heute sehr anschaulich die selbstzensurierenden und hypermoralistischen Akademiker und Journalisten in der BRD bzw. Europa bezeichnet, kann schwer in andere Sprachen übersetzt werden. Man kann es jedoch mit dem Ausdruck „der Dämon des Guten“ bezeichnen, wie der Titel des neuen Buchs von Alain de Benoist heißt („Les Démons du Bien“, Paris 2014), wo er die Psychologie der heutigen medialen Schickeria seziert:

„Das zentrale Element bezüglich der Opfehrlehrenüberbietungen ist ‚die Erinnerungspflicht‘. Die Erinnerung bleibt ein Bestandteil am Randbereich des Vergessens, zumal, da man sich nur daran erinnern muss, was nicht vergessen werden soll. Jede Erinnerung ist höchst selektiv. Einer der Höhepunkte der ‚ Erinnerungspflicht‘ ist die Unverjährbarkeit des ‚Verbrechens gegen die Menschlichkeit‘ -- ein Begriff, der völlig sinnlos ist. Wörtlich genommen, kann nur ein Außerirdischer ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen.“9

Sollte sich jemand heute zufällig wagen, seine Missbilligung gegen den Multikulturalismus-Mythos oder gegen den idyllischen Mythos des Zusammenlebens eines Bauern aus Südtirol mit einem Afrikaner, oder mit einem LGTB Agramer Päderasten in Frage zu stellen, gerät er prompt ins Visier der Systemdämonologie.

Akademische Forschungen in allen Bereichen der Geisteswissenschaften sind immer noch von historischen und politischen Umständen bestimmt. Ohne Stalin und ohne Kommunisten hätten die westlichen Alliierten nie den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Ohne Roosevelt und das kapitalistische Amerika, hätten Stalin und der Jugoslawe Tito auch nie den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Heutiger geisteswissenschaftlicher Unterricht an Universitäten in Amerika und Europa hat nicht bloß den politpädagogischen Zweck der Umerziehung, sondern dient auch als Mittel, die Uneinsichtigen mit einem Einzelfahrschein in die Dämonenunterwelt des Systems hinunterzuwerfen. Das System kann nicht funktionieren ohne vorerst seine negative Legitimität durch die Dämonisierung der Andersdenkenden sicherzustellen und ohne das Aufbauen der Unterwelt zu errichten. Das Lager Auschwitz wurde von der Roten Armee Ende Januar 1945 befreit, obwohl die Rote Armee auf ihrem Weg nach Auschwitz hunderttausende deutsche Zivilisten liquidiert und in die Unterwelt geschickt hatte. Auch der alte antike Heide Herakles oder Vergils Held Aeneas müssten sich zuerst in Gutmenschtugend eneinweihen lassen und die Rechtschreibung der Unterweltkommissare erlernen, ehe sie die Erlaubnis zu einer Visite der Leidenden in der Unterwelt erhielten. In gleicher Weise muss heute ein ausgegrenzter Europäer, der die Unterwelt der Systemleute durchsuchen will, zuvorderst viel Mut haben und er muss die Rechtschreibung der Systemsprache auswendig lernen. Man soll jedoch nie das System und seine Dämonologen überschätzen: „ Als der Kerberus Herakles erblickte, floh er zitternd zu seinem Herren, dem Unterweltskönig, und verbarg sich unter dem Thron des Hades.“'10

Im Rückblick auf die alten europäischen Mythen, mit ihren surrealen Entstellungen und hyperreal Ungeheuren, muss man feststellen, dass sie mehr historische Glaubwürdigkeit als alle moderne Opferlehren haben. Friedrich G. Jünger hat diese Überlebungsformula für jeden freidenkenden Mensch, der die Systemzeiten bekämpft, vorgeschlagen, wobei sich jeder immer an die bestraften und extrem- leidenden Titanen in der Unterwelt besinnen muss: „Er erfährt an sich die Kräfte der Titanen, er lebt mit ihnen. Der Fischer und Schiffer, der sich auf die Wasser hinauswagt, ist im titanischen Element. Dem Hirten, dem Bauern, dem Jäger geschieht in ihrem Bereich das gleiche.“'11 Alte europäische Mythen, Sagen und Legenden gedeihen in Zeitlosigkeit; sie trotzen jeder Geschichtlichkeit. Dies ist der Hauptgrund warum sie nie dogmatisch sein können und keinerlei Eingriffe der Gesinnungspolizei brauchen um sich glaubhaft zu machen.

Die Totenkulte

Darüber hinaus stellen sich viele ausgegrenzte Völker der historiographischen Dämonisierung ihrer eigene Geschichte entgegen, die oft aus subjektiven und hypermoralistischen Erzählung besteht und deren Hauptzweck ist die eigene Totenabrechnung zu erhöhen und die Verluste der anderen Seite zu vermindern. Jede Dämonologie in bezug auf fremde Unwesen trägt immer ein engelhaftes Gegenbild – mit ihren eigenen zusammengeschusterten Opferlehren. Schließlich hatte auch der Henker von Maria Theresias Tochter in Paris, in 1792, seine eigene Opferrolle; nach der Enthauptung von Marie Antoinette ging er nach Hause zu seiner schwer erkrankten Frau.

Zudem spielt jede Opferrolle, einschließlich jene der Kroaten im Hinblick auf ihre Bleiburger Tragödie, letztlich eine rachsüchtige Rolle. Das beste Beispiel war der zweimalige Fall Jugoslawiens vor seiner Auflösung 1941 und 1991. Ein verlogener Krieg der historischen Erinnerungen musste unausweichlich zum Hass und nachfolgendem bewaffneten Konflikt im Jahre 1991 führen. 25 Jahre nach der Neugründung Kroatiens bleibt die Erinnerungskultur des kroatischen Volkes sehr oft auf ein blosses Anti-Serbentum fixiert. Für viele kroatischen Nationalsten kann man nicht ein guter Kroate sein, ohne zuerst ein guter Anti-Serbe zu sein.

Andererseits wird man auch Zeuge von dämonologischen Schilderungen des kroatischen Volkes, die vor allem von ehemaligen kommunistischen Apparatschiks und ihren antifaschistischen Mythographen gefördert werden. Eine erhebliche Zahl von Historikern in Kroatien sowie in ganz Europa greifen erneut zu ihrem antifaschistischen Bestiarium. In ähnlicher Weise handelte auch der Sohn eines bekannten jugokommunistischen Kommissars, der kroatische Staatsoberhaupt Ivo Josipović, in seiner Rede vor der Knesset in Israel im Februar 2012, wo er die kroatischen Ustascha-Schlangen schnell ergriff: „Einige Angehörige meiner Nation arbeiteten systematisch daran, Teile der Menschheit im Zweiten Weltkrieg zu vernichten. Wir müssen unser Herz anschauen, auch den dunkelsten Fleck unserer Geschichte. Wir müssen wissen: Die Schlange ist schwach, aber sie ist immer noch da ". '12

Kann das System und seine postkommunistischen und liberalen Ableger in Zagreb, Wien oder Brüssel überhaupt überleben, ohne antifaschistische Schlangen; ohne ihre Toten stets zu beschwören, bzw. ohne ihren Hausdämon Ante Pavelić - und ohne den zeitlosen Weltdämon Adolf Hitler? Auch die heutige Erinnerungskultur an die Leiden der Juden im Zweiten Weltkrieg hat seit langem eine transzendente Rolle erhalten, die weit über den einzigartigen historischem Massenmord hinausragt. Im Gegensatz zum Mythos spielt die Holocaust-Erinnerung eine didaktische und identitäre Rolle, die zugleich zeitlos bleiben soll, oblgeich sie von einer geschichtlichen und einer präzisan Zeitspanne bestimmt wird. Der ehemalige Bundespräsidant Horst Köhler war sich dessen bewusst, als er in seiner Rede 2005 vor der Knesset in Israel sagte: „Die Verantwortung für die Schoa ist Teil der deutschen Identität.'13 Der verstorbene Theoretiker der Postmoderne, Jean Baudrillard, hatte schon lange in Hinblick auf diese neue Problematik der Ersatzidentitäten geschrieben: „Die Rhetorik und die Symbolik des Holocaust funktioniert nicht mehr als Ort der Vernichtung, sondern als Medium der Abschreckung". '14

Mythos und Religion sind nicht Synonyme. Es gibt einen großen Unterschied zwischen beiden. Religion und Ideologie sind immer zeitbestimmt, ganz im Gegensatz zu Mythen, die immer zeitlos bleiben sollen. Kann man Jesus Christus als eine mythische, oder vielmehr als eine historisch-religiöse Figur betrachten oder beides, als einen vorderasiatischen Offenbarungs-Hokuspokusmann, oder als einen Wüstenfakir, der im multikulturellen Römischen Reich den Leuten mit Migrationshintergrund die Leviten liest? So schilderte ihn schon vor einhundert Jahren der Schriftsteller Oskar Panniza, wobei er anmerkte, dass „das Christentum zu uns aus dem Orient kam, anfänglich direkt, später fast nur mehr über Rom. Was für römisch-orientalischer Dreck auf diesem Wege bei uns abgelagert worden ist, ist unermeßlich.“ '15

In dem sogenannten aufgeklärten und freiheitsliebenden modernen System werden die Bürger in eine Fülle von bizarren infra-politischen Mythen verstrickt, in eine Vielzahl von dämonologischen Erzählungen eingepackt, vor allem von den Erzählungen, die sich mit der Wiederbelebung ihrer Toten befassen. Das größte Problem jeder Opferlehre ist, dass sie gar nicht zum gegenseitigen Verständnis der Völker führt, sondern nur den gegenseitigen Hass weiter vertieft, wie man es heute täglich in modernen Multikultigesellschaften sieht. Es ist daher sinnlos, mit modernen Dämonologen und Viktimologen zu debattieren, auch wenn man empirische Anlagen anbietet. Alle Leute sprechen zurecht davon, dass "jedes Opfer, unabhängig von seiner Größe und Zahl Respekt verdient." Wenn man jedoch diesen Ukas in Kroatien heute verwendet, nämlich die offizielle Zahl von 70.000 Ustascha Opfer des Lagers Jasenovac akzeptiert, dann bleiben immer noch 630.0000 Menschen übrig, die laut jugokommunistischer Geschichtsschreibung in Jasenovac gestorben sind. Das ist keine Kleinigkeit für kleines Kroatien, geschweige denn für die großen mythischen Geschichten oder die moderne antifaschistische Dämonologie. Morgen, wenn eine neue Dämonologie in Mode kommt, werden die Gutmenschen ihre alten Götzen schnell verneinen und ihre neuen Laren und Penaten anbeten.

von

Dr. Tomislav Sunic

Dr. Tomislav Sunic ( www.tomsunic.com) ist ehemaliger Professor für Politikwissenschaft in den USA und ehemaliger kroatischer Diplomat. Chroniques des temps postmodernes ( Avatar, 2014) ist der Titel sein neues Buchs in französischer Sprache.

Annmerkungen


  1. Sam Sokol, „Hundreds attend Zagreb mass in honor of ‘one of Europe's biggest mass murderers’“, The Jerusalem Post, 29. Dezember, 2014. 

  2. Franjo Tudjman, Bespuća povijesne zbiljnosti (Zagreb: Matica Hvatska, 1989) S. 316. Auf Deutsch: Irrwege der Geschichtswirklichkeit. Eine Abhandlung über die Geschichte und die Philosophie des Gewaltübels ( Zagreb, Školska knjiga, 1993). 

  3. Ebenda, Seite 9-23. 

  4. Cf. Mladen Ivezić, Titov Jasenovac (Zagreb: Samizdat, 2014). 

  5. Ante Ciliga, Dix ans au pays du mensonge déconcertant (Paris : Champ Libre, 1977). 

  6. Zvonimir Despot, “Jasenovac je i poslije rata bio logor a vjerojatno i stratište”, Večernji List-Obzor, 10. Januar 2015. 

  7. Thomas Florian Rulitz, Die Tragödie von Bleiburg und Viktring (Klagenfurt: Hermagoras Verlag, 2011). Das Buch erscheint vorausichtlich diesen Sommer in englischer Sprache (The Tragedy of Viktring and Bleiburg, im Northern Illinois University Press Verlag) mit einem Vorwort von Dr. P. Gottfried und einem Nachwort von Dr. T Sunic. 

  8. Louis Rougier, La mystique démocratique (Paris: Albatros 1983), S. 13. 

  9. Alain de Benoist, Les Démons du Bien (Paris : Pierre- Guillaume de Roux, 2014), S. 34-35. 

  10. Karl Kerenyi, Die Mythologie der Griechen, Band II ( München: DTV, 1988), S. 145. 

  11. Friedrich Georg Jünger, Die Titanen (Frankfurt: Klostermann, 1944 ) S. 97. 

  12. “Croatia president apologizes to Holocaust survivors”, The Jerusalem Post, den 16. Februar, 2012. 

  13. „Verantwortung für die Shoa ist Teil der deutschen Identität“, FAZ, den 2. February, 2005. 

  14. Jean Baudrillard, The Evil Demons of Images (University of Sydney: The Power Inst. of Fine Arts, 1988), S.24. 

  15. Oskar Panizza, Der teutsche Michel und der römische Papst, (Leipzig: Verlag von Wilhelm Friedrich, 1894) S. 202. 

Vom Gedenkjahr bis zum Todesjahr, DIE AULA (Graz, Juli & August, 2014)

DIE AULA (Graz, Juli & August, 2014)

www.dieaula.at

Vom Gedenkjahr bis zum Todesjahr

Dr. Tomislav Sunic

Jedes Gedenkjahr bringt die Erinnerung an vergangene Zeiten, die man entweder aufs neue wiederbeleben möchte oder für Andersdenkende als politisch-pädagogisches Jahr der Mahnung anzuwenden versucht. Das deutsche Wort „Gedenkjahr" läßt sich nicht leicht in andere Sprachen übersetzen, und oft ruft dieses Wort bei anderen Völkern schwere Mißverständnisse hervor. Das Wort „Gedenkjahr" wird auf Englisch oder Französisch zu-gleich als „Erinnerungsjahr" und als „Jubiläumsjahr" übersetzt — zwei völlig gegensätzliche politische Begriffe!

Je nach verschiedenen Völkern und ihren historischen Gesinnungen kann ein Gedenkjahr als Hoffnung, Freude, Sehnsucht, aber auch als Ermahnung, Androhung von Strafe und als Angstmittel benutzt werden. Im bezug auf unser eigenes Gedenkjahrfeiern erinnern wir uns heute an unsere Lebensdauer und schwärmen gerne von einem fröhlichem Datum in unserer Volksgeschichte. Auch wenn man seinen Geburtstag glücklich feiert und wenn man noch dazu als uralter Greise ein gutes Gedächtnis behält, wie z.B. Ernst Jünger oder Johann Wolfgang Goethe, dann kann man sagen, daß das Leben einen gewissen Sinn gehabt hat.

Auch wenn man seinen 60. Jahrestag hinter sich hat, soll man sich fragen, wozu man mehr Gedenkjahre braucht. Der französisch-rumänische Ultranihilist und Kulturpessimist, der Philosoph Emile Cioran, hat geschrieben, man sollte nicht länger als 40 Jahre leben. Anläßlich seines 70. Geburtstages sagte Cioran, daß ihm von nun an weitere Glückwünsche grotesk vorkommen. Einige Jahre vor seinem Tode, in einem Interview im Jahre 1987 für den französischen Herausgeber Laurence Tacou der Cahiers de L‘Herne, sagte er: „In fünf-zig Jahren wird Notre Dame eine Moschee sein."

Im Gegensatz dazu, wenn feindliche Völker oder Gruppen der Jahrestage ihrer eigenen politischen Katastrophen gedenken, sind sie oft geneigt, das Schlagwort „Nie wieder" zu gebrauchen. Gedenkjahre können sich dann in Sinnbilder der Todesjahre und Mahntage schnell umwandeln, besonders wenn sich feindliche Völker und Gruppen ihre endlose Gedenkjahre und ihre Opferlehren auf Kosten anderer Völker zusammenbasteln. Dann wird es ernst.

Jahrestage—Gedenktage

Wir erinnern uns heute auch an den Jahrestag des Wiener Kongresses von 1814, der in Europa die staatlichen Grenzen neu gezogen hat. Wir erinnern uns auch ans Jahr 1914, das mit dem neuen Dreißigjährigen Krieg in Europa begonnen hat und uns das Zeitalter der Massenmorde und Massenvertreibungen eingebracht hat. Alles ist prima und schön mit den Jahrestagen, wenn kein Ernstfall am Horizont lauert.

Solch eine lineare und optimistische Denkweise, die direkt vom Zeitalter der Aufklärung stammt, ist sehr problematisch. Sie verhindert, daß heutige Bürger einen vollständigen Einblick in die zyklische Gedankenwelt ihrer Vorfahren bekommen. In unserem sogenannten aufgeklärten und freiheitsliebenden System sind die Bürger in die bizarren in-fra-politischen Jahrestagsfeiern verstrickt, in einer Vielzahl von hagiographischen Erzählungen aus und nach dem Zweiten Weltkrieg. Demzufolge wird jede Kritik an den offiziellen Gedenktagen des Systems als kriminelles oder pathologisches Verhalten interpretiert. Wie kann man heute den „Jahrestag der Demokratie" oder den „Jahrestag der Menschrechte" kritisieren, ohne dafür bestraft zu werden?

Ich hoffe, unser Kollege Dietmar Munier und die Zeitschriften die DMZ und ZUERST! werden uns noch gute pädagogische Zukunft bereiten. Wir bedürfen dringend eines neuen Jahrestages der Aufklärung und einer Entmythologisierung unserer Zeitgeschichte. Es nützt nichts, über die heutige geistige Lage zu lamentieren, wie das oft bei vielen unserer Kollegen der Fall ist. Zweckpessimismus wird oft von vielen unserer Kollegen als Alibi für Nichtstun und Passivität verwendet. Der Geschichtsverlauf jedoch bleibt offen und bietet uns immer wieder neue Chancen.

Das Problem stellt sich jedoch, wenn eine historische Trennung in den Zeitverlauf plötzlich einbricht und wenn demzufolge alle Glückwünsche in Todeswünsche umkehren, dann wird der Jahrestag zum Todestag umgewandelt. Viele einst angesehene und bekannte Politiker aber auch viele große Denker und Dichter aus unserer Geschichte sind heute das Sinnbild des Schreckens geworden und ihr Name wird von den Systemleuten für die Begründung ihrer negativen Legitimität benutzt.

Das System benötigt solche Schreck-gespenster als Symbole für ihre Legitimität, um damit auf seine eigenen Gutmenschen besser verweisen zu können. Was wäre Europa heute ohne die zahllosen Gedenktage, an denen die Faschismuskeule ausgepackt wird? Wahrscheinlich würde die Europäische Union zusammenbrechen, und ihre Architekten würden arbeitslos sein. Wir denken selten an die bestehende Bindung zwischen Jahresta-gen, Mahntagen und Todestagen. Man vergißt oft, daß zwischen Jubiläum und Gedenktag, zwischen Verherrlichung und Verleumdung, zwischen Leben und Tod eine empfindliche Grenzlinie besteht.

Wenn der Ernstfall beginnt oder — anders gesagt — wenn der historische Umbruch eintritt, wird man Zeuge eines Trauerspiels, wobei dieses Trauerspiel eine dauerhafte politische Neurose bei einem Volke verursachen kann. Das hat uns Carl Schmitt in seinem kleinen Buche Hamlet und Hekuba mitgeteilt, namentlich mit seiner Schilderung des plötzli-chen Einbruchs der politischen Zeiten in ein relativ sorgloses und apolitisches Leben. Anders gesagt, wenn morgen oder übermorgen der Ernstfall in unsere Spaßgesellschaft einbricht, werden wir anders unserer Jahrestage gedenken.

Erinnerungskultur

Solche Zeitzäsuren sind vielen unserer Bekannten in der modernen Massengesellschaft nicht bewusst. Viele glauben noch immer an die Fortschrittstheologie, an ein Happy End, wo das Gute immer obsiegt. Das ist falsch. Nur jene von uns, mit scharfem Sinn für die Tragik und mit verlängertem Geschichtsbewusstsein, können das nachvollziehen. Wir leben ohne Illusionen. Im Juni 1941, zum Beispiel, war die seelische Lage bei den meisten Kroaten anläßlich der Gründung ihres Staates anders, als dies im Juni 1945 war. Im Juni 1941 war die allgemeine Freude des kroatischen Volkes auf ihrem Höhepunkt. Vier Jahre später, im Juni 1945, war Kroatien von der Landkarte verschwunden.

Im Jahre 1991 waren die meisten Kroaten voller Freude wegen des Wiederentstehens ihres Staates, was im Gegensatz zur heutigen Lage steht, wo nämlich viele kroatische Bürger sich mehr und mehr über die weitere Zweckmäßigkeit ihres Staates Gedanken machen. Schon Schopenhauer lehrte uns, daß zu viel Optimismus immer ins Gegenteil umkehren kann.

Ein weiteres Problem mit Jahrestagen liegt ihren Aufzeichnungen. Nach jedem Umbruch haben die neuen Meinungsmacher immer das letzte Wort über die Neuwahl der Jahrestage. Mancher heutiger Jahrestage wird in der BRD, aber auch anderswo in der EU gedacht, als müßten sie für alle Ewigkeit ihre Gültigkeit bewahren. An jedem 27. Januar haben wir den Holocaustgedenktag, den Auschwitz-Befreiungstag, (Man kann sich freilich fragen, was die Rotarmisten auf ihrem Wege zur Auschwitzbefreiung in Ostpreußen alles zuvor befreit hatten). Im Dezember feiern wir den Menschenrechtstag, dann im März den Frauentag. In den USA Fällt der Martin-Luther-Gedenkfeiertag auch in den Januar.

Bald werden wir auch in unserem Wandkalender den Schwulen- und Lesbentag und Transvestitentag verzeichnen müssen. Die Katzenliebhaber und die Krokodilverehrer werden sich bald den Jahrestag für ihre Lieblinge erkämpfen. Wir leben in einer Museums-Erinnerungskultur, wobei der verlorenen Stämme oder der Spezies aus allen Herren Ländern gedacht werden sollen. Zum Beispiel gibt es in der BRD und in Mitteleuropa mehrere Fundorte der ausgestorbenen Neandertaler. In Kroatien, ganz in der Nähe, wo ich wohne, gibt es ein Dorf mit dem Neandertalermuseum, wo man eine große Ansammlung von Resten der Neandertaler gesammelt hat. Es ist nicht ausgeschlossen, daß in den folgenden Jahren ein Staat oder einige Regierungen Nordafrikas oder Vorderasiens sich bemühen werden, das Wiedergutmachungsgeld von kroatischen oder deutschen Behörden auf Grund ihrer angeblichen Verwandtschaft mit den verstorbenen Neandertalern und der angeblichen Ausrottung der Neandertalern seitens kroatischer und germanischer Vertreter des homo sapiens zu verlangen. Deutsch zu sein, heißt heute, ein braver Zahlmeister zu sein.

Selektive Erinnerungskultur

Im Gegensatz dazu geraten ehemalige Jahrestage kollektiv in Vergessenheit. Wer er-innert sich noch an den Jahrestag der Londoner Beneš-Dekrete von 1944, die im März 1946 von der neuen tschechischen Regierung gebilligt wurden, um damit die Massenvertreibungen der Deutschen zu legitimieren? Wir haben aus unserer Geschichte schon gelernt, daß jeder schöner Jahrestag schnell ins Symbol des absoluten Bösen umgewandelt werden kann. Ein heldenhaftes Zeitalter kann von den nachfolgenden Zeiten als terroristisches Zeitalter umgedeutet werden. Demzufolge werden die Jahrestagsfeste nicht länger zu Jubiläumsfesten bestimmt, sondern übernehmen statt dessen die Rolle der Mahntage. Außerdem dienen sie als die Basis für neue Identität der neuen herrschenden Klasse. Die herrschende Klasse erbaut sich danach — neben ihrer eigenen Opferlehre — auch ihre offizielle Dämonologie, deren Arsenal die Bürger oder das ganze Volk in Angst, Schrecken und Selbstzensur versetzen soll. Das ist nichts Neues.

Die Inkarnation des Bösen finden wir bei den alten Griechen und ihren Rachegöttinnen und später bei unseren Hexen. Die heutigen Jahrestage werden von heutigen Systempolitikern zu großartigen Feierlichkeiten hochstilisiert, wobei die alten Weisheiten totgeschwiegen oder als Sinnbilder absoluter Grausamkeit dargestellt werden. Die neue systembedingte Erinnerungskultur der Andersdenkenden spielt in Europa eine außerordentlich große Rolle, besonders in der Identitätsbildung der EU. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler sagte im Februar 2005 vor der Knesset in Jerusalem, daß „die Verantwortung für die Shoah ein Teil der deutschen Identität ist«. Was Köhler sagte, betrifft nicht nur das deutsche Volk, sondern alle Völker und alle Staaten Europas inklusive die Vereinigten Staaten. Die Opferlehren nichteuropäischer Völker sind zum größten Teil die neue Zivilreligion des Abendlandes geworden.

Anpassung oder Abgrenzung?

Alles hat seinen Preis. Auch die Freidenker und unsere nonkonformistisch. Publi-zisten, ganz zu schweigen von den kompromißlosen, aber seltenen Akademikern in der BRD und anderswo in der EU, müssen allesamt einen hohen Preis für ihr tägliches Brot zahlen. Tatsächlich kosten die Zeitschrift DMZ und ZUERST! auch Geld. Doch zumindest sind diese Zeitungen bis jetzt systemkritisch und objektiv geblieben. Letztendlich, alles hängt davon ab, ob ein Journalist, ein Schriftsteller oder ein Akademiker mit dem System kooperieren will, um sich damit ein sicheres Leben für sich und seine Familie erschaffen zu können, oder ob er bereit ist, als Freidenker ein Leben eines Ausgegrenzten zu leben.

Klar, die Trennungslinie zwischen Vorsichtigkeit und Selbstzensur ist oft nicht sichtbar. Oft ist es peinlich, sie zu entschlüsseln. Vorsichtigkeit kann auch Feigheit sein. Im Gegensatz dazu können Entscheidungskraft und Mut zur Freiheit oft gegensätzliche Folgen haben, die Jahrzehnte danach katastrophale Auswirkungen für jüngere Generationen haben können. Der junge Hamlet und der junge Faust waren scharfe Denker mit großem Einfühlungsvermögen für die Welt der Andersdenkenden und Andersartigen. Jedoch waren beide Neurotiker und ohne irgendwelche Entscheidungskraft. Immer mußten die bösen Geister für sie die Entscheidung treffen.

Der andere Typus sind unsere bewaffneten und kampflustigen Helden wie der junge Recke Siegfried aus dem Nibelungenlied oder der junge Achill aus der Ilias. Beide hatten keine Furcht vor ihrem vorzeitigen und vorgeahnten Tod, da für die beiden der Tod ewiger Ruhm hieß. Aber die beiden haben mit ihrem rücksichtslosen, obgleich wohlgemeinten Verhalten großen Schaden ihrer Sippe zugefügt. Ich weiß nicht, welches Modell zu empfehlen wäre. Vielleicht eine Mischung zwischen Recke mit Kampfesmut und Dichter mit Schöngeist? Ein Anarch in jüngerscher Lebensweise?

Das haben wir in unserer Geschichte auch schon erlebt. Ein langes ich-bezogenes Leben als Fachidiot und Bücherwurm zu leben oder als ein uralter Greis ständig über die Systemlügen oder über seine eigene Inkontinenz zu grübeln, ist wohl ein Zeitverlust. Als namenloses Schaf lange zu leben ohne jede Nachwirkung an seine Mitwelt, ist sinnlos. Allerding auch die friedlichen Schafe müssen sterben, nämlich gewöhnlich nach zehn oder zwölf Jahren, auch wenn es keine Wölfe in der Nähe gibt.

Eigener Rückblick

Vor 42 Jahren war ich auch jung oder vielleicht war ich schon uralt. Ich weiß nicht, wie ich meine Jugend überlebt habe. Ich suchte damals auch einen Gedenktag, den ich gut imitieren konnte — damals als Hippi in Indien mit meinen eigen. Annäherungen, Gefährlichen Begegnungen und meinen Strahlungen, wenn ich hier Ernst Jünger paraphrasieren darf — ohne einen Pfennig in der Tasche. Zum Glück habe ich früh gelernt, daß man besser das System mit gutem Anzug und Doktortitel bekämpfen kann als mit langen Haaren und Ohrringen. Ich schließe meine Rede mit den Versen der Musikgruppe Böhse Onkelz aus ihrem Lied, „Der Preis des Lebens“:

Der Preis des Lebens ist der Tod
Deshalb hab' ich dich geholt
Du lebst für mich
Und jetzt nehm' ich dich
In meine Arme, in meine Arme
Ich mache keinen Unterschied
Zwischen jung und alt
Ob du arm oder reich bist
Läßt mich kalt
Ich heiß' euch alle willkommen.

Rasse und Gestalt : unsere Identität von Dr. Tomislav Sunic

Rede anlässlich des Lesertreffens der Zeitschrift "Volk in Bewegung" vom 14.September 2013 im Harz

Der Ausdruck „Identität“ hat heute eine gewisse Popularität in verschiedenen politischen und akademischen Kreisen erworben, obgleich dieser Ausdruck mehrdeutig und nicht immer angemessen ist. Welche Identität? Wir sollten klar die Linie zwischen Volk und Rasse bzw. Volksbewußtsein und Rassenbewußtsein ziehen. Diese zwei Begriffe sind keine Synonyme, obgleich sie sich oft überschneiden. Zum Beispiel ist ein weißer Flame kein Wallone - und ein weißer Serbe will überhaupt kein Kroate sein, obgleich beide von derselben rassischen Art sind.

Rassenidentität spielt bei vielen weißen nationalgesinnten Amerikanern eine viel stärkere Rolle als zwischen europäischen Völkern. Aber auch die Volksidentität manifestiert sich in Amerika anders als in Europa. Weiße Amerikaner haben mit der traditionellen volksgebundenen und kulturgebundenen Staats- und Volksidentität der weißen Europäer wenig gemeinsam. Zudem gibt es in englischer Sprache kein entsprechendes Wort für das deutsche Wort „Volk“ oder „völkisch“. Es steht außer Frage, daß „Rasse“, oder sagen wir es in einer politisch korrekten Weise, unsere „Erbanlage“, oder unsere Heredität, auf unbewußter Ebene die vorrangige Rolle bei uns allen spielt, obgleich wir das oft nicht wissen oder wissen wollen. Wir können die Schminke auf unserem Gesicht ändern, wir können unsere Pässe ändern, wir können unsere Staats- und Volksangehörigkeit ändern. Wir können auch unser Kulturbewußtsein ändern und auch unsere Heimat verlassen. Aber es gibt keinen Weg, unsere Erbanlagen, die uns von unseren Ahnen übergeben wurden, zu entfernen. Das Problem liegt in der Tatsache daß sich die meisten von uns dieser biologischen Tatsache nicht bewußt sind. Stattdessen orientieren wir oft unsere Identität nicht an unserem Rassenbewusstsein, sondern an den herrschenden Ideen des Zeitgeistes.

Seit dem Zweiten Weltkrieg unterliegt das Wort „Rasse“ schweren ideologischen, polemischen, mitunter auch juristischen Auseinandersetzungen und wird allmählich aus dem deutschen und amerikanischen Wortschatz getilgt. Stattdessen benutzen Akademiker und Politiker heute in Amerika und Europa das Wort „ethnisch“. Aber das Wort „ethnisch“ ist kein Synonym für „rassisch“. Im Allgemeinen kann man sagen, daß es große ethnische bzw. völkische Unterschiede zwischen artverwandten weißen Europäern gibt - aber große rassische Unterschiede zwischen artverwandten Europäern kann man schwer darstellen. Vor dem Zweiten Weltkrieg jedoch benutzte man in Europa und Amerika in den Studien über die verschiedenen Völker der Erde fast nie das Wort „ethnisch“ wie es heute der Fall ist. Stattdessen verwendeten damals Politiker und Akademiker Ausdrücke wie „Rasse“, „Rassenkunde“ und „Rassenpflege“. Das Wort „Rasse“ war zu dieser Zeit ein neutraler Ausdruck in anthropologischen und medizinischen Betrachtungen der unterschiedlichen europäischen und nichteuropäischen Völker.

Heute haben das Wort „Rasse“ und das Adjektiv „rassisch“ eine kriminalisierende Bedeutung empfangen, sodaß diese nur benutzt werden dürfen, wenn man über „Rassenkrawalle“ redet oder wenn ein Weißer angeblich einen Nichtweißen beleidigt. Sofort wird dieser weiße Mann als „Rassist“ abgestempelt. Nun gibt es aber eine Inkonsequenz in dieser neuen Sprachregelung. Nach der liberalen Wertauffassung gibt es keine rassischen, sondern nur ethnische Identitäten. Wenn diese Argumentation stimmen sollte, dann sollte es logischerweise auch keine Rassisten mehr geben. Moderne Systemtheoretiker bedürfen jedoch des Feindbildes der sogenannten weißen Rassisten, auch wenn es keine gibt, um ihre Theorien über das angebliche Nichtbestehen der Rassenidentität zu legitimieren.

Auf unbewußter Ebene fühlen wir uns alle zu unserer Art hingezogen, wie Prof. Kevin MacDonald schrieb. Das ist besonders der Fall im Notfall. Wenn wir nach Afrika oder Asien reisen und dort in einem Hotel absteigen, suchen wir automatisch einen Blickkontakt mit unseren weißen „Doppelgängern“ an der Rezeption. Hier in der BRD oder anderswo in Europa ist das noch nicht der Fall - aber das ändert sich heute rapide. Es gibt Orte in Berlin - ganz zu schweigen in LA, oder unten in der Unterwelt der Pariser U-Bahn, - wo ein weißer Passagier spät in der Nacht froh ist, wenn er eine Person seiner Rassenart erkennt, egal ob er Pole, Kroate, Linker oder Rechtsradikaler ist. Der flüchtige Augenkontakt zwischen beiden spricht Bände in bezug auf ihre plötzlich abgerufene gemeinsame weiße Rassenidentität.

Man könnte hier auch Carl Schmitt paraphrasieren, nämlich dahingehend, daß man über seine Souveränität, - bzw. unsere Identität - nur im Ernstfall am besten entscheiden kann, beziehungsweise seine weiße Identität nur im Ernstfall am besten wahrnehmen kann. Zum Beispiel, wenn sich eine große Krise anbahnt, wie etwa vor dem Zusammenbruch des ehemaligen multikulturellen Jugoslawien. Damals wußte jeder Bürger, ob er Kroate oder Serbe war, ob er er ein “impliziter“ oder “expliziter“ Nationalist war. In Zukunft würde das bedeuten, ob er Weißer oder Schwarzer ist, ob er Deutscher oder Kroate ist, oder welcher Volksgruppe oder Rassengruppe er angehört und wem er seine Treue schwören soll. Sollte er diese ungeschriebenen biologischen Regeln seiner Rasse und Volksidentität vergessen, wird ihn der „Andersartige“ im Ernstfall wie zum Beispiel während einer interrassischen Schlägerei in Neukölln oder Cleveland daran erinnern, welcher Sippe und welcher Ethnie, beziehungsweise welcher Identität er angehört oder angehören sollte.

Natürlich müssen wir die Auswirkungen der nicht-europäischen Zuwanderung und die Gefahr einer rassischen Mischlingsgesellschaft in Europa kritisch erörtern. Ein solches Mischlingseuropa ist eine echte Gefahr für alle weißen Europäer, auch für die ehemaligen Feinde, wie etwa im Falle der Polen und Deutschen, oder der Kroaten und Serben. Aber wenn wir nur den Faktor der Rasse als Identitätshauptmerkmal benutzen, laufen wir Gefahr, in die Falle der reduktionistischen Schlußfolgerungen zu geraten. Allerdings: ehe wir die nicht- weiße Zuwanderung nach Europa kritisieren, sollten wir uns fragen, wer deren Drahtzieher ist und welche Ideen hinter dieser Masseneinwanderung stehen. Das endlose Gewinsel über angeblich böse Zuwanderer, die den Zusammenbruch Amerikas und Europas verursachen, ist Zeitverlust.

Darüberhinaus gibt es unzählige Beispiele, wo die gleiche Rassenidentität nicht unbedingt zur Einigkeit oder Frieden, sondern auch zum interethnischen Haß führen kann. Hier spielt die Volksidentität und Volkszugehörigkeit eine weit größere Rolle als Rassenidentität. Hypothetisch gesprochen, auch wenn nur weiße Leute in Amerika oder in Europa in einem völlig homogenen weißen Lande leben würden, kann uns niemand versichern, daß auch dieser weiße Ethno-Staat nicht bald durch interne Spaltungen und Bürgerkriege geplagt würde. Diese Bemerkung beweist, daß der Faktor der Kultur, Religion oder Ideologie immer eine stärkere Rolle in der Identitätsbildung spielt als der Faktor der Rasse, der noch immer auf unbewußter Ebene bei vielen Leuten schwebt. Wir dürfen nie vergessen, daß unsere europäische Identität auf unzähligen Bürgerkriegen beruht. Seit 2000 Jahren wurde schreckliche Gewalt von Weißen an Weißen verübt, die oft weit über die reale oder vermeintliche weiße Gewalt gegen Nicht-Weiße hinausragt. Wo sollen wir beginnen? Mit dem amerikanischen Bürgerkrieg? - Als Leute des gleichen rassischen Erbes sich gegenseitig umbrachten? Ähnlich im Bürgerkrieg in Spanien. Oder beim jüngsten Krieg auf dem Balkan, dessen Gewalt jenseits aller Vorstellungskraft liegt? Der Dreißigjährige Krieg in Europa war häßlich; er forderte Millionen Tote unter den Deutschen. Auch dieser Krieg wurde inmitten von Menschen der gleichen Art gekämpft.

Es gab und es gibt noch immer weiße Europäer, die alles tun würden, um mit Andersartigen zu kollaborieren und damit ihre Erbanlagen verleugnen. Zum Beispiel war der türkische Angriff auf Europa im 16. und 17. Jahrhundert nicht nur rassisch bestimmt - er hatte auch religiöse Wurzeln. Viele christliche serbische, ungarische weiße Sippen und weiße Kriegsherren waren eifrig bestrebt, aus ihren eigenen Machtgründen mit den türkischen Behörden auf dem Balkan zu kollaborieren. Auf internationaler und diplomatischer Ebene war das katholische Frankreich unter Ludwig XIV. fester Verbündeter der Türken im 17. Jahrhundert. Ludwigs Hauptziel war die Schwächung des Heiligen Deutschen Reiches und die Zerstörung ihrer Verbündeten in Mitteleuropa. Rassenidentität hat in der Machtpolitik immer eine kleinere Rolle als Theologie oder Ideologie gespielt. Im Nibelungenlied heiratet die Königin Kriemhild nach dem Tod ihres Mannes Siegfried durch Hagen von Tronje den asiatischen König, den Hunnen Attila oder Etzel genannt, um sich damit an ihren eigenen Leuten zu rächen.

Rasse ohne Rassismus

Auch von der phänotypischen Perspektive betrachtet sollte man nie Rasse mit Religion oder Kultur verwechseln: In Mitteleuropa, ganz hier in der Nähe im benachbarten Bosnien, einem Land, das 400 Jahre ein rassisches Juwel des Osmanischen Reiches war, gibt es eine große Zahl muslimischer Bürger mit blonden Haaren und länglichen Gesichtern, mehr als unter den christlichen Serben oder Kroaten. Aber die gegenseitig ausschließenden Selbstwahrnehmungen dieser drei Völker und ihrer Identitäten, ihre gegenseitigen Selbstbilder sind Meilen voneinander entfernt. Die weißen Muslime in Bosnien gehören zu einem ganz anderen Kulturkreis. Übrigens: die meisten Einwanderer in die USA sind Katholiken, die folglich nach Ansicht hiesiger Christen auch unserem Kulturraum entsprechen sollten. Aber rassisch sind diese Einwanderer völlig anders als wir; die meisten sind Mestizen aus Lateinamerika.

Der Zweite Weltkrieg, wie uns der Historiker Ernst Nolte lehrt, war weitgehend ein europäischer Bürgerkrieg zwischen den artverwandten Mächten und Völkern aus dem gleichen Gen-Pool. Drei verschiedene Großmächte kämpften gegeneinander - gelegentlich auch mit der Hilfe ihrer Nicht-weißen Verbündeten. In der deutschen Wehrmacht gab es auch kleine Einheiten von Arabern, Indern und Turkstämmen im Kampf gegen die weißen liberalen kolonialen Angelsachsen und die kommunistischen Sowjets. In Frankreich (und das ist kein Witz!) gibt es noch immer Leute, die berichten, wie die amerikanischen Soldaten nach der Landung in der Normandie im Sommer 1944 einige gefangene Soldaten in deutscher Uniform für japanische Solden hielten. Sie wußten nicht, daß diese asiatischen Soldaten in der deutschen Wehrmacht als Freiwillige aus den deutsch besetzten Sowjetrepubliken gedient hatten.

Selbst unter idealen rassischen Umständen, auch wenn es keine nichteuropäischen Einwanderer mehr in der BRD gäbe, ist es fraglich, wie unser gleiches weißes Erbe als Identitätsgebäude dienen könnte. Was mich besorgt, ist nicht der Mangel an weißen Menschen, sondern die Frage der Rasse und des Charakters, sowie der Rasse und Seele der weißen Europäer. Ein gut aussehender weißer Mann oder eine gut aussehende Frau in der BRD kann oft einen kriminellen oder gar opportunistischen Charakter haben. Viele von uns haben in Amerika und teilweise auch in Europa eine Grosszahl selbsternannter und verderblicher weißer Nationalisten kennengelernt, die uns großen Schaden zufügen. Diese haben ein nordisches Äußeres, aber eine völlig andere Rassenseele. Das betrifft besonders die sogenannten Weißen, die ihre Rasse nur im körperlichen Sinne wahrnehmen.

Wir begegnen täglich einem solchen Paradox. Die deutschen Linken zum Beispiel, die sogenannten Antirassisten und die Antifas sind meistens weiße Leute. Wenn wir das rassische Profil der sogenannten Antifas in der BRD beobachten, die sich für die Nicht-weißen Zuwanderer in ihren Großdemonstrationen einsetzen, bemerken wir sofort, daß diese Linken meistens weißer Herkunft sind. In ihren Versammlungen findet man nur wenige Nicht-Europäer. Die Pathologie der weißen Schuld würde eines separaten Vortrags von mir bedürfen. Die Schuldkomplexe sind heute ein Teil der neuen negativen Identität geworden, die man gerade in Kirchenkreisen bemerkt. Auch die Nicht-weißen außereuropäischen Opferlehren sind heute eine neue Religion geworden. Derzeit ist einem weißen Politiker oder Akademiker in der BRD oder in den USA klar, daß er zunächst sein weißes Erbe verleugnen muß, wenn er eine gute Kariere im System machen will.

Rasse ist eben nicht nur etwas Biologisches – es ist auch eine geistige Gestalt. Als metaphysische Grundlage des Rassenbegriffes kann nur ein starkes und gemeinsames Kulturbewußtsein helfen. In Julius Evolas traditionalem Rassenverständnis folgt die Körperlichkeit immer dem Geistigen:

„Der Irrtum gewisser Rassenfanatiker, die meinen, die Wiederherstellung einer Rasse in ihrer ethnischen Einheit bedeute ipso facto die Wiedergeburt eines Volkes, liegt gerade darin; sie betrachten den Menschen, wie man „reinrassige“ Pferde oder Katzen oder Hunde betrachten könnte. Die Bewahrung oder Wiederherstellung der Rassereinheit im engeren Sinn kann bei einem Tiere alles sein, nicht aber beim Mensch“.

Dies ist oft der Fall bei vielen weißen Nationalisten, die sich nur auf die anthropologische Seite ihres Körpers fokussieren und damit den „Rassengeist“ vernachlässigen. Hier möchte ich den großen Dichter und Denker Gottfried Benn zitieren:

„Nur der Geist – Geist als Entscheidungsfähigkeit, Maßsinn, Urteilshärte, Prüfungsschärfe – bildet das Körperliche eines Volkes oder eines einzelnen dahin aus, daß man von Rasse und Züchtung sprechen kann ( Die Griechen liebten und bildeten gewiß den Leib, aber sie bildeten auch die Dialektik, die Rhetorik, die Geschichtsschreibung, die Tragödien und die ersten Ansätze des Individualismus aus. (Gottfried Benn, p. 801, Geist und Seele künftiger Geschlechter)“

Eine Frage an uns alle: Was wäre besser für die multikulturelle BRD oder die USA oder für ganz Europa in der nahen Zukunft: ein neuer nichteuropäischer Caracalla (das war ein römischer Kaiser nordafrikanischer Abstammung) als Staatsoberhaupt, oder ein neuer Heliogabal, der arische Gesichtszüge hatte, aber dessen kurzes Leben eine Parade der Päderastie und der Dekadenz war? Wie sollten die weißen Europäer und Amerikaner sich entscheiden zwischen diesen zwei Übeln? Ein mögliches verkommenes weißes Europa kann nicht die Antwort auf das Multikulti-System sein. Demzufolge sollte die Identität der weißen Europäer und Amerikaner in einer breiteren rassenseelischen Art und Weise verinnerlicht und gestaltet werden.

Ferner schreibt Ludwig Clauss in seinem Buch „Rasse und Charakter“:

„Denn Rasse ist nicht wie noch heute in Laienkreisen vielfach geglaubt wird, ein Klumpen vererbbarer Eigenschaften ( z.B. Begabungen: musikalische Begabung, Organisationstalent, Intelligenz, usw.), sondern ein vererbbares Gestaltgesetz, das sich in allen Eigenschaften, welche auch immer der einzelne haben mag, auswirkt und ihnen Stil verleiht. Nicht am Haben bestimmter Eigenschaften erkennt man die Rasse eines Menschen, sondern an dem Stile, in dem er diese Eigenschaften gebraucht“.

Weisser Selbsthass; Christliche Wurzeln

Unser genetisches Erbe ist der Hauptteil unserer Identität insoweit es eine gute geistige Richtung hält. Schöne weiße Körper stehen keinesfalls für einen guten Charakter. Nur der Rassengeist kann der Identität eines Volkes oder eines Mannes die endgültige Ausweiskarte verschaffen. Wenn die wahrscheinlichen Unruhen morgen beginnen und auch ein möglicher Zusammenbruch des heutigen Systems stattfindet - und dies kann nicht mehr ausgeschlossen werden - werden die Grenzlinien zwischen Freund und Feind durchaus nicht völlig klar sein. Wir sollten bereit sein, uns zahlreichen Feinden unserer rassischen Art entgegenzustellen. Deshalb sollte unser Hauptziel sein, diejenigen weißen Individuen zu entlarven, die ihr weißes Äußeres, ihre rassische Identität als ein Hobby, als Zeitvertrieb, als modischer Trend oder als Geldgeschäft benutzen, und uns damit als dumm und als öffentliche Bedrohung darstellen. Unser Ziel muß es sein, diese verderblichen Weißen, die ihre europäische Identität in einer kriminellen Weise ausnutzen wollen, zu meiden. Unser Ziel muß sein, unseren Rassenstolz zu bejahen, aber in erster Linie, wie unsere Vorfahren dies taten, unseren Sinn für das Tragische zu beleben. Nur auf diese Weise können wir weiterhin unseren faustischen Kampf weiterführen, unabhängig von der Tatsache, wie viele von uns auf dem Schlachtfeld bleiben werden.

Die Ursachen des massiven Selbsthasses bei den breiten Schichten der weißen Bevölkerung in Amerika und Europa können direkt zum Christentum und seinen säkularen Ablegern zurückverfolgt werden. Also: die christliche Gleichheitslehre mit seinen heutigen Ablegern im Liberalismus und Marxismus ist die Hauptursache des sogenannten Antirassismus und Selbsthasses sowie der heutigen Mischlings-Multikultigesellschaft. Es ist nutzlos, irgendwelches Rassenbewußtsein oder Volksbewußtsein zu beleben und uns gegen massive Einwanderung der Nichteuropäer zu wehren, ohne zunächst das Erbe des Christentums zu bekämpfen und zu entfernen. Es ist auch sinnlos, gegen Marxismus oder Liberalismus und Multikulturalismis den Kampf zu führen, ohne ihre anthropologischen Wurzeln des Christentums zu beseitigen.

Der judeo-christliche Monotheismus ist unser Hauptfeind!


«Das Christentum, aus jüdischer Wurzel und nur verständlich als Gewächs dieses Bodens, stellt die Gegenbewegung gegen jede Moral der Züchtung, der Rasse, des Privilegiums dar.» (Nietzsche)

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Jesus-Zitate in der Bibel: “Wer Vater und Mutter mehr liebet denn mich, der ist meiner nicht wert.” (Matthäus 10,37). Und um es klarer zu formulieren: “Und wer verläßt Häuser oder Brüder oder Schwestern oder Vater oder Mutter oder Weib oder Kinder oder Äcker, um meines Namens willen, der wird’s hundertfältig nehmen und das ewige Leben erheben.” (Matthäus 19,29).

Jesus spricht offen aus: “Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden, auf der Erde; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater und die Tochter wider ihre Mutter und die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter. Und des Menschen Feinde werden seine Hausgenossen sein” (Matthäus 10,34-36).

Oder an einer anderen Stelle: “Meinet ihr, daß ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht. Denn von nun an werden fünf in einem Hause uneins sein; drei wieder zwei, und zwei wieder drei.” (Lukas 12,51-52).

Aristides von Mysien schreibt im 2. Jh.n.d.Ztr. folgendes: “Dagegen sind sie geschickt, Häuser zu untergraben und Familien in Verwirrung zu bringen, indem sie ein Familienmitglied gegen das andere hetzen und sich der Leitung der häuslichen Angelegenheiten bemächtigen.”

Das Prinzip dieser Strategie ist so einfach wie genial und böse. Die Strategie mag zwar uralt sein, aber klappte 1968 perfekt. Was geschah damals? Die Kinder wurden gegen die Elterngeneration aufgehetzt, es wurden Familien zerstört und es wurde dadurch eine allgemein marxistische Gesinnung in der Gesellschaft, vor allem in Politiker- und Intellektuellenkreisen etabliert. Die Auswirkungen sieht man heute noch. Um eine neue Mentalität zu etablieren, müssen die Zielpersonen aus ihrem Umfeld herausgelöst werden. Dieses Umfeld bezieht sich nicht nur auf die elementarste Zelle eines Volkes, sondern auch auf Volk und Rasse. So haben die Kirchen Europas Geld für Kinder in Afrika, Asien, Südamerika, aber kein Geld für hiesige. Warum? Die Not der einen ist größer. Darum die Nächstenliebe und der Verdienst bei Hilfe ebenso. So rechnet der Christ. Darum werden Ausländer von der Kirche gefördert. Die Caritas unterstützt und berät die Ausländer in rechtlichen Fragen, wenn sie “diskriminiert” wurden. Pfarrer fördern die Ansiedlung von Ausländern. Von diesem Standpunkt aus wuchert der Gleichheitswahn des Christentums in die Köpfe der Menschen.

http://logr.org/etschlichter/2013/12/07/ueberwindung-des-christentums-teil-5/

Der Gleichheitswahn der Christen ist die Ursache für jede Auflösung der Gemeinschaft, die nur durch Hierarchie zu Stabilität und Effizienz gelangt. In der Bibel steht:“Denn was hoch ist unter den Menschen, das ist ein Greuel vor Gott” (Lukas 16,15). Und allgemein gilt: “Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht” (Matthäus 23,12). “Die Gleicheit der Seelen vor Gott” ist eines der größten Dogmen, das bis heute unser Denken dominiert. In den Sprachgebrauch der Liberalen übersetzt:“Was kann ein Schwarzer dafür, daß er in Afrika und nicht hier geboren wurde?!” Als ob es keine seelischen Unterschiede zwischen mir und ihm gäbe. An dieser Stelle setzt Nietzsche ein: “Und unterschätzen wir das Verhängnis nicht, das vom Christentum aus sich bis in die Politik eingeschlichen hat! Niemand hat heute mehr den Mut zu Sonderrechten, zu Herrschaftsrechten, zu einem Ehrfurchtsgefühl vor sich und seinesgleichen, – zu einem Pathos der Distanz . . . Unsre Politik ist krank an diesem Mangel an Mut! - Der Aristokratismus der Gesinnung wurde durch die Seelen-Gleichheits-Lüge am unterirdischsten untergraben; und wenn der Glaube an das »Vorrecht der meisten« Revolutionen macht und machen wird, das Christentum ist es, man zweifle nicht daran, christliche Werturteile sind es, welche jede Revolution bloß in Blut und Verbrechen übersetzt! Das Christentum ist ein Aufstand alles Am-Boden-Kriechenden gegen das, was Höhe hat: das Evangelium der »Niedrigen« macht niedrig.” In die heutige Zeit übersetzt: Der Drogenhändler, der kriminelle Ausländer, der Nichtsnutz, der Drogenabhängige, die Prostituierte sind demnach wahre Christen! Gerade zu Beginn des 20. Jh. hat sich in solchen “Gesellschaften” der Kommunismus verbreitet. Und die Frau von Rudi Dutschke hat ihre Doktorarbeit über Kommunismus und Urchristentum geschrieben. Und siehe da: Da gibt es einige Parallelen. Alles, was durch natürliche Auslese aus dem Lebenskampf wegfallen würde, wird nun erhöht und zum Ideal gemacht. Konsequenterweise wird das höhere Leben dann zum Feinbild. Nietzsche dazu: “Es [das Christentum] hat einen Todkrieg gegen diesen höheren Typus Mensch gemacht, es hat alle Grundinstinkte dieses Typus in Bann getan, es hat aus diesen Instinkten das Böse, den Bösen herausdestilliert: – der starke Mensch als der typisch Verwerfliche, der »verworfene Mensch«. Das Christentum hat die Partei alles Schwachen, Niedrigen, Mißratenen genommen, es hat ein Ideal aus dem Widerspruch gegen die Erhaltungs-Instinkte des starken Lebens gemacht; es hat die Vernunft selbst der geistig stärksten Naturen verdorben, indem es die obersten Werte der Geistigkeit als sündhaft, als irreführend, als Versuchungen empfinden lehrte.”

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Nietzsche: “Man darf zwischen Christ und Anarchist eine vollkommene Gleichung aufstellen; Ihr Zweck, ihr Instinkt geht nur auf Zerstörung. Den Beweis für diesen Satz hat man aus der Geschichte nur abzulesen: Sie enthält ihn in entsetzlicher Deutlichkeit.”

Jesus verkehrt im Neuen Testament die jüdische Nächstenliebe (Im Alten Testament galt die Nächstenliebe nur dem Mitjuden.) zu einem Pazifismus, der zerstörerischer als jeder Krieg über die Länder hinwegfegte. Jesus predigte, daß man nicht nur die Angehörigen der eigenen Gruppe lieben sollte, sondern die anderer Gruppen – bis hin zum Feind. Jesus sagt: ”Ihr habt gehört, daß da gesagt ist (2. Mose 21,24): Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstehen sollt dem Übel; sondern wenn dir jemand einen Streich gibt auf deine Backe, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir richten will und deinen Rock nehme, dem laß auch den Mantel.” So ein Verhalten ist völlig antievolutionär. Tiere oder Menschen, die so in der Vergangenheit gehandelt haben, gibt es nicht mehr. Das Tier wäre verhungert, weil es sich ständig sein Futter klauen gelassen hätte. Der Mensch wäre erfroren. Aber es gibt noch mehr dieser Stellen in der Bibel: ”Ihr habt gehört, daß gesagt ist (3. Mose 19,18): Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen…” (Matthäus 5,43). Wer tut das? Kann man einen Feind hassen (lieben!), wenn man nicht unbedingt sterben möchte? “Denn wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen” (Matthäus 26,52). Es gibt genügend Leute, die getötet, verletzt oder vergewaltigt wurden, die nicht das “Schwert” genommen haben. Hätten sie es wohl eher genommen.

http://logr.org/etschlichter/2013/12/28/ueberwindung-des-christentums-teil-6/

Dr. Tomislav Sunic
Schriftsteller

Ulrichsberg: Mahnort oder Wegweiser neuer Katastrophen?

Auszug aus der Rede von Prof. Dr. Tomislav Sunic am 15. September 2013

Neue Ordnung (Graz) IV/13, EDITORIAL Neue Ordnung Der Ulrichsberg ist ein Abbild von zahllosen deutschen und zahllosen europäischen, bzw. kroatischen, ungarischen, italienischen, belgischen und französischen Gedenkorten. Was uns mit Ulrichsberg verbindet, verbindet uns auch mit dem kärntnerischen Bleiburg oder dem sächsischen Dresden. Im kroatischen Geschichtsbewusstsein hat das Wort „Bleiburg“ einen ganz besonderen Klang, so wie der Name Ulrichsberg eine besondere Bedeutung für Sie hat. Wenn man das Wort Bleiburg in Kroatien ausspricht, denkt man nicht an schöne Wälder, einen Skiurlaub oder ein Shoppingzentrum in Kärnten. Das Wort Bleiburg ist im kroatischen Wortschatz fast ein metaphysischer Begriff geworden für den allgemeinen kroatischen Werdegang.

Bleiburg ist nicht Sinnbild für einen schönen romantischen Ort, sondern ein Symbol für die biologische Katastrophe Kroatiens. Im Mai 1945 waren hunderttausende flüchtende Kroaten, auch viele Kosaken, Montenegriner, Serben und Slowenen meistens Zivilisten, von den anglo-amerikanischen Alliierten aus Südkärnten an die jugo-kommunistischen Schergen ausgeliefert worden. Wir sollen auch hier die Millionen der vertriebenen Deutschen aus Schlesien, Pommern, aus dem Sudetenland und dem Donauraum, aber auch aus Kärnten nicht vergessen. Leider gelten noch immer zweierlei Maßstäbe, wenn wir der Toten der Nachkriegszeiten gedenken. Wie uns der große deutsche Staatsrechtler Carl Schmitt lehrte, liegt hier eine gefährliche Problematik im modernen Völkerrecht und demzufolge in der Ideologie der Menschenrechte vor, und daher auch mit unserem Gedenktag heute und morgen. Für viele Medienleute und „Antifaschisten“ heute gelten die Leute, die durch Kärnten im Sommer flüchteten, als Monster oder Ungeziefer. Wie sollen die Menschenrechte für die Ungeziefer und Undemokraten gültig sein? Für die sogenannten Monster kann es keine Gedenkstätte geben. Diese verdienen keine Trauer und keine Träne. Sie verdienten deren Meinung nach den Tod. Man wirft uns manchmal vor, unser Leiden und unseren Gedenktag hochzuspielen, um die faschistischen Verbrechen zu relativieren. Das ist Unsinn. Diese These kann leicht umgekehrt werden. Die Systemhistoriker und die Meinungsmacher vergessen, dass jede einseitige Opferlehre konfliktstiftend ist: Jede einseitige Opferlehre beharrt auf ihrer eigenen Einzigartigkeit und beruht immer auf den Kosten der anderen Opfer. Die viktimologische Atmosphäre im heutigen Multikulti-Europa verleitet jeden Stamm, jede Gemeinschaft, jeden nicht-europäischen Zuwanderer zu der Annahme, nur seine Opferlehre sei wichtig und einzigartig. Jede Opferlehre steht mit den anderen im Wettbewerb und letztendlich muss der Zusammenstoß erfolgen. Solche einseitige Opferrollenmentalität dient nicht der Konfliktverhinderung und dem Frieden. Sie führt zur multiethnischen Gewalt und macht den künftigen Konflikt unausweichlich. Das Problem liegt in der Tatsache, dass man gegenseitige Opfer - so viel man sie kriminalisieren und relativieren mag - , nicht sehr lange Zeit verbergen oder verschweigen kann. Oder anders formuliert, abgesehen von unserer angeblichen Instrumentalisierung unserer Opfer: Warum hört man wenig, fast nichts in den Schulen oder in den Universitäten über das Leiden der Deutschen, Kroaten und anderen Völker kurz nach dem Zweitem Weltkrieg? Durch die heutige Verharmlosung und Relativierung der alliierten Nachkriegsverbrechen entsteht kein Klima gegenseitigen Verständnisses und der Versöhnung, sondern ein Klima der falschen Mythologien und kollidierenden Opferlehren, wobei sich jeder Mensch, und jeder Stamm als Opfer seines jeweiligen Nachbarn fühlen muss. Das Schulbeispiel ist wieder der Zusammenbruch des ehemaligen Kerker – und Kunststaates Jugoslawien, wo die verlogenen und falschen kommunistischen Opferlehren der Hauptgrund für den Krieg im Jahre 1991 waren. Die kommunistischen jugoslawischen Hofhistoriker hatten nicht ein gegenseitiges Verständnis zwischen den jugoslawischen Völkern herbeigeführt, sondern gegenseitigen Hass und Krieg. Geben wir uns - liebe Kollegen und Kameraden - keinen Illusionen hin. Der Ulrichsberg ist nicht nur ein verdienter Mahnort gegen Kriege oder ein Platz zur Versöhnung, oder ein Ort des Gedenkens. Ulrichsberg kann symbolisch auch ein Menetekel von großen baldigen Katastrophen sein. Was uns in den folgenden Jahren erwartet, kann man sich schon jetzt vorstellen. Manche von euch, manche von uns, die ein verlängertes Geschichtsbewusstsein haben, wissen gut, dass eine Welt zu Ende ist. Die kommende Welt wir schlimm sein. Aber die kommende Welt bietet uns allen eine Chance. Der Redner ist kroatisch-amerikanischer Politikwissenschaftler und Vorstandsmitglied der Amerikanischen Freedom Party.

Die ethnische Frage als Identitätsfrage - Unterschiede in den USA und Europa

HIER UND JETZT

Jahrgang 2013

von

Dr Tomislav Sunic

Eine Klärung der Begriffe ist immer notwendig wenn man sich mit den modischen Worten wie „Identität“ und „ethnische Gruppe“ befasst. Der Identitätsbegriff ist ein uraltes Thema, obgleich das Wort ziemlich neu und Ambivalenzen aufweist. Vor einhundert Jahren wurde das Wort „Identität“ in der Gerichtsmedizin benutzt, aber natürlich nicht zur Beschreibung nationaler Identitäten. Im Gegensatz zu dem alten Begriff ist das heutige Wort „Identität“ wenig brauchbar für tiefere gesellschaftliche Analysen, da dieses Wort mehrdeutig ist und auch falsche Bedeutungen einschließen kann. Heute kann ein Bürger in der Bundesrepublik Deutschland mehrere und verschiedene Identitäten zur Schau stellen, die sich gegenseitig ergänzen, aber auch ausschließen: Er kann sich als guter Europäer bezeichnen, obgleich er nordafrikanischer oder türkischer Herkunft ist; zudem kann er ein guter Passdeutscher sein und auch dazu mehrere andere professionelle Identitäten aufweisen. Die Frage ist nun, welche seine grundlegende Identität und welche seine zweitrangige Identität ist. Was kommt an erster Stelle?: Seine Rassezugehörigkeit, sein Volksbewusstsein oder seine Staatszugehörigkeit? In seinem Buch über Identität schreibt Alain de Benoist über die konflikthafte Natur der ethnischen und nationalen Identitäten und fügt hinzu: „Der Glauben, dass die Identität besser erhalten sein kann ohne diese Konfrontation ist Unsinn; im Gegenteil ist es die Konfrontation, die die Identität ermöglicht“.1 Das heißt, dass jede Identität in zweifacher Weise erscheint; sie setzt das Gleiche einer Gruppe voraus sowie die Abgrenzung des Anderen. Wir identifizieren uns am besten mit uns selbst und mit unserer Gruppe in dem Maße, in dem wir uns von anderen entsprechend unterscheiden.

Europas Urfrage von Homer bis Goethes Faust

Oswald Spengler, der sich auch mit dem Begriff der Identität befasst hat, aber der das Wort „Identität“ in seinem Hauptwerk, Der Untergang des Abendlandes nicht benutzt, schreibt über die „zweite Religiosität“ der Leute in der Moderne, die anstelle der alten eingeborenen Identitäten jetzt neue pseudo-wissenschaftliche “Götzen“ verehren.2 Weiterhin schreibt er: “Dem entspricht in der heutigen europäisch-amerikanischen Welt der okkultistische und theosophischer Schwindel, die amerikanische Christian Science, der verlogene Salonbuddhismus, das religiöse Kunstgewerbe“.3 Solchen „zweiten Religiositäten“ beziehungsweise Ersatzidentitäten begegnet man heute überall im multikulturellen Westen in den Debatten der etablierten Akademiker. Aber auch viele sogenannte „Rechtsradikale“ und nationalgesinnte Leute in Amerika und Europa stellen sich oft ihre neue Identität als eine Art Spaß in einem heiteren Klan vor. Es gibt eine Menge von „Hollywoodnazis“ in den USA, deren Identität aus der Nachahmung verzerrter historischer Sinnbilder aus dem Dritten Reich besteht. Die Identität solcher Leute liegt völlig anderswo als bei einem traditionellen Mann oder einer solchen Frau in Deutschland oder in Kroatien, die ihre Identität anders begreifen. Allerdings, aus philosophischer Sicht gesehen, hat man sich im Abendland mit dem Identitätsverlust schon immer befasst, obschon dieser Begriff in unterschiedliche Worte eingepackt ist. Von Homer bis Goethes Faust haben sich unsere Ahnen über den Sinn ihres Daseins Gedanken gemacht.

Es stellt sich ein zusätzliches Problem mit der Wahl der Worte. Viel einfacher wäre es, würde man „völkisches Bewusstsein“ statt des Begriffes „ethnische Identität“ verwenden. Allerdings ist es – gerade in der Bundesrepublik Deutschland – ja bekannt, welchen semantischen Verzerrungen und welchem politischem Druck die schönen deutschen Worte „Volk“ oder “Volksbewusstsein“ ausgesetzt sind. Auch das Modewort „ethnisch“ entstammt dem Vokabular der amerikanischen Geisteswissenschaften und hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der Tagespolitik, aber auch im heutigen Hochschulwesen in Europa und den USA eingenistet. An den amerikanischen Universitäten gibt es beispielsweise ein Studienfach mit dem Namen Ethnic Studies ( “Ethnische Studien“) wobei die Studenten nicht etwa die verschiedenen ethnischen Gruppen Europas untersuchen sollen, sondern sich ausschließlich mit den nichteuropäischen Völkern befassen.

Vor dem Zweiten Weltkrieg benutzte man in Europa und Amerika in den Studien über die verschiedenen Völker der Erde selten das Wort „ethnisch“. Stattdessen verwendeten damals Politiker und Akademiker Ausdrücke wie „Volk“, „Rasse“ und auch „Rassenkunde“. Das Wort „Rasse“ war zu dieser Zeit ein neutrales Paradigma in anthropologischen und medizinischen Betrachtungen unterschiedlicher nichteuropäischer Völker. Erst seit dem Zweiten Weltkrieg unterliegt das Wort „Rasse“ schweren ideologischen, polemischen, mitunter auch juristischen Auseinandersetzungen und wird allmählich aus dem Vokabular ausgestrichen.

Wenn man dementsprechend heute die Wörter „Rasse“ oder „rassische Identität“ - auch im neutralen Sinne - laut in der Öffentlichkeit ausspricht, ist die Hölle los, da dieses Wort, ebenso wie das Adjektiv „rassisch“ eine kriminalisierende Bedeutung empfangen habe, die nur benutzt werden dürfe, wenn man über „Rassenkrawalle“ redet oder wenn ein Weißer angeblich einen Nichtweißen beleidigt hat. Sofort wird dieser Weiße als “Rassist“ abgestempelt. Nun gibt es aber eine Inkonsequenz in dieser neuen Sprachregelung. Nach der liberalen Wertauffassung gibt es keine rassischen, sondern nur ethnische und kulturelle Identitäten. Wenn diese Argumentation stimmen und der empirischen Wahrheit entsprechen würde, dann sollte es logischerweise auch keine Rassisten geben. Nach den angeblich wissenschaftlichen Ergebnissen von etablierten Akademikern habe es nie rassisch geprägte Identitäten gegeben, da es außer einer „Menschenrasse“ (human race) keine anderen Rassen gebe. Moderne Systemtheoretiker bedürfen jedoch des Feindbildes der sogenannten weißen Rassisten oder der „Nazis“, um ihre Theorien über das angebliche Nichtbestehen der Rassen zu legitimieren.

Amerikas Identität; explizite und implizite Weiße und Nichtweiße

Über die Identität Amerikas, über das Amerikanertum, den Amerikanismus oder den Anti-Amerikanismus gibt es in Deutschland und Frankreich eine Menge Bücher. Doch was heißt eigentlich amerikanische Identität? Es gibt keine! Professor Kevin MacDonald hat die Worte „explizite und implizite Identitäten“ in die Soziobiologie eingeführt, wobei sich explizite oder bekennende weiße Amerikaner, im Gegenteil zu impliziten weißen Amerikanern, ihrer rassischen Zugehörigkeit bewusst sind und ihre Identität in diesem Sinne auch behaupten: MacDonald schreibt: „Dennoch haben noch immer die ethnozentrischen Tendenzen einen Einfluss auf das Verhalten der weißen Menschen. Trotz der aktuellen kulturellen Programmierung verschmelzen sich allmählich weiße Menschen im multikulturellen Amerika in den impliziten weißen Gemeinschaften, das heißt, in den Gemeinden, die ihren Ethnozentrismus abspiegeln, aber die ihren Namen nicht sagen dürfen. Sie können nicht explizit sagen, dass sie ein Ausdruck des weißen Ethnozentrismus sind. Diese impliziten weißen Gemeinden sind unzureichend für eine ethnische Abwehr, aber, (..) die Fortschritte in der Verteidigung ethnischer Interessen der Weißen werden nur mit expliziter Behauptungen ihrer ethnischen Identität und Interesses stattfinden. Eine Vielzahl von Hindernissen bezüglich der ethnischen Abwehr wird erörtert mit besonderer Aufmerksamkeit für das Verständnis der psychologischen Mechanismen, die der weißen Schuld zugrunde liegen“.4

Diese selbstbekennenden weißen Nationalisten in Amerika werden oft von den Systemmedien mit abschätzigen Worten wie White Supremacists (etwa: Befürworter der Vorherrschaft der weißen Rasse) bezeichnet.

Die politische Theologie des Amerikanismus

Man kann nicht auf alle Einzelheiten des Amerikanismus eingehen, sondern sollte sich strikt auf die Identität der weißen Amerikaner beschränken.5 Allgemein könnte man sagen, besonders was die amerikanische Identität in der Außenpolitik betrifft, dass sie die Abbildung einer politischen Theologie ist, die sich in einem besonderen politischen Auserwähltetsgedanken manifestiert. Seit zweihundert Jahren verwenden die amerikanischen Systempolitiker, aber auch weite Kreise der amerikanischen Bürger, die politisch-theologischen Begriffe, die dem Alten Testament entnommen sind. Dementsprechend verstehen sich viele Amerikaner als Nachfolger der alten Hebräer und übernehmen dabei die Rolle der Gottesboten einer universalistischen Botschaft der Weltverbesserung. Es ist kein politischer Zufall, dass Amerika ein unbestreitbarer Freund Israels ist und aus zivilreligiösen Gründen auch sein muss. In dieser altbiblischen schwarz-weißen Weltbetrachtung, wenn heute auch in säkularer Weise ausgedrückt, waren vor 150 Jahren die sezessionistischen Südstaaten das Sinnbild des Bösen; später, Anfang des 20. Jahrhunderts, wurde das Sinnbild des Bösen der böse Deutsche, bzw. „der Nazi“; dann, während des Kalten Krieges, war der Kommunismus das Symbol des Bösen. Da die amerikanischen Systempolitiker ihrem Selbstverständnis nach immer die Gutmenschen sein sollen, haben sie bei ihren diplomatischen Handlungen und ihren Kriegshandlungen nie ein schlechtes Gewissen, sei es bei der Bombardierung von Dresden oder jener von Bagdad. Wenn ein Land wie Amerika seine Identität aus dem jüdisch-biblischen Auserwähltheitsgedanken bildet, muss er auch glauben, eine moralische Pflicht zu haben, seine Feinde nicht als sporadische und gleichartige Gegner bekämpfen zu müssen, sondern sie als die Verkörperung sehr gefährlicher Tiere zu betrachten. Demzufolge soll man gefährliche Tiere entweder liquidieren oder umerziehen oder beides.

Heute gibt es keine bösen Kommunisten, Konföderierten oder Faschisten mehr. Heute werden die bösen Islamisten erfunden, auch da wo es keine gibt. Auch für viele weißnationalistische Gruppen und Gruppierungen in Amerika und in Europa ist die Kritik an diesem neuen Sinnbild des Bösen, beziehungsweise an den Muslimen von großem Nutzen. Es gibt auch einen psychologischen Grund dafür: Als negative Identitätsbestimmung ist heute der Antiislamismus in Amerika, ähnlich wie der Antifaschismus in Deutschland, eine risikolose und gesetzlich erlaubte negative Ersatzidentität, die auch von amerikanischen Regierungskreisen und von manchen jüdischen, neokonservativen Kreisen toleriert und gefördert wird. Übrigens dient der heutige Antiislamismus als schöne Maske für viele weiße Nationalisten, um ihre eigene Identität zu tarnen. Da es gesetzlich und beruflich schädlich sein kann, nicht-weiße Migranten oder gar die Juden in Europa und Amerika zu kritisieren, verstecken viele weiße Amerikaner ihre Kritik an der offiziellen Multikultipolitik ihres Landes hinter virulenter Kritik an Muslimen. Manche bekannten europäische Nationalisten gehen noch einen Schritt weiter; sie benutzen eine starke antiislamische Rhetorik, vermischt mit einer obligatorischen Anbiederungspolitik an die Juden, gepaart mit einer Sühnereise nach Israel, wie das der Fall war mit manchen Politikern des Vlaams Belang und der_FPÖ_, um sich damit den Freifahrtschein für ihre Anti-Moslem – und Multikulturalismuskritik einhandeln zu können.

Die amerikanische Staatsidee – ein Konstrukt

Freilich gilt diese vereinfachte antiislamische negative Identität nicht für alle weißen amerikanischen Nationalisten. Es wäre falsch zu behaupten, alle weißen und rassenbewussten Amerikaner seien oberflächliche Rassisten ohne jegliches Kulturbewusstsein. Die europäischstämmigen weißen Amerikaner haben viele Vorteile in der Selbstwahrnehmung ihrer Identität - Vorteile die man so bei den Nationalisten kleiner osteuropäischen Staaten kaum findet.

Historisch gesehen hängt die Staatsidentität Amerikas an einem Staatsgefühl, das sich anders manifestiert als in den Staaten Europas. Die Gründung Amerika war ein Fall des politischen Konstruktivismus, wo die Staatsbildungsidee immer der Volksbildungsidee voranging. Übrigens gibt es in englischer Sprache kein entsprechendes Wort für das deutsche Wort „Volk“ oder „völkisch“. Daher besteht seit langem bei vielen weißen Amerikanern auch die legitime Furcht, dass ihr Staat ein volkloser „proposition state“ (etwa: Staatskonstrukt) geworden ist. Jedes Staatskonstrukt ist, im Gegensatz zum organischen Staat, anfälliger für den Zuzug anderer Rassen und Kulturen, was teilweise das mangelnde Gemeinschaftsgefühl der weißen Amerikaner erklärt. In diesem Sinne kann man sagen, dass der vielgepriesene amerikanische Verfassungspatriotismus eine „dritte Religiosität“, oder genauer gesagt, eine politische Theologie aus der Aufklärungsepoche geworden ist. Auch der sogenannte Verfassungspatriotismus in der BRD ist nur eine magere Importkopie des amerikanischen Verfassungspatriotismus, aber mit einem wichtigen historischen Unterschied: Amerika wurde von den weißen Aufklärungspolitikern gegründet, deren implizite Rassenzugehörigkeit stärker als in Europa hervortrat und die sich gesetzlich bis in die sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts behaupten konnte.

Das Staatsbewusstsein in Amerika hat wenig gemeinsam mit dem traditionellen volksgebundenen und kulturgebunden Staatsbewusstsein in Mitteleuropa. Aus diesem Grund spielt der Faktor der Rasse bei vielen weißen Amerikanern eine stärkere identitätsstiftende Rolle als in Europa. Jedoch: Trotz ihrer Unterschiede in ihrem jeweiligen Selbstverständnis, sind die weißen Europäer zusammen mit weißen Amerikanern mehr und mehr über das bewusst, was sie heute zusammen bindet und auch im Ernstfall in der Zukunft zusammenhalten kann. Es ist ihr genetisches, oder genauer gesagt, ihr gemeinsames rassisches Erbe.

Der Ausdruck „europäische Identität“ ist auch widersinnig. So wie es Unterschiede zwischen weißen Amerikaner und weißen Europäern hinsichtlich ihrer Staats- und Volksidentität gibt, gibt es auch verschiedene nationale Identitäten bei den Europäern selbst. Ein Flame ist kein Wallone, und ein Serbe will nicht ein Kroate sein. Fraglich ist, ob es irgendwann eine allgemeine europäische Identität geben wird, von der manche Nationalisten in Europa schwärmen. Theoretisch schon, oder vielleicht aus der amerikanischen Sicht betrachtet. In Wahrheit gibt es jedoch gar keine europäische Identität und es hat sie nie gegeben, sieht man einmal vom Gerede vieler europäischer Nationalisten über eine gemeinsame Reichsidee oder eine kontinentale euroasiatische Idee ab. Die meisten von uns identifizieren sich, abgesehen von unserer gemeinsamen europäischen Ortung, zuerst mit ihrer näheren Gemeinschaft und Sippe und nicht mit weit entfernten Völkern Europas. Auch ein europäischer weißer Mann, beziehungsweise ein deutscher “Antifa“, der seine Sippe oder sein Volk unbedingt verlassen will, und der sich nach einer supranationalen rassenlosen, volkslosen Identität sehnt, drückt seinen Hass gegen seine Sippe oder sein deutsches Volk zuerst in der Art, Weise und der Sprache des Volkes aus, aus dem er stammt und aus dem er aussteigen will.

Osteuropa als Hort innerethnischer Konflikte

Im Gegensatz zu multikulturellem oder, genauer gesagt multirassischem Westeuropa sind die Völker Ost- und Mitteleuropas rassisch sehr homogen, aber ethnisch sehr heterogen. Ihren heutigen „rassenreinen“ Zustand haben sie dem ökonomisch bescheidenen und vor über zwei Jahrzehnten untergegangenen Kommunismus zu verdanken, der niemals ein Anziehungspunkt für nichteuropäische Zuwanderer war. Hier kann man jetzt natürlich das Wort „ethnisch“ benutzen, da es falsch ist, über verschiedene Rassen in Ost und Mitteleuropäer zu reden. Man sollte den Blick jedoch auf die kulturellen und religiösen Unterschiede der osteuropäischen Identitäten richten und den inter-ethnischen und inter-europäischen Hass als Quelle der neuen Konflikte in dieser Region nicht unterschätzen. Sicher, im Hinblick auf ihre „europäische Identität“ sind alle Osteuropäer „europäische“ als Westeuropäer. Gefühle der historischen Schuld oder Selbsthasses, denen man beispielweise in der BRD begegnet, sind bei den Bürgern Osteuropas nahezu unbekannt. Der Nationalstolz ist relativ stark ausgeprägt, und er bestimmt einen großen Teil des Identitätsbewusstseins aller Osteuropäer. Die einfachen Leute in Kroatien oder Ungarn beispielweise brauchen keine akademischen Abhandlungen über das Multikulti-System zu lesen oder über die Rassenverschiedenheiten zu debattieren, um sich ihrer selbst bewusst zu sein. Die meisten wissen, dass sie Weiße, Kroaten und auch gute Katholiken sind. Dasselbe gilt für Polen oder Ungarn. Es gibt zwei Gründe für ihr explizites Volks- und Rassenbekenntnis: Einerseits ist es die logische Folge gewaltsam-erzwungener Verleugnung ihrer völkischen Identität durch das ehemalige kommunistische System, anderseits ist ihr Volkstum durch die Tatsache begründet, dass es derzeit kaum „andersartige“ und rassenfremde Bewohner in ihren Ländern gibt. Deswegen brauchen die Osteuropäer und besonders ihre nationalistischen Parteien ihre rassische und völkische Identität nicht explizit zu thematisieren oder explizit zu bejahen, wie das der Fall bei den nationalistischen Parteien in Westeuropa oder Amerika ist. Dagegen sind in Osteuropa die interethnischen Ressentiments sehr ausgeprägt. Es gibt einige Beispiele für eine solche negative Identität der Osteuropäer, die aus der Sicht eines amerikanischen weißen Nationalisten, aber auch aus der Sicht eines heutigen Westeuropäers, schwer zu begreifen sind: So ist die nationale Identität eines polnischen Nationalisten, der sonst bei allen Themen mit seinem Kollegen aus Deutschland übereinstimmen kann, wie z.B. bei der Globalismus-Kritik oder dem Antikommunismus oder Antikapitalismus, oft in seinem Antideutschtum verankert.

Angesichts ihrer deutschen Nachbarn tragen die tschechischen Nationalisten auch ein schwerwiegendes Erbe, über dessen historische Tragweite sie ungern mit ihren deutschen Kollegen reden, nämlich über die Vertreibung der drei Millionen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotz der derzeitigen Ruhe zwischen Serben und Kroaten haben diese beiden benachbarten und sehr ähnlichen Völker, zwei völlig verschiedene historische Erzählungen und zwei völlig verschiedene und sich gegenseitig feindlich gegenüberstehenden Opferlehren. Kurz gesagt, die Serben und Kroaten weisen trotz ihrer erstaunlichen Ähnlichkeit zwei radikal und sich gegenseitig ausschließende Identitäten auf. Für einen kroatischen Nationalisten ist es trotz seines Antiliberalismus und Antikommunismus schwer, „ein guter Kroate“ zu sein, ohne sich zuerst als „guten Anti-Serben“ zu beschreiben.6

Solcher interethnische Hass spielt heute in West-Europa eine geringere Rolle als früher, was paradoxerweise dem ständigen Zuzug von Nichteuropäern zu verdanken ist. Die negativen Feindbilder der andersartigen Migranten veranlassen viele westeuropäische Nationalisten, sich nicht mehr als Opfer der Nationalmythen ihrer Nachbarn zu sehen, oder sich über ihren eigenen ausschließenden Nationalmythos und ihre Opferlehre zu definieren. Dazu kommt die Frage: Wem dient es heute, sich als Schwede, Deutscher, Flame, oder Amerikaner zu definieren oder von einem Großdeutschland oder Großschweden zu träumen, wenn man bedenkt, dass mehr als 10 oder 20 Prozent amerikanischer, französischer, belgischer oder deutscher Bürger nichteuropäischer und nichtweißer Abstammung sind?

Negative Identitäten und Zufallsidentitäten

Darüber hinaus gibt es auch die Frage der negativen Identität, die man letztendlich nur im Ernstfall entdeckt. Man könnte hier Carl Schmitt paraphrasieren, nämlich dass man über seine Souveränität nur im Ernstfall entscheidet, beziehungsweise seine Identität nur in Ernstfall wahrnimmt.7 Wenn sich eine große Krise anbahnt, weiß jeder von uns, ob er ein “impliziter“ oder “expliziter““ Deutscher oder Kroate ist, welcher Gruppe er angehört und wem er seine Treue von nun an schwören soll. Sollte er diese ungeschriebenen biologischen Regeln seiner Gruppenidentität vergessen, wird ihn der „Andersartige“ im Ernstfall, wie zum Beispiel während einer interrassischen Schlägerei in Neukölln, oder Cleveland daran erinnern, welcher Sippe und welcher Ethnie, beziehungsweise welcher Identität er angehört. Dann vollzieht sich die Identitätsbildung im Schnelldurchgang! Hier sind das Phänomen der Plötzlichkeit und das Phänomen des Zufalls zu erwähnen, aber auch das Phänomen der „Berufsnationalisten“, die schnell entdecken, wohin sie gehören, wenn ihr Leben oder ihre Karriere direkt physischer Gefahr ausgesetzt ist. Es gibt eine Menge dieser „Spätnationalisten“ in Amerika und Europa, die stolz prahlen, wie sie „ihr völkisches und rassisches Erwachen vor kurzem erlebt haben.“ In meisten Fällen sind es die Leute, die sich früher als apolitisch bezeichneten, aber deren zerstörte Karriere und ihre Opferrolle im Multikulti-System und dessen sogenannter „positive Diskriminierung“, dazu geführt haben, dass aus ihnen explizite Nationalisten wurden.

Solchen reaktiven Zufallsidentitäten begegnete man bei vielen kroatischen Politikern aus dem Jahre 1991, die ihre nationale Identität nur nach dem kommunistischen und großserbischen militärischen Überfall entdeckten hatten. Viele waren vor 1991 anti-kroatisch, kommunistisch und jugoslawisch eingestellt. Es war Ende 1991 ein erstaunliches Schauspiel, wie viele Altkommunisten im zerfallenden Jugoslawien, in Rekordzeiten zu überzeugten kroatischen beziehungsweise serbischen Musternationalisten konvertierten. Man kann nicht ausschließen, dass mit der bevorstehenden ökonomischen Großkrise mehr um mehr a-nationale Deutsche und Franzosen sich ihren nationalen Identitäten zuwenden werden. Auch der Opportunismus ist eine geistige Antwort auf den Ernstfall.

In Bezug auf die negativen oder reaktiven Identitäten kann man hier eine Parallele zum christlichen Antisemitismus ziehen, der auch eine Form kollektiver Neurose ist. Millionen von Christen hassen das Anderssein der Juden, beten jedoch gleichzeitig zum jüdischen Gott und widmen sich den biblischen Legenden. Christliche Antisemiten, so kann man es ausdrücken, hatten sich den jüdischen Eigengott Jahwe angeeignet und gleichzeitig diesen jüdischen Gott in einen universellen antisemitischen Gott verwandelt.8

Verderbliche und vererbliche Identitäten

Kleinnationalismen haben in Europa, historisch gesehen, als Träger der Identitäten bis jetzt eine negative Rolle gespielt. In diesem Sinne haben die weißen Amerikaner, trotz ihres mangelnden Staats- und Volksbewusstsein einen Vorteil gegenüber den Europäern; sie haben Sippenkriege untereinander vermeiden können. Die traditionellen Methoden der kollektiven Identitätsfindung in Europa, wie romantisch und poetisch sie sein mögen, sind nicht mehr für ein globales kapitalistisches System geignet, das alle europäischen, alle weißen Völker und alle Staaten zersetzt. Das traditionelle Beharren auf die Zugehörigkeit nur zum eigenen Stamm, oder eigenen Staat auf Kosten des benachbarten europäischen Staates und Stammes erwies sich als selbstzerstörend für alle weißen Europäer. Die nichteuropäischen Migranten nutzen solche Zwiste zwischen europäischen Völkern genauso zu ihren Gunsten aus wie raumfremde Mächte. Tatsächlich legitimieren solche exklusiven europäischen Nationalismen die neomarxistischen und liberalen Experimente mit der Ideologie der Masseneinwanderung und Multikulturalismus. Die Altnationalismen mit ihrer Verbindung zum Nationalstaat sind im Hinblick auf das veränderte ethnische Bild des heutigen Europas anachronistisch geworden. Ironischerweise bietet sich mit dem ständigen Zuzug nichteuropäischer Menschen nach Europa die Möglichkeit, die interethnischen und zwischeneuropäischen Kriege in Europa zu vermeiden. Um ihre neue Identität am besten zu bewahren, müssen die weißen Europäer und Amerikaner versuchen, sie durch ihre gemeinsame Kultur und ihr gemeinsames ethnisches Bewusstsein zu sichern. Das Wort „Rasse“ als Identitätsfaktor wird heutzutage kriminalisiert. Nach der Auffassung der liberalen Systemtheoretiker soll nur das Milieu über die Identität eines Menschen entscheiden und nicht seine Gene - nach dieser Auffassung „ ist einer was er isst“. Hier können jedoch die amerikanischen Soziobiologen behilflich sein, wenn sie auf den wichtigen Teil der Vererbung in unserem Selbstbewusstsein hinweisen. In diesem Sinne soll auch der Begriff der Rasse neu bewertet werden. Aber Rasse ist eben nicht nur etwas Biologisches - es ist auch eine geistige Gestalt. Als metaphysische Unterlage des Rassenbegriffes kann nur ein starkes und gemeinsames Kulturbewusstsein helfen. In Julius Evolas traditionalem Rassenverständnis folgt die Körperlichkeit immer dem Geistigen:

„Der Irrtum gewisser Rassenfanatiker, die meinen, die Wiederherstellung einer Rasse in ihrer ethnischen Einheit bedeute ipso facto die Wiedergeburt eines Volkes, liegt gerade darin; sie betrachten den Menschen, wie man „reinrassige“ Pferde oder Katzen oder Hunde betrachten könnte. Die Bewahrung oder Wiederherstellung der Rassereinheit im engeren Sinn kann bei einem Tiere alles sein, nicht aber beim Mensch“.9

Die gemeinsame Herkunft der weißen Amerikaner und Europäer macht zum großen Teil ihre unveränderte Identität aus. Man kann alles tauschen, alles verändern, auch seine Ideologie, Sprache, Theologie, und auch seinen geographischen Aufenthalt wechseln, zusammen mit allen seinen Ausweisen und Papieren, aber ein Mensch kann sein genetisches Erbe nicht ändern. Nun aber daraus zu folgen, die Rasse als einziges Identitätsmerkmal zu betrachten, ist, wie Evola schrieb, eine Form des biologischen Determinismus und kann irreführend sein.

Dies ist der Fall bei vielen weißen Nationalisten in Amerika, die sich nur auf die anthropologische Seite ihres Körpers fokussieren und damit den „Rassengeist“ vernachlässigen. Hier kann man einen andersdenkenden Wissenschaftler wie Friedrich Hertz zitieren. Hertz war Sozialdemokrat, Freimauer und später Exildeutscher. Er schrieb in seinem gut fundiertem Buch Rasse und Kultur, das eine kritischer Auseinandersetzung mit Huston Chamberlains Rassentheorien war und in dem er auch viele altrömische und altgriechische Quellen zitiert, so beispielweise: „Houston Chamberlain vergisst dabei ganz, dass gerade die größten Scheusale, ein Tiberius, Caligula, Nero, Domitian u. a. — mit absoluter Sicherheit als reinrassige Römer angesehen werden“.10 Und weiter schreibt Hertz: “Gerade der scheußliche Heliogabal zeigt ein schönes, trotzig blickendes Römerhaupt — nebenbei eine harte Nuss für die von Chamberlain mit so großer Phantasie und Begeisterung betriebene Physiognomie.“

Wider den biologischen Determinismus

Eine Frage an uns alle: Was wäre besser für die multikulturelle BRD oder die USA oder für ganz Europa in der nahen Zukunft: ein neuer Caracalla (das war ein römischer Kaiser nordafrikanisches Abstammung) als Staatsoberhaupt, oder ein neuer Heliogabal, der arische Gesichtszüge hatte, aber dessen kurzes Leber eine Parade der Päderastie und des Transvestismus war?11 Wie sollen die weißen Europäer und Amerikaner sich entscheiden zwischen zwei Übeln? Ein mögliches verkommenes weiß-liberales Europa kann nicht die Antwort auf das dekadente Multikulti-System sein. Demzufolge sollte die Identität der weißen Europäer und Amerikaner in einer breiteren rassenseelischen Art und Weise verinnerlicht und gestaltet werden. „Nicht nur Zucht und Auslese gehören zur Rasse,“ schrieb der deutsche Pädagoge Ernst Krieck „ sondern auch Form, Stil, Haltung in persönlicher und völkischer Lebensführung, darin sich die rassischen Werte kundgeben“.12 Ferner schreibt Ludwig Clauss in seinem Buch Rasse und Charakter:

“ Denn Rasse ist nicht wie noch heute in Laienkreisen vielfach geglaubt wird, ein Klumpen von vererbbaren Eigenschaften ( z.B. Begabungen: musikalische Begabung, Organisationstalent, Intelligenz, usw. sondern ein vererbbares Gestaltgesetz, dass sich in allen Eigenschaften, welche immer der einzelne haben mag, auswirkt und ihnen Stil verleiht. Nicht am Haben bestimmter Eigenschaften erkennt man die Rasse eines Menschen, sondern an dem Stile, in dem er diese Eigenschaften gebraucht“._13

Die Überbetonung des physisch-biologischen Elements als Identitätsmerkmal, wie man das oft in manchen weißen nationalistischen Kreisen findet, ist eine Sackgasse. Sind wir nicht vielen gutaussehenden Weißen in Europa und Amerika begegnet, die die klassischen Fälle geistigen und seelischen Abschaums darstellen? Unser genetisches Erbe ist der Hauptteil unserer Identität insoweit es eine gute geistige Richtung hält. Schöne weiße Körper stehen keinesfalls für einen guten Charakter. Nur der Rassengeist kann der Identität eines Volkes oder eines Mannes die endgültige Ausweiskarte verschaffen.

Fussnoten


  1. Alain de Benoist, Nous et les autres (Paris: éd. Krisis, 2006) S. 75. 

  2. Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, Band 2 (München: DTV, 1976) S. 941. 

  3. Ebenda, S. 941. 

  4. Kevin MacDonald, „ Psychology and White Ethnocentrism“, The Occidental Quarterly, 6(4), Winter, 2006-07, 7-46. Kevin MacDonald. Effortful Control, Explicit Processing and the Regulation of Human Evolved Predispositions. „ Psychological Review, (2008), 115(4), 1012–1031. 

  5. T Sunic, Homo americanus; Child of the Postmodern Age, mit einem Vorwort von Kevin MacDonald (BookSurge, 2007). 

  6. T. Sunic, La Croatie ; un pays par défaut ? (Avatar, 2010) 

  7. Carl Schmitt Politische Theologie (1922), (2. Auflage München und Leipzig:Duncker & Humblot 1934) S.11. 

  8. Alain de Benoist, Comment peut- on être païen ? (A. Michel, 1981) S. 161-178, passim. 

  9. Julius Evola, Heidnischer Imperialismus ( Deutsch von Frierdich Bauer) ( Armanen Velrag, 1933)., S. 52, 53. 

  10. Friedrich Hertz, Rasse und Kultur, Alfred Kröner Verlag, Leipzig, 1915, S. 259. 

  11. Ebenda, S 256 

  12. E. Krieck, National-politische Erziehung (Leipzig: Armanen Verlag, 1936), S. 26. 

  13. Ludwig F. Clauss, Rasse und Charakter, (Verlag Moritz Diesterweg, 1942) S. 80. 

„Der Hauptfeind ist der Liberalismus!“, Dr. Tomislav Sunic

Deutsche Stimme 2/2013 – Gespräch.

ds-aktuell.de

Frage: Herr Dr. Sunic, in diesem Jahr treten Sie erstmals als Redner beim Dresdner Trauermarsch zum Gedenken an die Opfer des alliierten Bombenterrors vom 13./14. Februar 1945 auf. Was verbindet Sie mit Dresden und der wechselvollen Geschichte dieser Stadt?

Sunic: Dresden ist nicht nur eine deutsche Stadt oder das Sinnbild eines deutschen Schicksals. Dresden ist auch das allgemeine Sinnbild von zahllosen deutschen und zahllosen europäischen bzw. kroatischen, ungarischen, italienischen, belgischen und französischen Städten, die von den Westalliierten entweder bombardiert oder gar zerbombt wurden. Was mich mit Dresden verbindet, verbindet mich auch mit Lisieux, einem Pilgerort in Frankreich, der von den Alliierten im Juni 1944 zerstört wurde, oder auch mit dem italienischen Pilgerort Monte Cassino, der ebenfalls im Februar 1944 von den Alliierten zerbombt wurde. Oder auch mit der kroatischen Kulturstadt Zadar an der adriatischen Küste, die auch von den Alliierten in den Jahren 1943 und 1944 bombardiert wurde. Eine Liste der zerbombten europäischen Kulturstädte hier in der DS* anzuführen, würde eine ganze Bibliothek erfordern – vorausgesetzt, daß diese Bibliothek nicht einmal wieder von den liberalen Menschenverbesserern zerbombt würde.

Frage: Das Gedenken im allgemeinen und speziell der Trauermarsch in Dresden ist schon seit vielen Jahren Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Die Linke spricht den Bombentoten schlichtweg ab, Opfer gewesen zu sein, da sie das NS-Regime „gestützt“ hätten, und bis in bürgerliche Kreise hinein wird die Meinung vertreten, man dürfe der Opfer der Bombardierungen nur im „Kontext“ mit dem Nationalsozialismus gedenken. Ist das Ihrer Meinung nach eine typisch deutsche Neurose?

Sunic: Man muß es auch umgekehrt betrachten. Soll heißen: Man kann die NS-Epoche nicht verstehen, ohne auch einen Blick auf den früheren kommunistischen Terror zu werfen. Hier stimme ich Ernst Nolte zu. Klar, die Linke will gerne die Zerstörung von Dresden kontextualisieren – solange Dresden als ihre eigene kausale Entschuldigung für das liberal-kommunistische Verbrechen gilt. Aber von einem anderen kausalen Nexus, wobei Millionen deutsche und europäische Zivilisten von Kommunisten liquidiert wurden – vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg –, will sie überhaupt nichts wissen. Im Klartext sind die Antifas und die Linke die großen Leugner der unvorstellbaren liberal-kommunistischen Verbrechen. Um diese gigantischen Verbrechen besser verschweigen, vertuschen, verschleiern und relativieren, brauchen die Linke und die Antifas das ewige Monsterbild Hitlers und den ewig büßenden, bösen Deutschen. Bezüglich der deutschen Neurose: Das ist auch ein völlig gelungenes klinisches Experiment der Westalliierten. Diese deutsche „Fragebogenmentalität“, diese pathogene Gesinnung der Selbstverleugnung und Selbstentzweiung wurde schon vor vielen Jahren von manchen deutschen Autoren geschildert, wie z. B. Caspar von Schrenck-Notzing, oder Franz W. Seidler. Zudem spielt bei den europäischen und besonders bei den selbsthassenden deutschen Linksintellektuellen die neue politische Romantik eine wichtige Rolle. Es handelt sich hier um eine postkommunistische, modische Mimikry, die der Linken als Ersatz für ihre verlorenen und fehlgeschlagenen kommunistischen Götzen dient. Da es altmodisch und schädlich sein kann, sich heute Kommunist (z. B. Leninist, Trotzkist, Castroist, Maoist, Titoist usw.) zu nennen, wählen sie stattdessen den grammatischen Unsinn mit dem negativen Präfix „Anti“. Der Terminus „ Antifa“ ist ein Ehrenzeichen für sie geworden. Es ist für einen Systemakademiker, Systempolitiker oder einen Systemjournalisten der BRD rentabler sich als Antifa zu beschreiben, statt sich als Altkommunist zu bezeichnen.

Frage: Sie selbst kritisieren allerdings in Ihrem Aufsatz „Europäische Identität in der Postmoderne“, der auf Seite 20 dieser DS-Ausgabe zu finden ist, die Viktimologie und den Opferkult, der zur Definition der eigenen Identität oftmals bemüht wird. Kritiker könnten nun einwerfen, auch beim Dresden-Gedenken werde ein solcher Opferkult gepflegt. Was sagen Sie dazu?

Sunic: Ob deutsche, ob französische, ob amerikanische Identität, überall im Westen, anders als teilweise in Osteuropa und Rußland, konstruieren die Systemleute ihre neue Identität aus ihren Schuldgefühlen gegenüber Nichteuropäern. Das ist der Hauptbestandteil der Multikulti-Ideologie. Über die Leiden der Deutschen nach dem Weltkrieg, über die soziobiologische Katastrophe, die die Kroaten im Sommer 1945 erlitten haben, hört man kein Wort. Weiße Amerikaner und Europäer müssen ständig durch Bußrituale ihre neue negative Identität vor der ganzen Welt behaupten. Die nichteuropäischen Opferlehren schließen die Opferlehren der Deutschen und anderer europäischer Völker aus, die die Opfer der Terrorbombardierung und des Kommunismus waren. Das ist eine pathogene selbstverneinende Identität, deren Zeit bald ablaufen wird. Die Systemakademiker und die Meinungsmacher in der BRD verstehen gar nicht, daß jede Opferlehre im Multikulti-System konfliktstiftend ist: jede Opferlehre beharrt auf ihrer eigenen Einzigartigkeit und gedeiht immer auf Kosten der anderen. Einen Asiaten aus Kambodscha, der in Kalifornien lebt, stört es, wenn man ihm pausenlos etwas über den Leidensweg der Afro-Amerikaner erzählt. Ein Vietnamese aus dem 12. Arrondissement in Paris will auch seine Opferlehre zur Schau stellen. Hier liegt die Schwäche des Multikulti-Systems – letztendlich führt es zur Balkanisierung, zum Bürgerkrieg und dem Zusammenbruch des Systems. Das Schulbeispiel ist der Zusammenbruch des ehemaligen Kunststaates Jugoslawien, wo verschiedene Völkerschaften gegensätzliche Opferlehren gepflegt hatten. Die Folge war nicht gegenseitiges Verständnis, sondern gegenseitiger Haß. Die politische Klasse in der BRD vergißt, daß man langfristig verschiedene Völkerschaften mit gegensätzlichen Opferlehren und Nationalmythen nicht einander anpassen kann. In baldigen Bürgerkriegen in der BRD und der EU werden die weißen Europäer keineswegs die Hauptrolle gegen die Nichteuropäer spielen, sondern die verschiedenen Nichteuropäer werden sich untereinander bekämpfen. Rassismus ist nicht nur ein Merkmal der Europäer.

Frage: In letzter Zeit sind sie oft zu Gast gewesen in Deutschland, ob im Juni 2012 als Referent beim Bildungswerk für Heimat und Identität e. V., im November 2012 als gefeierter Redner beim JN-Bundeskongreß oder nun beim Trauermarsch des „Aktionsbündnisses gegen das Vergessen“. Man könnte meinen, Sie hätten eine besondere Affinität zu Deutschland und den nationalen Kreisen hier im Land.

Sunic: Zunächst einmal: Das Wort „Affinität“ paßt hier nicht. Deutsch zu sein, ist kein Hobby. Ich bin kein Berufskroate und auch kein Berufsdeutscher. Ich bin Deutscher im metaphysischen Sinne. Es gibt zahllose Deutsche in der heutigen BRD, die undeutsch denken und die am liebsten ihr Deutschtum loswerden wollen. Aus geistiger Sicht betrachtet ist Deutschsein oder nicht Deutschsein eine Frage von Leben und Tod für den ganzen europäischen Kulturraum. Unter anderen historischen Umständen hätte ich eine gute Professorenkarriere in Dresden, Königsberg oder Danzig gemacht. Die Schicksalsschläge haben aus mir einen amerikanischen Staatsbürger gemacht. Deutscher Geist ist nicht eine Frage der Wahl, wie jene zwischen Pepsi oder Cola oder VW und Ford, sondern die Frage der Selbsterkenntnis seines eigenen Schicksals. Nur ein Beispiel: Wenn ich Gottfried Benn oder Schopenhauer lese, kann ich oft meinen Augen nicht trauen. Es kommt mir oft vor, als ob diese Denker meine eigenen Gedankengänge gestohlen hätten. Das gehört mir! Diese und andere deutsche Denker und Dichter begegneten mir nicht zufällig – unsere Zusammenkunft mußte irgendwo seit Jahrtausenden in den Sternen liegen. Dazu gehört auch ein anderer neuzeitlicher Aspekt. Seit Karl dem Großen war das kroatische Volk mit dem Deutschtum verbunden, danach war Kroatien jahrhundertlang ein Teil des Habsburger Hauses. Die Kroaten kämpften im Dreißigjährigen Krieg, später im Siebenjährigen Krieg in Schlesien. Ganz zu schweigen von der gemeinsamen Waffenbruderschaft im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Ich kann nicht ausschließen, dass auch meine Gene irgendwo in Ostpreußen herumziehen.

Frage: In Den Haag wurden kürzlich die kroatischen Generäle Ante Gotovina und Mladen Markac freigesprochen, denen Kriegsverbrechen im Jugoslawien-Krieg vorgeworfen wurden. Auf den Straßen Ihrer Heimat Kroatien wurde das Urteil von den Menschen gefeiert. Viele Kommentatoren sahen dies als Ausdruck eines ungebrochenen Nationalismus. Wie bewerten Sie die Sache?

Sunic: Es ist schon merkwürdig, daß das Haager Tribunal Ante Gotovina und Mladen Markac überhaupt freigesprochen hat, besonders im Hinblick auf den letztjährigen ersten Rechtsspruch, der eine Haftstrafe von 24 bzw.18 Jahren für die beiden vorsah. Was hinter dem jetzigen Freispruch steht, weiß ich nicht. Aber der kroatische Nationalheld Gotovina ist auch französischer Staatsbürger; das militärische Hauptquartier in Kroatien hatte im Sommer 1995 vor dem Großen Feldzug „Oluja“ („Sturm“) manche Kontakte zu verschiedenen westlichen Agenturen. Über die Motive der letzten Gerichtsentscheidung läßt sich jetzt bis zu zum Jüngsten Tag spekulieren. Es ist jedoch Tatsache, daß die Kroaten ein größeres Nationalbewußtsein haben als die Deutschen mit ihrem Nationalmasochismus. Aber größtenteils ist der kroatische Nationalismus reaktiver, kleinstämmiger Natur, der insoweit besteht, als er sich als Anti-Serbentum behauptet. Das ist schlimm, das führt nicht zu echter Versöhnung mit den Serben. Diesen verspäteten Klein-Nationalismus des 19. Jahrhunderts müssen wir abwerfen, ob es um die Deutschen gegenüber den Polen, die Ungarn gegenüber den Rumänen, oder ob es um Wallonen gegenüber Flamen geht. Immer wieder sollten wir uns fragen: „ Wem nützen zwischeneuropäische Zwiste und Kriege?“ Eine Wiederbelebung der Reichsidee ist unsere einzige Chance.

Frage: Kroatien strebt nach wie vor einen Beitritt zur EU an, die sich immer mehr zu einem europäischen Bundesstaat entwickelt und nationale Souveränitätsrechte ihrer Mitgliedsstaaten an sich reißt. Der Verteidigungsminister der Schweiz, Ueli Maurer, ein SVP-Mann, meinte kürzlich, nur Verrückte würden der EU noch beitreten wollen, und der scheidende Präsident der Tschechischen Republik, Vaclav Klaus, hätte sein Land am liebsten schon längst aus der EU herausgeholt. Warum wollen die Kroaten, die sich ihre nationale Souveränität vor einigen Jahren hart erkämpften, unbedingt in die Europäische Union?

Sunic: Eine Korrektur bitte. Während des jüngsten Volksentscheides über den EU-Beitritt in Kroatien gingen ca. 40 Prozent der Staatsbürger Kroatiens zu den Urnen und ca. 60 Prozent davon stimmten für den EU-Beitritt. Das sagt doch schon alles! Der heutige Parlamentarismus, wie uns schon der Staatsrechtler Carl Schmitt belehrte, ist das perfekte Mittel, um die Bürger auf elegante Weise auszutricksen. Eigentlich kann ich Ihnen die Frage stellen, ob es einen Volksentscheid in der BRD gab im Jahre 1992, vor der Unterzeichnung des Maastricht-Vertrages, oder 1999 zur Frage der Einführung des Euro? Im Grunde steht Kroatien auch unter dem Druck der EU, die dringend einen psychologischen Ersatz nach ihrem fehlgeschlagen Randexperiment mit Griechenland sucht.

Frage: Abschließend eine Frage zu Ihren serbischen Nachbarn. Dort amtiert seit Juni 2012 mit Tomislav Nikolic ein nationalistischer Politiker, der, glaubt man den Veröffentlichungen, ein Großserbien anstrebt und den Kroaten extrem feindlich gesonnen ist. Wie bewerten Sie den Wahlsieg Nikolics – und wie wird sich Ihrer Meinung nach das kroatisch-serbische Verhältnis nun entwickeln?

Sunic: Eigentlich kommt mir das serbische Staatsoberhaupt Tomislav Nikolic relativ sympathisch vor. Zumindest hat er keine altkommunistischen und titoistischen Wurzeln in seinem Stammbaum. Im Grunde sehe ich kein Problem mit serbischen Nationalisten, solange wir unsere historische Narrative in einem echten und objektiven Rahmen aufstellen. Das ist noch nicht der Fall, da die ehemaligen Kommunisten und ihre selbsternannten liberalen Sprößlinge im heutigen Kroatien und Serbien das große Wort führen. Der Hauptfeind Serbiens und Kroatiens sind das Jugoslawentum und die Ex-Kommunisten. Es ist falsch zu behaupten, die Serben und Kroaten würden sich seit jeher hassen. Ihr gegenseitiger Haß begann erst mit der Entstehung des Zwangsstaates Jugoslawien im Jahre 1919 und dann nochmals nach der Wiedergeburt des zweiten Jugoslawien 1945. Jugoslawien wurde von den westlichen Mächten am Leben gehalten, zuerst von den Versailles-Architekten und dann, von 1948 bis 1990, von den Potsdam-Weltverberbesserern. Die kommunistischen jugoslawischen Hofhistoriker hatten von 1945 bis 1990 den Mythos von den bösen Nazi-Kroaten, die hunderttausende Serben ermordet hätten, am Leben gehalten. Daran hat sich bis heute nicht viel in der serbischen Historiographie geändert. Das ist gefährlich. Deswegen brauchen beide Staaten dringend eine radikale Entkommunifizierung, nicht nur in politischen und zeitgeschichtlichen Bereichen, sondern auch eine volle geistige Entkommunifizierung sowie die Wiederbelebung der europäischen Reichsidee. Das Drama zwischen Serben und Kroaten kann nur im großeuropäischen Rahmen gelöst werden, was unbedingt auch die komplette geistige und historistische Souveränität Deutschlands voraussetzt. Der Hauptfeind des kroatischen, serbischen, deutschen, polnischen und aller anderen europäischen Völker liegt nicht im ersten europäischen Nachbarn, sondern im Liberalismus und seinen zersetzenden multikulturellen Ablegern.

Herr Dr. Sunic, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Das Interview führte DS-Redakteur Thorsten Thomsen.

Zur Person: Dr. Tomislav Sunic, 1953 in Zagreb geboren, ist kroatischer und US-amerikanischer Staatsbürger. Sein Vater, der katholische Rechtsanwalt Mirko Sunic (1915 – 2008) wurde im kommunistischen Jugoslawien verfolgt und zwischen 1984 und 1988 inhaftiert. Dr. Sunic studierte Philologie und Literaturwissenschaft an der Universität Zagreb, arbeitete später als Übersetzer in Algerien und ging Anfang der 1980er Jahre in die USA, wo er Politologie studierte und an der University of California sein Doktorat machte. Er war als Professor für Politikwissenschaft tätig. Von 1993 bis 2001 gehörte er dem diplomatischen Dienst Kroatiens an. Heute lebt Dr. Sunic wieder in Zagreb, ist als Buchautor, Publizist und weltweit als Vortragsredner tätig. Er gehört in den USA dem Vorstand der „American Third Position Party“ (bzw. „The American Freedom Party“) an. Die Netzseite von Dr. Sunic ist unter www.tomsunic.com abrufbar.

DIE AULA (November 2012), Kroatiens Schutzheilige; Das Haus Habsburg und der neue Reichsgedanke

Dr. T. Sunic (www.tomsunic.com) ist Schriftsteller und ehemaliger US Professor für Politikwissenschaft, sowie Vorstandsmitglied der A3P, USA. Dieser Aufsatz ist die Kurzfassung des Vortrags, den der Verfasser für die Herren des St. Georgs- Ordens unter Schirmherrschaft Kar von Habsburg in Varaždin, Kroatien, am 29.9. 2012 hielt. Das Wort „Reich“ oder „Reichsgedanke“ ist heute ein Schimpfwort geworden. Nach der neuen politisch-korrekten Sprachregelung lösen diese Worte bei den BRD- oder Österreich-Politikern ein ungutes Gefühl aus. Wenn man das weiter denkend zugespitzt ausformulieren wollte, können wir auch die deutsche Sprache als zu dem Abfall zählend entsorgen. Das Wort Reich erinnert viele Leute, besonders in Amerika, aber auch in England an etwas unheilvolles, bedrohliches, an einen sprichwörtlichen Hitler -- und an das Dritte Reich. Aber die Reichsidee hat eine tausendjährige Geschichte und diesem Worte begegnete man auch in der Weimarer Republik und in der Nachkriegs-BRD. Eigentlich könnte man sagen, dass die EU auch manche Züge des Heiligen Deutschen Reiches trägt, oder zumindest hätte tragen sollen.

Aber die Reichsidee ist auch eine Frage der Identität. Diese Idee war lange Zeit gleichwohl auch – im Übertragenen Sinne – ein Schutzheiliger der Mitteleuropäer. Dennoch sind die Wörter „Identität“ oder „Reichsidee“ nicht sehr angemessen für tiefere gesellschaftliche Analysen, da diese Worte mehrdeutig sind und auch falsche Bedeutungen einschließen können.

Im Mitteleuropa von gestern, während der Donaumonarchie im Heiligen Deutschen Reich hatte jede Stadt, jedes Dorf, jeder Stand seinen jeweiligen Schutzheiligen der jeden Bauer, jeden Bürger, jeden Ritter mit Mut oder Macht versorgte. Die Schutzpatrone im heutigen Europa sind nicht mehr die Heiligen wie Sankt Georg, oder Sankt Michael oder Sankt Isidor, sondern vielmehr Fußballspieler, Filmemacher, Hollywoodstars -- oder die europäischen Zentralbankspekulanten. Das hat Oswald Spengler treffend schon vor einhundert Jahren vorausgesagt, nämlich dass die wurzellosen Bürger Europas immer eine „zweite Religiosität“ gebrauchen. Anstelle der alten Identitäten werden jetzt neue Schutzheilige bzw. “Götzen“ verehrt. Weiterhin schreibt Spengler: “Dem entspricht in der heutigen europäisch-amerikanischen Welt der okkultistische und theosophische Schwindel, die amerikanische Christian Science, der verlogene Salonbuddhismus, das religiöse Kunstgewerbe.. (..)“. Solchen „zweiten Religiositäten“ bzw. „Ersatzschutzheiligen“ begegnet man heute überall in Europa. Unsere neuen Schutzheiligen sind die Abbildung einer Gesinnung die aus Amerika stammt, und die sich in einem besonderen politischen Moralismus und der Schönrederei manifestiert. Die amerikanische politische Klasse und ihre eifrigen Nachahmer in der EU stellen sich heute als neue Schutzheiligen einer neuen Art von Weltverbesserung vor.

Reichsidee als Chance. Die Belebung der Reichsidee kann das beste Mittel für europäische Völker heute sein. Sie kann ein gutes Mittel gegen wurzellosen Globalismus und gegen Chauvinismus sein. In Osteuropa ist die interethnische Lage weiterhin gespannt. Hier sind manche Beispiele. Die nationale Identität eines polnischen Nationalisten, der sonst über alle Themen mit seinem Kollegen aus Deutschland übereinstimmen kann, wie z.B. ihre gemeinsame Globalismus-Kritik oder ihr Antikommunismus, oder Antikapitalismus, ist oft gerade in seinem Antideutschtum verankert. Ein Drittel der Ungaren, bzw. mehr als 2 Millionen Menschen, leben in der Slowakei, Serbien und Rumänien und ihre nationale Identität wird oft durch ihre Ablehnung der Nachbarvölker behauptet. Trotz eines Scheinfriedens zwischen Serben und Kroaten haben diese benachbarten und ähnlichen Völker zwei völlig verschiedene historische Erzählungen und zwei völlig gegenseitig feindliche Opferlehren. Kurz gesagt, die Serben und Kroaten weisen trotz ihrer erstaunlichen Ähnlichkeit zwei sich radikal und gegenseitig ausschließende Identitäten auf. Für einen kroatischen Nationalisten ist es schwer, „ein guter Kroate“ zu werden, ohne sich zuerst als „guter Anti-Serbe“ zu beschreiben.

Nach dem Zerfall des Hauses Habsburg kam die Reichsidee in 1918 zu ihrem Ende. Aber das Zeitalter des ewigen Friedens trat nicht ein. Ganz im Gegenteil. Der Zeitverlauf des 20.ten Jahrhunderts, dieses Mal auch ohne Habsburger, geriet gleich in den fünften Gang. 1945 war eine biologische Katastrophe für das kroatische Volk aber auch für unzählige deutschstämmige Bürger Kroatiens, die diese Gebiete während des Kaisers Leopold und der Kaiserin Maria Theresa besiedelt hatten. Eine zeitlose aber nutzlose Konjunktivfrage: Was wäre geschehen, wäre die Donaumonarchie nicht zusammengefallen? Was würde Prinz Eugen zur heutigen Lage in Wien sagen?

Der Sankt Georgs -Orden hatte im 14. Jahrhundert das Erbe der Kreuzritter gegen die Andersgläubigen, die damals nach Mitteleuropa hineinrasten, übernommen - nicht um die Menschenrechte oder die Integration zu predigen, sondern um ihre eigenen Werte, ihre eigene Religion den Europäern aufzuerlegen. Damals waren die Sankt Georgs- Ritter nicht die Menschenverbesserer die eine Multikulti-Vielfalt predigten, vielmehr mussten sie sich gegen die herrschende Türkengefahr wehren. Hätte der Orden des Heiligen Sankt Georg den Pazifismus gepredigt, würde Varaždin heute ganz anders aussehen. Im jenem Ernstfall bedeutete „Leben heißt töten“ -- wie der deutsche Schriftsteller Ernst Jünger einst schrieb, oder noch treffender formuliert, „ein freier Mann ist ein Kämpfer“, wie Nietzsche einst schrieb, und auch wie die kroatischen Freiwilligen vor 20 Jahren während der Verteidigung in ihrem Unabhängigkeitskrieg gezeigt haben.

Reich ungleich Empire. Die Idee des Reiches hat nichts gemeinsam mit dem Begriff des Imperiums, dem wir in der Geschichte Frankreichs und Englands begegnen. Und deswegen ist das Wort Reich unübersetzbar und seine politische Anwendung sollte nicht mit dem englischen, bzw. französischem Worte „Empire“ verwechselt werden. Zentralismus hatte immer eine große Rolle in der Entstehung des französischen Empires gespielt – und später in der Geburt des modernen Nationalismus. Das war nie der Fall im Habsburgerreich, wo die vielvölkischen, übernationalen und föderativen Strömungen jahrhundertlang das leitende Prinzip der Regierenden waren.

Die Reichsidee schließt den rabiaten Nationalismus aus und findet im Gegensatz dazu sein Hauptziel nur in der Vielfältigkeit seiner Reichsvölker begründet. Im Rückblick sehen wir das katastrophale Erbe der Nationalstaaten, die uns in den letzten einhundert Jahren verheerende Bürgerkriege, falsche Nationalmythen, ständige territoriale Auseinandersetzungen, Landräuberei und Kleinstaaterei hinterlassen haben. In einer idealen jedoch möglichen europäischen Zukunft, sollte die Wiederherstellung des europäischen Reiches in Mitteleuropa unsere einzige Lösung sein. Damit würden die verfeindeten europäischen Völker, wie etwa Serben und Kroaten, Ungarn und Rumänen, Slowaken und Tschechen, oder Polen und Deutsche ihre nationale und territoriale Souveränität behalten, ihre einzigartige Identität weitererhalten, und ihre geistigen Ansprüche am besten verwirklichen.

Aber jede erneute Reichsidee setzt bedingungslos eine neue Wertehierarchie voraus, die ganz im Gegensatz zu der heutigen liberalistischen Wertegemeinschaft steht. Im heutigen egalitären, ökonomistischen System, wo das Geld regiert, und wo die Gleichmacherei der Individuen und Kulturen die leitende Rolle spielt, kann die Reichsidee nicht funktionieren. Reich bedeutet nicht nur einen geopolitischen Großraum, sondern vielmehr eine geistige und transzendentale Pflicht für ihre Bürger.

Otto von Habsburg war ein großer Befürworter der Reichsidee, aber auch der EU – sehr wohl war er dennoch, auch ein scharfer Kritiker der EU. Von ihm sollten heute viele Eurokraten etwas lernen. Kurz vor seinem Tode hat sich der Kronprinz Otto von Habsburg mehrere Male kritisch gegenüber den Eurokraten geäußert. In einem Interview in der Bild-Zeitung vom 27.Juni, 2007 sagte er: „Nehmen Sie unsere Bürokratensprache. Das ist eine eigene Sprache, die kein Mensch versteht. Kein normaler Mensch versteht einen Brief von einer (EU) Behörde. Von Kaiserin Maria Theresa gibt es den schönen Satz: `Ein Gesetz ist erst dann gültig, wenn selbst der letzte Schweinehirte in Galizien es verstehen kann.’ “

An Stelle Galiziens kann man heute das Wort „Kroatien“ einsetzen. Es ist auch gar kein Zufall, dass gegenwärtig halbherzige, kroatische Diplomaten kein Wort Deutsch sprechen, sondern sich mit ihren österreichischen oder ungarischen Homologen auf gebrochenem Englisch unterhalten sollen. Das ist ein langer Weg von der diplomatischen Akademie, von Maria Theresa gegründet, ganz zu schweigen von den mehrsprachigen Kaisern und Feldherren wie Karl V, Prinz Eugen, oder Otto von Habsburg. Diese Leute waren echte Europäer im Gegensatz zu jetzigen Brüsselern oder Agramer Bürokraten.

Was heißt die Reichsidee für das kroatische Volk heute? Gar nichts. Viele haben gar keine Ahnung davon. Um von den Euro-Kommissaren gute Zeugnisse für ihr politisch korrektes Benehmen zu bekommen, bemühen sich die aktuellen kroatischen Politiker den öffentlichen Diskurs auf Linie zu halten. Die benutzen leere Worte, wie „Globalismus“, „Multikulturalismus“, „EU-atlantische Integration“, ,‚Transparenz“ oder „Freie Marktwirtschaftsdemokratie“ -- ohne zu wissen was diese Worte bedeuten. Die meisten kroatischen Politiker heute sind sowieso vom Kommunismus kontaminiert. Kurz vor dem Zerfall Jugoslawiens redeten sie über die Ewigkeit des Titoismus. Jetzt dozieren sie über die ewige EU und von der liberalen Demokratie. Eine neue Form der Mimikry, eine neue Form des Gesinnungsterrors ist entstanden, sehr ähnlich der Mimikry im Ex –Jugoslawien, nur mit andern Worten.

EU ähnelt Jugoslawien. Auch die EU-Kommissare haben gute Kumpane in den kroatischen Post-Kommunisten gefunden. Sie waren aber schon echte Freunde während der Tito-Zeit, als Tito für viele westliche Meinungsmacher und Politiker als der große Suchuzpatron der Jugo-Völker galt. Die beiden Seiten heute, ob im Osten, ob im Westen, beharren auf der Erhaltung der EU, weil dieser überstaatliche Apparat sehr stark Ex-Jugoslawien ähnelt und vermeintlich am besten die gemeinsame „Unpolitik“ der EU, besonders im Bereich der Transferunion deckt. Ja die Deutschen und die Michels sollen immer wieder zahlen!

Der Zusammenbruch Jugoslawiens, und der Krieg auf dem Balkan, und der Extremnationalismus ebenso waren eine logische Folge des Mangels an der Reichsidee. Die Fehlgeburt, das sogenannte Jugoslawien, wurde 50 Jahre hindurch finanziell vom liberalen Westen und vom kommunistischen Terror abgeschirmt und abgesichert. Ähnlich wie ihre Vorgänger haben die heutigen kroatischen Eliten einen soliden Pedigree aus kommunistischen Systemzeiten. Trotz ihrer ultra-liberalen Phraseologie können sie heute kaum ihre kommunistische Gesinnung verbergen. Ihre volkslose Morphologie, obgleich in verschiedenen Modifikationen jetzt eingepackt, kann man täglich in Kroatien beobachten.

Das Reich damals und ganz besonders seine grenzgängigen Randvölker wie Kroaten, waren vom 15. bis zum 19.Jahrhundert nicht gerade ein Spaßplatz, wo man nackt an einen kroatischen Strand gehen konnte und sich 24 Stunden am Tag zu Tode soff. Der ganze Großraum von Kärnten bis nach Mazedonien war ein Schreckensplatz, dort wo man militärisch sein Lebenstalent ausüben musste. Mit den Worten „Renner und Brenner“ bezeichneten damals die Reichsbürger Kärntens die Türkenhorden, die es fast bis zu den Alpen und fast bis Venedig schafften. Übrigens wäre es eine gute Idee die heutigen deutschen Diplomaten in Zagreb als Schutzpatrone zum Ausgraben der deutsch-österreichischen Landser zu engagieren. Jene wurden von den Jugo-Kommunisten im Sommer 1945 ermordet und ihre Knochen liegen noch immer hinter dem Hotel „Imperijal“ der Stadt Rab, auf der kroatischen Insel Rab.

Aber die Reichsidee in Mitteleuropa kann so lange nicht belebt werden, bis das ganze Europa sich geistig und psychologisch am kommunistischen und liberalistischen Erbe weiternährt. Trotz des Zusammenbruchs des Kommunismus im gesamten ost- und mitteleuropäischen Raum ist es noch immer unmöglich, einen ehemaligen jugoslawischen Kommissar vor Gericht zu bringen. Nicht ein einziger Altkommunist im heutigen Kroatien wurde wegen der Teilhabe an Verbrechen gegen das kroatische Volk zur Rechenschaft gezogen.

Im Zusammenschluss kann man sagen, dass die Reichsidee die beste Lösung für die verfeindeten europäischen Völker anbietet. Aber auch die beste Lösung zur Erhaltung unserer Identität. Die Reichsidee und die Sankt- Georgs-Ritter beriefen sich während ihrer Geschichte nicht auf chauvinistische oder multikulturelle, oder von Selbsthass getriebene Projekte, die heute inmitten der heutigen politischen Klasse Europas gängig sind.

Aus völkerrechtlicher Sicht hat Kroatien wenig mit seiner Selbstständigkeit erreicht. Das Land ist heute geistig krank, halb-souverän und man sollte sich 20 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung und 16 Jahre nach dem Kriege fragen, was die Kroaten mit ihrer Unabhängigkeit überhaupt erzwungen haben. Kroatiens Souveränität wird heute so oder so nicht in Belgrad, sondern in Brüssel und Washington ausgeübt.

Viele Parallelen gibt es zwischen Deutschland Österreich und Kroatien. Geographisch ist Kroatien wie auch Transsylvanien ein Land des Donau-Beckens, das völlig von dem mitteleuropäischen Geist durchgedrungen ist. Es ist vor allem die Reichsidee, die die Kroaten bis heute am Leben erhalten hat. In den Augen der Kroaten sind Österreich und Deutschland nicht nur die wichtigsten Länder Europas, sondern die Verkörperung Europas schlechthin. Ein kleines zwischeneuropäisches Volk, wie die Kroaten, oder Slowaken wird nie eine große Rolle in der Politik spielen. Alles was sich in Berlin oder in Wien abspielt, wird sich am folgenden Tage in Kroatien abspielen. Und das war immer so in der Geschichte Kroatiens.

Für Kroaten, Serben, Deutsche, Ungarn, Rumänen, Slowaken und andere Mitteleuropäer liegt indes der einzige Weg zur Souveränität im Verlassen des Provinznationalismus, so wie in der Abwerfung eines abstrakten Globalismus. Das Ziel aller Kroaten und aller Mitteleuropäer sollte vielmehr die gemeinsame Behauptung der Reichsidee sein.

DIE AULA(November 2012)

Entkommunifizierung Das undurchführbare Projekt in Kroatien http://www.neue-ordnung.at/ Neue Ordnung (Graz), IV/2012

Nach dem Ende des Kalten Krieges und der kommunistischen Gewaltherrschaft gab es ein weitverbreitetes Bedürfnis nach einer Entkommunifizierung des öffentlichen Lebens in großen Teilen der Bevölkerung Osteuropas. Bürger, die früher Opfer des Kommunismus in Osteuropa waren, verwenden das Wort ‚lustracija’ – eine lateinische Ableitung, die häufig falsch ins Englische als ‚lustration‘ [dt. Reinigung] übertragen wird, die allerdings nicht jene Konnotation einer politischen Säuberung hat wie in englischsprachigen Ländern. Im Kroatischen, Serbischen oder Tschechischen bezeichnet ‚lustracija’ den starken Wunsch und das Bedürfnis, die frühere kommunistische Obrigkeit – von deren Mitgliedern noch immer viele als öffentliche Angestellte, Diplomaten oder Korrespondenten aktiv sind – aus ihrer Position zu entfernen oder zur Rechenschaft zu ziehen.

Zur Kennzeichnung der gegenwärtigen juristischen und politischen Debatte in Osteuropa lautet der beste Begriff ‚dekomunizacija‘ (Entkommunifizierung), da er in spezifischer Weise das erlittene Unrecht der früheren Opfer des Kommunismus benennt, wobei er gleichzeitig auf die immer noch präsenten kommunistischen Kader und ihre Mitläufer fokussiert. Verstehen läßt sich das Konzept der „lustracija“ bzw. Entkommunifizierung in Kroatien sehr leicht. Die rechtliche Umsetzung ist jedoch beinahe unlösbar. Warum ist das so?

Der Wunsch vieler kroatischer Opfer des Kommunismus nach der Absetzung ex-kommunistischer Bürokraten basiert teilweise auf den abscheulichen Entdeckungen zahlloser Massengräber kroatischer und deutscher anti-kommunistischer Soldaten und Zivilisten, die 1945 und später von den siegreichen jugoslawischen Kommunisten ermordert worden waren.

Die Befürworter der Entkommunifizierung in Kroatien zitieren oft die Europaratsresolution 1481 vom 3. Februar 2006, in der frühere kommunistische Verbrechen scharf verurteilt werden. Diese Resolution ist jedoch rechtlich nicht bindend, und ihre Annahme war weit entfernt von einer generellen Übereinstimmung (99 Abgeordnete stimmten dafür, 42 dagegen).

Es gab eine Menge inoffizieller Kritik in Bezug auf den Wortlaut der Resolution, besonders in Rußland, wobei jedoch auch in Westeuropa insbesondere von vielen linkslastigen Politikern und Journalisten ebenso scharfe Kritik geübt wurde.

Die kroatische Identität: politische Schizophrenie

Die kleinen Nationen, die nach dem Ende des Kommunismus auf der Landkarte erschienen, fällt es schwer, sich ihrer eigenen Identität bewußt und sicher zu sein. Eine von diesen Nationen ist Kroatien. Noch vor jedem etwaigen Beitritt zu einer supranationalen Gemeinschaft, sowie zur stark herbeigesehnten EU oder NATO, ist es notwendig, daß das offizielle Kroatien seine Identität findet. Sollte es diese im Rahmen antifaschistischer oder antikommunistischer Grundsätze begründen?

In Kroatien deutet die gegenwärtige politische Debatte auf ein schizophrenes Land. Einerseits zementiert die kroatische Verfassung die antifaschistische Hinterlassenschaft des Landes – während gleichzeitig jede Erwähnung des antikommunistischen Erbes peinlich vermieden wird. Andererseits haben Kroatien und seine Politiker über die ganze Zeit seit der Wiedergeburt des Landes im Jahre 1990 lautstark die antikommunistischen Insignien und Abzeichen präsentiert und sogar Sprachfiguren verwendet, die dem Diskurs des früheren antikommunistischen, profaschistischen und pronazistischen Kroatien aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges ähneln (Währung, Medaillen, einige archaische Ausdrücke usw.).

Sollte sich Kroatien dafür entscheiden, antikommunistische Klauseln in die Verfassung aufzunehmen, wie es viele Bürger nunmehr öffentlich befürworten, so wäre die gesamte politische Klasse Kroatiens mit internationaler Isolierung konfrontiert. Im heutigen neoliberalen, globalen System ist es äußerst erwünscht sich „antifaschistisch“ zu nennen, nicht aber „antikommunistisch“.

Es ist offensichtlich, daß die beharrlichsten Unterstützer des Antikommunismus in ganz Europa die Faschisten und profaschistischen Intellektuellen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren. Trotz ihres hastig angenommenen neo-liberalen Standpunktes und ihrer proisraelischen und proamerikanischen Reden stehen die kroatischen Politiker unter genauer Beobachtung der EU und den wachsamen Augen diverser jüdischer Gruppierungen mit Basis in Amerika und Israel. Diese Gruppierungen werden es nie müde, die kroatische, herrschende Klasse davor zu warnen, in einen „rechten Nationalismus“ abzugleiten.

Das veranschaulicht die bemerkenswerte Tatsache – die häufig erwähnt wird – daß in den Augen der Eliten, welche die westliche Politik beherrschen, ein ethnischer Nationalismus zwar für Juden und viele weitere Menschengruppen legitim ist, nicht jedoch für Europäer.

Aus deren Sichtweise kommt sogar ein Ans-Licht-Bringen der Abscheulichkeiten des Kommunismus einer Verteidigung von Kroatiens faschistischer Vergangenheit nahe. Deshalb ist es nicht überraschend, daß die neue kroatische politische Klasse in diesen Fragen versucht, metaphorisch gesprochen päpstlicher zu sein als der Papst. Jedoch erschweren solche Einstellungen die Entkommunifizierung und führen lediglich zur weiteren Verharmlosung der von jugoslawischen Kommunisten verübten Verbrechen.

Eine ähnliche Geisteshaltung herrscht auch in Deutschland vor, wenngleich in weit massiverem und subtilerem Sinne. Weil der Nationalsozialismus zum ultimativen Symbol des Bösen wurde, glaubt sich Deutschland gezwungen, permanent seine demokratische Glaubwürdigkeit beweisen zu müssen, indem es alle etwaigen Zeichen eines Wiederauflebens des Faschismus attackiert.

Auf der heutigen internationalen Bühne wird zu den Verbrechen des Kommunismus wenig gesagt. Während des zweiten Weltkrieges waren die kommunistischen Partisanen in Osteuropa Hauptverbündete der Westalliierten im Krieg gegen den Nationalsozialismus und Faschismus. Beim postmodernen viktimologischen Geschacher verschiedener Ethnizitäten und Rassen würde allerdings jedwede Erwähnung kommunistischer Massenverbrechen in Osteuropa rein quantitativ die diesbezüglich führende der jüdischen Opfer Rolle in den Schatten stellen. Zudem würde es den quasi-religiösen Kult um das Wort „Antifaschismus“ zweifelhaft werden lassen. Das gilt besonders für Kroatien mit seinen starken Verbindungen zu Deutschland während des Zweiten Weltkrieges.

Darüber hinaus würde eine kritische Untersuchung des Kommunismus auch die überproportionale Anzahl jüdischer Intellektueller ans Licht bringen, die eine bedeutende Rolle bei der geistigen Legitimierung des Kommunismus spielten (siehe Johannes Rogalla von Bieberstein, „Jüdischer Bolschewismus.“ Mythos und Realität, 2003).

Politik: Die Kunst des Zufalls

Die antifaschistischen Säuberungen bzw. „Lustrationen“ haben nicht unter den siegreichen Sowjets begonnen, sondern wurden von den westlichen Alliierten noch vor dem offiziellen Ende des zweiten Weltkrieges in die Wege geleitet. Im Spätsommer 1944 fing die amerikanische provisorische Militärregierung in Frankreich an, unterstützt von der französischen kommunistischen résistance, drakonische Gesetze zu diktieren gegen Schriftsteller, Journalisten, Professoren und in der Öffentlichkeit bekannte Intellektuelle, die der Kollaboration mit dem besiegten pro-faschistischen Regime von Pétain-Laval verdächtigt wurden.

Ein Jahr später waren die ersten, die in Deutschland ins Fadenkreuz der amerikanischen Militärregierung gerieten – noch vor den Prozessen der nationalsozialistischen Würdenträger beim Nürnberger Tribunal – die Lehrer, Journalisten und Professoren, die verpflichtet waren, spezielle Fragebögen auszufüllen. Millionen von Menschen, insbesondere hochgebildete Deutsche, verloren ihren Arbeitsplatz – nur um zu Beginn des Kalten Krieges im Jahre 1948 schleunigst wieder eingesetzt zu werden (siehe Caspar von Schrenck-Notzing, Charakter-Wäsche, 1963).

Während des Kalten Krieges waren die Amerikaner intelligent genug, das Wannseeinstitut des SD anzuzapfen, ein auf höchster Ebene angesiedeltes Spionagebüro, das mit der SS verbunden war. Das Institut wurde von dem jungen Rechtsanwalt Major General Walter Schellenberg (1910-1952) geführt. Während des Zweiten Weltkrieges nutzte Schellenberg die Fähigkeiten vieler hochqualifizierter europäischer Akademiker, deren Aufgabe es war, die kommunistische Mentalität zu analysieren. In späterer Zeit, nach dem Kriege, waren viele sich mit Sowjetologie und Kremlforschung befassende US-basierte Denkfabriken weitgehend nach dem Muster der nationalsozialistischen, deutschen Einrichtung Wannseeinstitut SD strukturiert.

Ähnliche Methoden der Durchführung von „Fragebögen“ und „Untersuchungen“ über frühere pro-faschistische Verdächtigte wurden von den siegreichen kommunistischen Autoritäten in Jugoslawien gegen Ende von 1945 angewandt, und das auf sehr viel repressiverem Niveau. Es resultierte in Massenhinrichtungen kroatischer Spitzenakademiker und Intellektueller, die der Kollaboration mit den Nationalsozialisten verdächtigt wurden. (Siehe Zoran Kantolic, Review of Croatian History, 2005, # 1).

Heute jedoch ziehen die Vereinigten Staaten und die Europäische Union den Umgang mit kommunistischen Apparatschiks vor, die sich in „liberale Beamte“ verwandelt haben und nun von den baltischen Staaten bis hin zum Balkan – darunter Kroatien – führende Stellen besetzen. Den Politikern in Washington und Brüssel fällt es leichter, mit früheren jugoslawischen Kommunisten zu kooperieren, als mit unberechenbaren serbischen und kroatischen Nationalisten, die sprichwörtlich nicht gut aufeinander zu sprechen sind.

Hypothetisch betrachtet kann man sagen, daß Amerika – wäre der Kalte Krieg 1989 in einen heißen Krieg zwischen den USA und der UdSSR umgeschlagen – alle verfügbaren antikommunistischen und nationalistischen Kräfte ausgenutzt hätte, um den Kommunismus zu besiegen. Wäre dies geschehen, so hätte alle früheren kroatischen Kommunisten und ihre Meßdiener in den Medien, den Universitäten und der höheren Bildung ein ähnliches Schicksal ereilt, wie die Mitglieder der Baath- Partei Saddam Husseins im Irak 2002: sie hätten entweder ihren Kopf oder ihren Arbeitsplatz verloren.

So hätte es nur eines Zufalles der Geschichte bedurft, und es wären die rechtsorientierten Intellektuellen und Akademiker an der Macht gewesen.

Die Phänomenologie zufälligen Geschehens und des Zufallsfaktors in der Geschichte wurde vom ersten kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman in seinem Buch The Wasteland of Historical Reality (1989) beschrieben. Jedoch ist Tudjman aufgrund seiner revisionistischen Schriften in westlichen Regierungsstellen zur persona non grata geworden, und Kroatien ist in den Verdacht geraten, ein paläo-faschistisches und antisemitisches Land zu sein. In der Geschichtsbetrachtung wandelt sich ein Held oft zum Schurken.

Die Psychologie des Homo iugoslavensis

Es gibt heutzutage kaum einen kroatischen Nationalisten, der nicht wenigstens einen Cousin hat, der im Zweiten Weltkrieg mit den kommunistischen Partisanen kämpfte. Auf welche Weise sollte also der Prozeß der Entkommunifizierung initiiert werden, wenn das unausweichlich einen Effekt auf die Leben eben jener Menschen bedeutet, die mit diesem Prozeß der Entkommunifizierung beginnen müssten? Die Anzahl der Ex-Kommunisten in der sogenannten konservativen und nationalistischen Partei, der Christlich Demokratischen Partei (HDZ) oder der größten Regierungspartei, der sozialistischen SDP in Kroatien ist enorm.

Die in den höchsten Ämtern befindlichen Diplomaten in Kroatien sind ehemalige kommunistische Journalisten und Diplomaten. Auf den Gängen des kroatischen Außenministeriums kursiert der Spruch, daß „die moderne kroatische Diplomatie ein ideales Refugium für recycelte ehemalige kommunistische Journalisten, Spitzel und Verräter“ sei, oder-- um es poetischer auszudrücken--für „Auslandskorrespondenten“.

Heutzutage besteht trotz der scharfen antikommunistischen Rhetorik, die nirgendwo im Westen ihresgleichen hat, in Zagreb ein großer Teil der philosophischen Fakultät und auch der Politikwissenschaften (den Hauptzentren der öffentlichen Meinung) aus Männern und Frauen, deren Eltern eingefleischte Kommunisten waren. Auf welche Weise sollte dort aufgeräumt werden? Es ist recht leicht sie kenntlich zu machen, aber unmöglich hier eine ‚lustracija’ durchzuführen.

Ein beispielhafter Fall: Im Jahre 1984 wurden mein Vater, der frühere katholische Rechtsanwalt Mirko Sunic und meine Schwester, die Professorin Mirna Sunic, zu jeweils 4 Jahren bzw. 10 Monaten Gefängnis verurteilt, gemäß Artikel 133 der Strafgesetzgebung im kommunistischen Jugoslawien – einem Gesetz das „feindliche Propaganda“ unter Strafe stellte. Die Anklagen wurden von dem staatlichen kommunistischen Anwalt Ante Nobilo erhoben. Später wurde Mirko Sunic von Amnesty International und 15 amerikanischen Kongressabgeordneten als politischer Gefangener anerkannt und betreut. Zur gleichen Zeit erhielt ich, während ich in den Vereinigten Staaten lebte, dort politisches Asyl.

Gegenwärtig ist Nobilo ein angesehener Berater der neuen linksgerichteten kroatischen Regierung, ebenso wie Budimir Loncar, der zu der Zeit, wo mein Vater und meine Schwester eingesperrt wurden, Bundessekretär des Außenministeriums im kommunistischen Jugoslawien war. Nobilo und Loncar spielen häufig die Gastgeber für ausländische NGOs und sind verantwortlich für die Beurteilung von Kroatiens Menschenrechtsbericht und die Toleranz gegenüber nicht-europäischen Immigranten.

Ähnliche Fälle können zu Tausenden aufgezählt werden, wenn nicht gar Hunderttausenden, wenn man die Zeitspanne kommunistischen Terrors von 1945 bis 1990 in Betracht zieht (siehe Mirko Sunic, Moji inkriminirani zapisi, [__Meine inkriminierten Schriften], 1996).

Wenn man derselben Logik weiter folgen wollte, so sollte nicht vergessen werden, daß der antikommunistische und revisionistische Präsident, der frühere Franjo Tudjman höchstselbst die hohe Position eines kommunistischen Generals in Belgrad in den späten 1950ern innehatte – der Zeit der schlimmsten kommunistischen Unterdrückung. Wenn er nichts gewußt haben soll von den Massenmorden, die von den Kommunisten verübt wurden, von wem soll man es dann annehmen? Und wie soll man Tudjman dann beurteilen oder seine revisionistische Tätigkeit einschätzen?

Die Schuld „dem anderen“ zuzuschreiben ist ein typisches Merkmal totalitären Geistes. Es ist lebendig und agil im öffentlichen und geschäftlichen Leben im heutigen Kroatien, ebenso wie in der kroatischen Rechtsprechung. Das gleiche Muster tritt jedoch im gesamten post-kommunistischen Europa auf. Es gibt einen Ausdruck, der den Kommunismus in seiner gesamten Geschichte charakterisiert: „Nein, ich nicht! Der da ist schuldig! Der hat die Schuld! Nicht ich! Der da!“

Es wird oft vergessen, daß der Kommunismus nicht eine Abweichung von der Demokratie war, sondern die Demokratie zu ihrem Extrem gebracht – der „Terror aller gegen alle in allen Instanzen“ (terreur totale de tous contre tous à tous les instants (Claude Polin, L’Esprit totalitaire, 1977). Die jugoslawischen Kommunisten hatten ihre schlimmsten Feinde nicht in der katholischen Kirche oder den immer sprichwörtlichen kroatischen Nationalisten, sondern inmitten ihrer eigenen Reihen und Kader. Man beachte das ewige gegenseitige Abschlachten innerhalb der Linken anfangend beim Spanischen Bürgerkrieg bis hin zu den unablässigen stalinistischen Säuberungen in der Sowjetunion.

Wer orchestrierte den Kriege von 1991?

Es gibt eine ernsthafte These vorzubringen. Wurde der Krieg von 1991 im ehemaligen Jugoslawien von früheren kommunistischen Kadern Kroatiens und Serbiens orchestriert? Wurde er ausgelöst durch die Fehde zwischen regionalen kommunistischen Geheimdienst-Offizieren? Wie erklärt man die Tatsache, daß sowohl der nationalistische Kroate Franjo Tudjman als auch sein serbischer Gegenspieler Slobodan Milosevic von einer enormen Anzahl früherer kommunistischer Geheimdienst-Offiziere umgeben waren – ganz zu schweigen davon, daß sie beide überzeugte Mitglieder der jugoslawischen, kommunistischen Partei gewesen waren? Wie wäre die Entwicklung im kommunistischen Ex-Jugoslawien verlaufen, wenn sowohl in Serbien als auch in Kroatien hochgebildete nicht-kommunistische Exil-Politiker an der Spitze des jugoslawischen Staates gestanden hätten? Dies ist eine gute Frage für Historiker, Soziologen und Futurologen.

Den größten Fehler begingen die im Exil befindlichen stark nationalistischen und antikommunistischen Kroaten. Genaugenommen machten sie einen tödlichen Fehler. Ihre enorme finanzielle und militärischen Hilfe für Kroatien – im Werte von Milliarden von Dollars – hätte verknüpft sein müssen mit der Entfernung der alten kommunistischen kroatischen Kader und der geschlossenen Rückkehr der Exilkroaten in ihr altes Heimatland. Dies hätte eine günstige soziologische Balance ergeben und auf bedeutende Weise die heutigen Spannungen zwischen kommunistisch erzogenen Kroaten und nationalistischen Kroaten verringert.

Da jedoch diese kroatischen Nationalisten nicht zurückkehrten, scheint jedwede mögliche Entkommunifizierung – oder ‘lustracija’, wie die Kroaten sie nennen – moralisch und logistisch undurchführbar, weil sie große Verwerfungen in der Bevölkerung erforderlich machen und unweigerlich zum Bürgerkrieg führen würde. Dennoch kann dieses sehr gewalttätige Szenario nicht ganz ausgeschlossen werden.

Dieses ganze Phänomen der sogenannten Säuberungen oder „lustration“ ist in der Geschichte nichts Neues. Nach dem Sturz Napoleons hatte der französische König Ludwig XVIII in der Ära der Restauration seine früheren Gegenspieler kooptiert, indem er den meisten napoleonischen Offizieren immer noch einen reduzierten Sold (demi soldes) ausbezahlte, denn er wußte, daß er andererseits in Frankreich mit Chaos und Terrorismus hätte rechnen müssen. Auf ähnliche Art hat der spanische Diktator Francisco Franco seinen früheren Gegnern, den besiegten spanischen Republikanern, klugerweise kleine Pensionen ausgezahlt.

Und dennoch hat das Phänomen der geschichtlichen Zufälle und Launen seine eigenen kosmischen Gesetze, die der menschlichen Analyse unzugänglich bleiben. Der rumänisch-französische Essayist Emile Cioran hat geschrieben, daß man mehr Wahrheit und Gerechtigkeit finde in der Alchemie des Mittelalters oder den Eingeweiden römischer Wildgänse als in dem Geschwafel von Demokratie, Gerechtigkeit, Glück und Wohlstand.

Dr. Tomislav (Tom) Sunic ist US-kroatischer Schriftsteller, Übersetzer, Professor für Politwissenschaft und ehemaliger Diplomat. Er lebt zurzeit in Kroatien. www.tomsunic.com

Das undurchführbare Projekt in Kroatien

www.neue-ordnung.at

Dr. Tomislav Sunic: „Das Völkerrecht definiert immer der Sieger!” Der Schlesier, Nr. 42, Oktober 21, 2011-10-25

Der Schlesier” sprach mit dem kroatischen Publizisten und Politikwissenschaftler Dr. Tomislav Sunic

Frage: Herr Dr. Sunic, noch immer beschäftigen die Balkankriege der 90er Jahre und die damit in Zusammenhang gebrachten „Kriegsverbrechen” Öffentlichkeit und Justiz. Manchmal drängt sich dabei der Eindruck einer gewissen Einseitigkeit auf. Sehen wir das richtig?

Sunic: Nun, nach dem Ende der „heißen” Auseinandersetzungen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien 1995 begann ein internationales Gefecht wechselseitiger Strafanklagen in Den Haag. Auf der obersten Sprosse der Leiter an beschuldigten Kriegsverbrechern steht eine beträchtliche Zahl serbischer Volkszugehöriger, darunter auch eine Zahl Kroaten und – ganz unten – einige Bosniaken. Diese „Straftrigonometrie” spiegelt den internationalen Wunsch nach quantifizierbarer Wiedergutmachung für die Kriegsfolgen auf dem Balkan wider. Mit ihrem Legalitätsprinzip und ihrem hypermoralistischen Standpunkt umgehen die internationalen Rechtsbegründer aber die Frage nach den Ursachen des Krieges auf dem Balkan.

Frage: Wie dürfen wir das verstehen?

Sunic: Sehen Sie, die sogenannte internationale Gemeinschaft konnte - oder wollte – während der vier Jahre Krieg auf dem Balkan den Aggressor nicht deutlich benennen bzw. den Namen des Aggressors und des Opfers nach dem herkömmlichen Freund-Feind-Schema nach Carl Schmitt klar bezeichnen. Mit der langjährigen Angleichung – oder Anpassung – des Opfers an den Aggressor suchen die internationalen Rechtbegründer noch immer nach einem rechtmäßigen Alibi für ihre politische Ohnmacht, ganz zu schweigen von einem reinen Gewissen angesichts des Fehlens ihres eigenen politischen (Un)willens. Daraus folgt: Wenn aus einem modernen internationalen Recht heraus irgendein Krieg als Bürgerkrieg (bellum civile) definiert wird, dann sei es gerechtfertigt, Opfer und Aggressor nebeneinander auf die Anklagebank zu setzen. Hier ist ein Paradoxon zu erkennen, weil zahlreiche Beschlüsse der Vereinten Nationen aus den siebziger Jahren jeder Nation das Recht auf die Selbstbestimmung zuerkennen – und zwar „with all available means”, mit allen verfügbaren Mitteln.

Im Falle Kroatiens war es nach dem Plebiszit vom Mai 1991 ganz klar, dass sich 95 Prozent der kroatischen Bürger für eine Loslösung von Jugoslawien entschieden hatten. Was bedeutet überhaupt „Verbrechen gegen die Menschlichkeit” und „Kriegsverbrechen”? In welchem Masse können die Vereinten Nationen und die Europäische Union objektiv und unbeteiligt sein, einerlei ob in Kroatien oder heute in Libyen? Eine erhebliche Zahl hoher serbischer Amtsträger, die vom Haager Tribunal als „Kriegsverbrecher” geführt werden und wurden, war bis 1996 auf unzähligen multilateralen Treffen in Genf und New York völkerrechtskonform vertreten. Wenn man sie heute wegen begangener Kriegsverbrechen belastet, dann verloren logischerweise ihre einstigen Unterschriften mit derselben „internationalen Gemeinschaft” noch rückwirkend jede Legitimität…

Frage: Wo liegt Ihre grundsätzliche Kritik am „Völkerrecht”, so wie es derzeit gehandhabt wird?

Sunic: Wie uns der große deutsche Völkerrechtler Carl Schmitt lehrte, unterschieden die europäischen Staaten im klassischen europäischen Völkerrecht in der Zeit vom Wiener Kongress 1815 bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges strikt zwischen Zivilisten und Soldaten. Die gegnerische Seite wurde weder dämonisiert noch satanisiert, sondern immer juristisch als ,,gerechter Feind” (justus hostis) definiert. Der Begriff „Kriegsverbrecher” kam erst nach dem Ende des Ersten Weltkrieges auf. Den Anstoß dazu gaben amerikanische Juristen mit ihrer hypermoralistischen und alttestamentarischen Schwärmerei von der Heraufführung einer ahistorischen Welt. In welchem Masse jedem Zeitalter seine eigene Version der Wahrheit und seine eigene Lüge innewohnen, wird am internationalen Recht des Mittelalters deutlich. Im kanonischen Recht hatte über Jahrhunderte hinweg das Urteil über Piraten, Juden und Muslime Bestand, wonach es sich um ,,Abschaum des Menschengeschlechtes” (odium generis humani) handelte. Eine große Anzahl Christen bewegte sich über Jahrhunderte hinweg in dieser katholischen Rechtsakrobatik – und das fast bis zum Vatikanischen Konzil von 1966.

Aber auch das moderne Volkerrecht hat seine ungeschriebenen Klauseln vom „odium generis humani”, womit einige Politiker und Akademiker im Westen marginalisiert, ja dämonisiert werden sollen. Alle kritischen Äußerungen zur modernen Geschichtsschreibung, jede Kritik an der multikulturellen Gesellschaft führt beinahe zu einer neuen religiösen Ausgrenzung und Verfemung oder Achtung. Letztendlich stellt sich doch nicht die Frage, inwieweit ein Staat „gut” oder „schlecht” ist, sondern, wer das Völkerrecht definiert. Ist es ein Staat, der den Krieg gewinnt, oder einer, den ihn verloren hat? Sind Flucht und Vertreibung der 3,5 Millionen Sudetendeutschen im Jahre 1945 während der Schaffung des neuen Kunststaates Tschechoslowakei eine Art ethnische Säuberung – oder war es eine freiwillige Abreise der Deutschen aus dem Zuständigkeitsbereich einer fremden Jurisdiktion? Es gibt eine Fülle weiterer Beispiele für derlei juristische und historiographische Untiefen. Kommunistische Verbrechen, die sich gegen kroatische und deutsche Bürger im Mai 1945 und danach richteten, ebenso eine Reihe manipulierter Gerichtsprozesse im kommunistischen Jugoslawien waren Teil einer neuen Nachkriegs- Rache-Rechtsordnung. Dem Zusammenbruch des Kommunismus im gesamten ost-europäischen Raum zum Trotz ist es noch immer unmöglich, einen ehemaligen jugoslawischen Kommissar oder Apparatschik dafür vor Gericht zu bringen. Nicht ein einziger Altkommunist im heutigen Kroatien wurde wegen der Teilhabe an Verbrechen zur Rechenschaft gezogen.

Frage: Kann man die vielbeschworene „internationale Gemeinschaft” angesichts solcher Einseitigkeiten überhaupt ernstnehmen?

Sunic: Der angesehene amerikanische Politiker Senator Robert Taft sagte über das Nürnberger Tribunal im Jahr 1946, dass das Gericht einer Posse ähnle, da zwar über die Nazis Gericht gehalten werde, gleichzeitig aber im gesamten Gebiet von Osteuropa sich die Kommunisten der gleichen Methoden bedienten. Wenn heute von in Den Haag verdächtigten Kroaten die Rede ist, wäre es angebracht, einmal das Verteidigungsplädoyer des weltbekannten französischen Juristen Jacques Vergès zu lesen. Er war es, der 1987 in Lyon den ehemaligen Gestapo-Chef Klaus Barbie verteidigte. Vergès erklärte damals: Vergès erklärte damals: „Barbie ist nicht schuldig, weil es Verbrechen gegen die Menschheit seit Menschengedenken gibt.” Bei seiner Verteidigung Barbies griff Vergès die moderne liberale Rechtsidee an, die sich nicht allzu sehr vom Inquisitionsgericht unterscheide, da „Menschen aus der ehemaligen Wehrmacht und der SS zu unseren Hexen wurden”.

Frage: Welches Resümee Ziehen Sie als Kroate daraus?

Sunic: Nun, dass das internationale Gericht und die Weltverbesserer jahrzehntelang den Kerkerstaat Jugoslawien tolerierten, lag in geopolitischen Erwägungen begründet. Man soll doch nicht vergessen, dass einige hohe Politiker – gerade unter jenen, die unter den ersten waren, die Kroatien 1991 völkerrechtlich anerkannten, wie zum Beispiel der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl – sich zuvor ebenfalls unter den ersten befunden hatten – genau 11 Jahre zuvor, im Jahr 1980 die an der Beerdigung jenes Menschen teilnahmen, der jahrzehntelang Garant für ein „starkes und einheitliches” Jugoslawien war – nämlich des Diktators Josip Broz Tito. Das Völkerrecht ist nicht statisch, daher kann es auch nicht positivistisch sein. Es ändert sich stets entsprechend dem Zeitgeist und gemäß der Siegerrechtsordnung. Die Gräueltaten während des Balkankrieges sind nicht in der genetischen Natur der Serben, Kroaten oder Bosniaken begründet. Der Krieg auf dem Balkan war das unmittelbare Erzeugnis einer supranationalen kommunistischen Fehlgeburt, des sogenannten Jugoslawien, das 50 Jahre hindurch finanziell vom liberalen Westen abgeschirmt war. In einer fiktiven juristischen Einkreisung, analog etwa dem Szenario eines verlorenen Krieges, hätte eine hohe Zahl hochrangiger kroatischer Repräsentanten zum Tode verurteilt werden können. Genau wie im Jahre 1945 – nach dem verlorenen Krieg.

„Auctoritas – non Veritas facit legem”: „Macht schafft Recht, nicht Wahrheit.” Postmodernistisch bzw. philologisch auf Kroatisch gesprochen bedeutete dies – dass das größte Verbrechen, das ein Volk oder seine Regierung überhaupt begehen kann, ist: einen Krieg zu verlieren.

Herr Dr. Sunic, wir bedanken uns für dieses Gespräch und wünschen Ihnen alles Gute!

Das Gespräch mit Dr. Tomislav Sunic führte ,,Schlesier”- Redakteur Hartmut Meissner.

Dr. Tomislav Sunic wurde 1953 in Zagreb geboren. Prägend für seine Entwicklung war die Inhaftierung seines Vaters im kommunistischen Jugoslawien 1984-88. Sunic studierte Französisch, Englisch und Literaturgeschichte an der Zagreber Universität, arbeitete 1980 bis 1982 als Obersetzer in Algerien und übersiedelte dann in die USA, wo er seine Studien an der California State University, Santa Barbara, fortsetzte. 1988 Promotion im Fach Politikwissenschaft, seitdem Lehrtätigkeit an mehreren US-Hochschulen. Seit 1993 Verwendung auf mehreren Diplomatenposten im Ausland, u.a. in London, Kopenhagen und Brüssel; Lehrtätigkeit u.a. am Anglo- Amerikanischen Kolleg in Prag. Sunic ist außerdem Kulturberater der American Third Position Party und arbeitet heute als freier Publizist; zahlreiche Aufsätze in Zeitschriften des In- und Auslands. Sein jüngstes Buch „La Croatie; un pays par défaut?” erschien 2010 (Paris, Avatar).

Verfall und Glanz des Nationalismus Nationalismus - Identität - Europäertum Gyula Kurucz (Hrsg.) Edition q Verlags-GmbH, Berlin, 1994

Kein anderes politisches Phänomen vermag so kreativ und so destruktiv zu wirken wie der Nationalismus. Nationalismus kann Metapher sein für letzte Wahrheit und zugleich Allegorie für die Nostalgie des Todes. Kein exotisches Land, kein Gold, keine Frau kann solche Gefühlsausbrüche hervorrufen wie das geheiligte Vaterland, und, alle Freudianer mögen verzeihen, mehr Menschen sind für die Verteidigung ihres Vaterlands gestorben als für die Verteidigung der Ehre ihrer Frauen. Wenn wir davon ausgehen, dass politische Macht das stärkste Aphrodisiakum darstellt, so muss der Nationalismus die äußerste Erfüllung sein. Spricht man in angelsächsischen Ländern über Nationalismus, so wird dieser gewöhnlich reflektiert als Ausdruck uralter Stammesriten, als Gewalt und böse Politik, als etwas, das dem Fortschrittsgedanken zuwider läuft. Für einen amerikanischen Liberalen ist Nationalismus traditionell mit irrationalen Impulsen verknüpft, mit etwas Unkalkulierbarem, das zudem den hässlichen Zug aufweist, kaufmännische Denkungsart zu verderben. Ein Kaufmann liebt weder Grenzen noch nationale Symbole, seine Ehre sind seine Handelsgüter, seine Freunde sind die, die auf dem weltweiten Markt die besten Offerten unterbreiten. Es ist kein Zufall, dass der Kaufmann während des Zweiten Weltkriegs die Allianz mit dem Kommissar vorzog, ungeachtet dessen, dass die Grausamkeit des Kommissars oftmals die des Nationalisten in den Schatten stellte. Daniel Bell hat einmal geschrieben, amerikanische Liberale fänden es schwierig, ethnische Verblendung überhaupt zu verstehen, da die amerikanische Denkungsweise „räumlich und zeitlich nicht festgelegt" sei. In der Tat muss es einem insularen Geist absolut närrisch erscheinen, wenn er zwei Völker beobachtet, die sich um einen kleinen Bach oder einen winzigen Streifen Land streiten, wenn zudem kaum ökonomischer Vorteil im Spiel ist. Der Politiker in Amerika ist, im Gegensatz zu seinen europäischen Kollegen, für gewöhnlich zunächst Grundstücksmakler, und seine Haltung zur Politik gleicht der zu einer Transaktion.

Ohne Zweifel betrachtet der heutige Amerikaner „on the road", in den Fußstapfen von Jack Kerouac oder Dos Passos, jene ethnische Ausschließlichkeit als etwas Ängstigendes, die heute Osteuropa vom Balkan bis zum Baltikum erschüttert. Die Mystik des territorialen Imperativs, mit ihrem unvorhersehbaren ethnischen „Kessel", muss für die Denkungsweise des „Schmelztiegels" eine grobe Beleidigung darstellen.

Entgegen der weitverbreiteten Auffassung ist Nationalismus keine Ideologie, da ihm die programmatische Dimension fehlt und er sich jeder Kategorisierung entzieht. Bestenfalls kann Nationalismus beschrieben werden als eine Art erdverbundenen Verhaltens mit Resten von Heidentum. Während der Liberalismus mit dem rationalen Singular operiert, bevorzugt der Nationalismus stets den irrationalen Plural. Für den Liberalen ist das Individuum Epizentrum der Politik, für den Nationalisten bedeutet es lediglich ein Partikel in der historischen Gemeinschaft. Um die verschiedenen Spielarten von Nationalismus sichtbar zu machen, könnte man eine europäische Familie beobachten, die am steinigen Strand der französischen Riviera Urlaub macht, und sie mit einer amerikanischen Familie am Sandstrand von Santa Barbara vergleichen. Die erstere wird peinlich genau ihren eigenen kleinen Platz abstecken und auf die Kinder aufpassen; letztere wird in dem Moment, da sie den Strand erreicht, nomadengleich ausschwärmen, jedes Familienmitglied wird dabei seine „privacy" suchen. Nebenbei: Dieses Wort existiert in den kontinentalen europäischen Sprachen gar nicht (und ist mit „private Abgeschiedenheit" nur notdürftig übersetzt).

Nach dem Zweiten Weltkrieg sich für einen Nationalisten zu erklären, bedeutete für einen Europäer etwa so viel wie das Eingehen einer Ehe mit dem Neofaschismus. Angesichts der Asche von Auschwitz waren in der Tat nur wenige gewillt, öffentlich die romantischen Ideen von Dichtern und Prinzen des 19. Jahrhunderts zu preisen, deren idyllische Eskapaden ein Jahrhundert später einem ganz und gar nicht idyllischen Schlachthaus zur Geburt verhalfen. In Jalta betrachtete man dann die Idee eines Europa, das die Liturgie von Blut und Boden sang, als zu gefährlich, und beide Supermächte fesselten diese Erinnerung mittels ihrer besonderen Strategie der „doppelten Zügelung". Nach ihrer Exkursion in den größten Bürgerkrieg der Geschichte entschlossen sich die Europäer, nicht länger über Nationalismus oder Selbstbestimmung zu sprechen. Statt dessen zogen es viele europäische Intellektuelle, besonders die gelehrten Deutschen, vor, ihre unterdrückte nationalistische Energie auf weit entfernte Palästinenser, Sandinisten, Kubaner oder Kongolesen zu richten, statt auf den eigenen ethnischen Kreis. Nationalismus in der dritten Welt wurde für die europäischen Mandarine sowohl zur esoterischen Katharsis all zum exotischen Über-Ego; über die Lage eines Xhosa in Südafrika oder eines Ibo in Nigeria zu theoretisieren oder Trecks nach Kaschmir und Katmandu zu organisieren, wurde zur eleganten Art des sich Wälzens in einem neuen politischen Romantizismus. Diese Stellvertreterart eines Meta-Nationalismus spielte lange Zeit für die untätigen und domestizierten Europäer, die Zeit brauchten, ihre Wunden zu heilen, und die auf eine neue Renaissance warteten, die Rolle eines psychologischen Ruhekissens.

Hat diese Renaissance bereits stattgefunden? Das liberale Zwischenspiel, welches 45 Jahre dauerte und seinen größten Aufschwung nach dem Kollaps seines kommunistischen alter ego erlebte, konnte in der Tat sein Ende finden. Von Iberien bis Irkutsk, von Kasachstan bis Kroatien reklamieren hunderte verschiedene Völkerschaften wieder einmal ihr Recht auf einen Platz unter der Sonne. Die Feststellung, sie würden ihre Stimme allein aus wirtschaftlichen Gründen erheben, ist irreführend, und Liberale machen einen grossen Fehler, wenn sie Nationalismus mit strukturell-funktionellen Paradigmen wegzuerklären versuchen oder wenn sie ihn achselzuckend als Überbleibsel einer traditionell vergangenen Gesellschaft abtun. Im Gegensatz zu weitverbreiteten Annahmen ist der Zusammenbruch des Kommunismus in Europa und in der Sowjetunion sehr direkt verknüpft gewesen mit ethnischen Frustrationen, die über Jahrzehnte geschlummert, sich jedoch zu sterben geweigert hatten. Dies ist das offensichtlich Paradoxe am Ende des 20. Jahrhunderts: Während allenthalben über Integration, multikulturelle Prozesse, Ökumene und kosmische Verbrüderung gesprochen wird, werden überall Brüche, Fissuren und Spaltungen sichtbar. Paradoxes zuhauf: Wenn das kleine Luxemburg einem viel grösseren Slowenien Predigten hielt über die Nützlichkeit des Verbleibens im jugoslawischen Verbund; wenn Präsident Bush, nachdem es ihm nicht gelungen war, die Balten wirklich zu retten, einen künstlichen Satrapen zu Hilfe nahm und den Begriff „Selbstbestimmung" ins Feld führte, was doch längst nur noch die Selbstbestimmung einer Handvoll neuer Machthaber war; oder wenn sowjetische Apparatschiks Sorge heuchelten bezüglich der schlimmen Lage der Palästinenser und gleichzeitig ihre Baschkiren und Meschketen umso schlimmer behandelten.

Heute tritt der Nationalismus in die dritte Phase seiner Geschichte ein und zeigt erneut - vergleichbar einer vielköpfigen Hydra und heulenden Hekuba - seinen unvorhersehbaren Charakter. Muss sich seine Kreativität allein in Gewalt äußern? Ethnische Kriege sind bereits in Nordirland im Gange, im Baskenland, auf Korsika, von Jugoslawien ganz zu schweigen, wo zwei entgegengesetzte Nationalismen das Europa von Versailles in Stücke reißen und die Nachfolger der Vertragasschliessenden mit unbequemen und fordernden Fragen konfrontieren.

Nationalismus tritt in verschiedenen Ländern unterschiedlich auf, und alle Spielarten haben ihre eigene Bedeutung. Nationalismus kann von rechts herkommen, ebenso auch von links. Er kann reaktionär oder progressiv sein, in jedem Fall aber kann er nur existieren, wenn da ein dialektisches Anderes ist. Ohne die Konfrontation mit dem aggressiven französischen Jakobinismus hätte der deutsche Nationalismus des 19. Jahrhunderts nicht gedeihen können; der moderne englische Nationalismus ist nicht denkbar ohne die Heimsuchungen durch das aggressive Preußen. Jeder Nationalismus braucht sein Feindbild, sein Bild des Bösen, denn Nationalismus ist erklärtermaßen der Ort politischer Polarisierung, wo der Unterschied zwischen Feind und Freund, zwischen „hostis“ und „amicus“, bis zu seinem tödlichen Paroxysmus vorangetrieben wird. Konsequenterweise ist es dann kein Wunder, dass ethnische oder gar interethnische Kriege (wie zur Zeit zwischen Kroaten und Serben) zu den grausamsten überhaupt gehören, wobei beide Seiten einander schmähen, sich verteufeln und für die totale Vernichtung des jeweils anderen beten.

Hinzu kommt, dass jeder Nationalismus parallel zu seinem positiven Gründungsmythen sich auch seiner negativen Mythologie bedienen muss, welche in Zeiten heraufkommender nationaler Desaster das Volk für den Kampf mit dem Feind rüstet und bestärkt. Um ihre heutige junge Generation zu mobilisieren, werden also polnische Nationalisten ihre Toten von Katyn auferstehen lassen, die Deutschen ihre in Schlesien und im Sudetenland Begrabenen; die Kroaten werden ihre Ikonographie auf den Massengräbern der Nachkriegsjahre aufbauen, die Serben ihre Hagiographie auf den Opfern der Kriegsgefangenenlager. Leichenzähler, ausgerüstet mit neuesten Statistiken und modernsten Suchgeräten, erhalten Unterstützung durch griffige Metaphern, die gewöhnlich dazu tendieren, die eigene Opferzahl stark erhöht, die des Feindes aber stark reduziert anzugeben. Deutsche Nationalisten sprechen von Polen als „Polacken", und französische Chauvinisten nennen die Deutschen „boches". Wer kann leugnen, dass rassische und ethnische Schmähungen zu den gebräuchlichsten Waffen gehören, die weltweit von Nationalisten gebraucht werden?

Nationalismus ist kein allgemeines Konzept, und liberale Ideologen täuschen sich oft, wenn sie den europäischen Nationalismus auf ein Konzept, eine Kategorie reduzieren wollen. Unterstrichen sei deshalb: Es gibt ausschließlichen, alleinigen (exclusive) sowie anderes einschließenden (inclusive) Nationalismus, ebenso wie es diese beiden Arten von Rassismus gibt. Mitteleuropäer machen im Allgemeinen einen feinen Unterschied zwischen jakobinischem staatsgebundenem zentralistischem Nationalismus sowie auf der Gegenseite dem volksgebundenen Nationalismus in Ostmittel- und Osteuropa. Der jakobinische Nationalismus ist von Natur aus zentralistisch, er zielt auf globale Demokratie, in jüngster Zeit hat er seinen Ausdruck gefunden in dem von George Bush verkündeten ökumenischen Postulat von der „einen Welt". Ironischerweise gab es schon, bevor die Jakobiner überhaupt geboren waren, eine Bewegung in Richtung auf den französischen Nationalismus, und zwar als Produkt einer besonderen geopolitischen Lage, aus der später der moderne französische Staat hervorging. Richelieu oder Ludwig XIV. waren in diesem Sinne ebenso Jakobiner wie ihre späteren Nachfolger Saint-Juste, Gambetta oder De Gaulle. In welche Richtung man im heutigen Frankreich auch blickt - nach links, rechts oder ins Zentrum -, die Antwort ist stets Jakobinismus. Auf ähnliche Weise handelten in England die Tudors und Cromwell (mit ihren Liquidierungen und dem Völkermord in Cornwall und Irland – „ad majorem dei gloriam“- sowie an einer grossen Zahl weiterer ethnischen Gruppen) als zentralistische Nationalisten. Churchill und andere britische Führer des 20. Jahrhunderts retteten das Land 1940, als sie erfolgreich an den Nationalismus appellierten.

Im Gegensatz zu weitverbreiteten Ansichten wurde das Wort „Nationalismus“ im nationalsozialistischen Deutschland kaum benutzt. Statt dessen popularisierten die deutschen Nationalisten in den zwanziger und dreißiger Jahren solche abgeleiteten Begriffe wie „Volkstum“, „Volksheit“ oder „völkisch“, die allesamt etymologisch mit dem Wort „deutsch“ zusammenhingen und während der Naziherrschaft sinnverwandt mit dem Wort „rassisch“ verwendet wurden. Das Wort „Volk“ wurde im frühen 19. Jahrhundert durch Johann Gottlieb Fichte in den deutschen Sprachgebrauch eingeführt, als die Deutschen mit einiger Verspätung begannen, ihr Staatsbewusstsein zu festigen. „Volk“ darf nicht einfach mit dem lateinischen „populus“ oder dem englischen „people“ gleichgesetzt werden. Und eine Ironie der Geschichte ist es, dass die Bedeutung des Wortes „people“ im Englischen durch seinen vielgestaltigen Sinn eher verschwommen ist. „People“ kann ein organisches Ganzes bedeuten (damit ähnlich dem „Volk“), zunehmend aber wird es im Sinne einer Ansammlung vieler einzelner Individuen gebraucht. Ebenso ironisch: Der deutsche Gedanke vom Nationalismus unterdrückten. Ähnlich übernahmen in England Kaufleute und Überseekompagnien die Rolle der Erbauer des Nationalstaats, die der englischen Krone, auch mit Hilfe von Seeräubern, zu Reichtum verhalfen. Interessant auch die Tatsache, dass Churchill während der Schlacht um England mit dem Gedanken spielte, Downing Street und den Westminster Palace in den Mittelwesten der USA zu verlagern - eine Geste, die wohl in einem mitteleuropäischen Staat als nationaler Selbstmord empfunden worden wäre.

Frankreich wurde - wie Amerika - zuerst ein Staat, auf diesem Fundament vollzog sich danach, aus unterschiedlichster Stammesherkunft die Verschmelzung der Menschen zum französischen Volk. Im Gegensatz dazu waren die Deutschen zwar lange ohne Staat, doch immer schon ein geschlossenes Volk. Die Geschichte Frankreichs dagegen ist hauptsächlich eine Geschichte des Völkermords; französische Herrscher, von den Kapetingern und Bourbonen bis hin zu den Jakobinern der Neuzeit betrieben systematisch die Ausrottung von Ozitaniern, Vendéern, Bretonen und anderen Völkerschaften. Unterdrückung von Regionalismus und Regionalbewusstsein zählte zu den wichtigsten Kennzeichen der französischen Akkulturation - bis hin zu dem jüngsten Versuch, Araber aus den Ländern des Maghreb zu „französieren". Heute zahlt Frankreich den Preis für seine Träume von Egalité und Universalismus. Einerseits versucht es, den Massen von Einwanderern aus der dritten Welt universelle Werte und Gesetze überzustülpen, andererseits muss es täglich für seine multirassischen sozialen Schichten das Prinzip der Selbstbestimmung proklamieren. Betrachtet man das Ganze aus historischer Perspektive, so spricht alles dafür, dass Frankreich zum Spitzenkandidaten dafür geworden ist, dass von ihm rassische Kriegführung auf ganz Europa übergreift.

Der Blick auf Deutschland und die osteuropäischen Staaten enthüllt dem scharfen Auge sofort eine unruhige Region mit fließenden Grenzen, „Saison-Staaten", jedoch mit stark kultur und geschichtsbewussten Völkern. Mittel- und Osteuropa verfügen über weit zurückreichende Erinnerungen, doch die dortigen Grenzen sind keineswegs klar gezogene ethnographische Linien. Deutschland z. B. bietet das Bild eines offenen und kaum definierten Staates, zugleich aber ist es eine in sich geschlossene Gesellschaft. Im Gegensatz dazu sind das jakobinische Frankreich, das funktionalistisch denkende England und Amerika geographisch geschlossene Staaten, aber offene Gesellschaften. In diesen Ländern war der Nationalismus stets einschliessend (inclusive) and trat mit globalen wie imperialistischen Ansprüchen auf, indem er seine zentralistische Botschaft weltweit sehr verschiedenen Völkern vermittelte.

Auch die Ethnopsychologie der europäischen Völker ist durch die geographische Lage beeinflusst worden. Der Deutsche war lange Zeit ländlich geprägt; sein psychologischer Habitus und sein Auftreten sind korporativ und erdverbunden. Er zeigt grosse Verbindlichkeit, doch mangelt es ihm an Höflichkeit; wie die meisten Landbewohner ist er gewöhnlich schwerfällig und tut sich schwer mit sozialen Beziehungen. Im Gegensatz dazu ist der Franzose, unabhängig von ideologischen Bindungen und sozialem Hintergrund, fast immer Kleinbürger; mit bestem Auftreten und Stil, doch voller Anmaßung. Anders als der deutsche Nationalist entwickelt der französische ein Übermaß an Stil, doch ohne Verbindlichkeit. Selbst der ignoranteste ausländische Tourist wird bei den Deutschen etwas neblige und unberechenbare Züge feststellen, während er gleichzeitig erfreut ihren Sinn fär professionelle Korrektheit und absolute Ehrbarkeit zur Kenntnis nimmt. Im Gegensatz dazu werden Körpersprache und Manieriertheit der Franzosen, so angenehm sie auch erscheinen, häufig einen perplexen Eindruck und Enttäuschung hinterlassen.

Im Verlauf ihrer Ethnogenese hat die Sprache den jeweiligen Völkern letzten „Anstrich" verliehen. Die deutsche Sprache ist eine organische, unendlich verästelte Sprache; sie ist zugleich die reichste europäische Sprache. Die französische Sprache, mit grossen Ähnlichkeiten zur englischen, ist eine begrenzte Sprache, die sich mehr im Kontext als in der Flexion entfaltet. Als idiomatische Sprachen sind das Französische und Englische ideal für maritime Handelstreibende wie für die Geschäftigkeit eines Hafens. Im Laufe der Geschichte, beim Drang der Engländer und Franzosen nach Universalismus, haben sich das „sabir“-Französisch und das „Pidgin“-Englisch sowohl als erstaunlich homogenisierende Mittel wie als handhabbare Faktoren bei der Akkulturation erwiesen. In der Folge wurden Englisch und Französisch universelle Sprachen, im Gegensatz zum Deutschen, das sich niemals aus seinem geographischen Dunstkreis hinausbewegt hat.

Die deutsche Idee vom Reich eignete sich über Jahrhunderte perfekt für die offenen Landstriche Europas, in denen diverse, eng verbundene Gemeinschaften lebten. Weder Habsburger noch Brandenburger haben jemals versucht, die nicht-germanischen Völker ihrer Jurisdiktion zu unterwerfen oder sie zu assimilieren, wie das die Franzosen und Engländer in ihren Territorien taten. Die Donaumonarchie war, ungeachtet ihrer Mängel, eine stabile Gesellschaft, erprobt in fünfhundertjährigem Bestehen. Während des ersten und zweiten Reiches verfügten die Regionen, Städte und Dörfer innerhalb der Grenzen Österreichs und Preußens über ein großes Mass an Eigenbestimmung, was sie häufig verwundbar machte gegenüber französischen, schwedischen und englischen imperialen Ambitionen.

Das deutsche „Volk“ ist ein aristokratischer wie auch ein demokratischer Begriff, da die Beziehungen zwischen der einheimischen Aristokratie und dem deutschen Volk traditionell organisch waren. Anders als Frankreich oder England hat Deutschland kaum jemals mit ausländischer Versklavung experimentiert. Die ethnischen Unterschiede zwischen Aristokratie und Volk sind in Deutschland minimal; im Gegensatz dazu hat sich die Aristokratie in Frankreich, Spanien und England für gewöhnlich aus der nordeuropäischen Herrscherkaste rekrutiert, und nicht aus der Quelle des eigenen Volkes. Folglich kann man selbst heute noch, trotz aller Forderungen der Französischen Revolution, größere rassische Differenzen zwischen einem französischen Aristokraten und einem gewöhnlichen Franzosen feststellen, als zwischen deutschen Aristokraten und Normalbürgern. In Deutschland wurzelte die Beziehung zwischen „Eliten" und „Gemeinen" stets in ganzheitlicher Umgebung, als Folge blieb man eine Gesellschaft, die kaum einen ausgearbeiteten Gesellschaftsvertrag benötigt. Die sozialen Beziehungen sind auf horizontale Hierarchie und geschlossene Strukturen gegründet, zusätzlich gestützt durch die Idee von der „Gleichheit unter Gleichen". Dagegen kann man die englische und französische Gesellschaft als vertikal hierarchisch und äußerst geschichtet bezeichnen; in der Konsequenz kann es nicht überraschen, dass der französische und englische Rassismus zu den bösartigsten Spielarten auf der Welt gehören. Hier sollte man daran erinnern, dass die ersten Rassengesetze unseres Jahrhunderts nicht in Deutschland in Kraft traten, sondern im liberalen Amerika und England.

Politologen werden eines Tages darüber nachdenken, warum die kräftigsten egalitären Impulse in Frankreich und Amerika zu beobachten sind, zwei Ländern, die noch bis vor kurzem die härtesten Formen des Rassismus praktiziert haben. Sind wir heute Zeugen einer besonderen Form von Gewissensbissen oder nationalem Masochismus, oder einfach einer egalitären Form von einschliessendem (inclusive) Nationalismus? Solcher Nationalismus und Rassismus, die sich in Universalismus und globalem Anspruch manifestieren, versuchen den Unterschied zwischen Ausländern und Einheimischen zu tilgen, obwohl der Ausländer in Wirklichkeit stets gezwungen ist, die legale Suprastruktur seiner nun „reuevollen" weißen Herren zu akzeptieren. Indem er seine rassistische Vergangenheit scheinbar beiseiteschiebt, jedoch seine universalistische Botschaft ins Extreme steigert, zeigt der Westen paradoxerweise, dass er heute kein bisschen weniger rassistisch ist, als er es gestern war. Ein elitärer Denker wie Vilfredo Pareto hat dazu geschrieben, dass liberale Systeme im Niedergang sich mehr um die Herkunft ihrer Hunde zu sorgen scheinen als um die Herkunft ihrer Nachkommen. Und ein Linker, Serge Latouche, bemerkte kürzlich, dass die liberalen Rassisten, während sie die Flagge des ethnisch-nationalen Masochismus schwenken, zugleich ihren „dekorativen Farbigen" liberale Werte und Rechtsnormen aufzwingen.

Völkern und ethnischen Gruppen geht es wie Zweigen und Blutenblättern; sie wachsen und sterben ab, selten nur erstehen sie wieder. Frankreich und England mögen ihre glorreiche Vergangenheit beschwören, doch diese Vergangenheit wird unweigerlich mit der neuen, ethnisch vielfältigen Realität verbunden werden müssen. Litauen war vor mehreren Jahrhunderten ein gigantisches kontinentales Imperium, heute ist es nur ein Fleckchen auf der Karte. Das unbedeutende Moskau des 15. Jahrhunderts wurde zum Zentrum des folgenden russischen Reiches, weil in anderen Fürstentümern, wie Susdal oder Nowgorod, mehr über Ästhetik als über Machtpolitik reflektiert wurde. Große Katastrophen, wie Kriege und Hungersnöte, können Vorboten des Zusammenbruchs einer Nation sein, doch ebenso können Zügellosigkeit und demographischer Suizid den Ausgang des menschlichen Dramas bestimmen. Das postideologische Europa wird sehr bald entdecken, dass es sich nicht für ewig in die Abhängigkeit von Ideen technokratischer Eliten begeben kann, die der Chimäre eines „gemeinsamen europäischen Marktes" hinterherjagen. Wie stets, so wird auch diesmal die Bedeutungsschwere von kostbarem Blut und heiligem Boden überspringen von denen, die ihr Schicksal am besten zu meistern wissen, auf jene, die bereits entschlossen waren, ihr Schicksal aufzugeben. Oder, um Carl Schmitt zu paraphrasieren: Wenn ein Volk sich von der Politik abwendet, so bedeutet dies nicht das Ende der Politik; es bedeutet einfach das Ende eines schwächeren Volkes.